Vor Experten und rund 150 Zuhörern hat Guido Knopp (rechts), Chefhistoriker des ZDF, in der Schloss-Scheuer über Klaus Schenk Graf von Stauffenberg gesprochen. Dessen Sohn Berthold (vorne Mitte zwischen seiner Frau Mechthild und Historiker Peter Hoffmann) machte keinen Hehl daraus, dass die Erinnerungen an die Folgen des 20. Juli 1944 noch immer auf ihm lasten. Foto: Eyrich

Guido Knopp spricht über den 20. Juli 1944 und seine Folgen für das Ansehen Deutschlands.

Albstadt-Lautlingen. "Ich war noch nie in Lautlingen – und das ist eine Schande", hat Fernsehhistoriker Guido Knopp gestern zu Beginn seines Vortrags auf dem Stauffenberg-Areal bekannt und sich verbal vor seinem Publikum verneigt. Denn dazu gehörten viele Stauffenberg-Kenner.

 

"War Stauffenberg ein Held?" Um diese – für Knopp rhetorische – Frage zu beantworten, war der Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte gestern nach Lautlingen gekommen. Seine Antwort wollten nicht nur der Sohn des gescheiterten Hitler-Attentäters, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, und der renommierteste Stauffenberg-Forscher Peter Hoffmann hören, sondern auch so viele Zuhörer, dass die Veranstaltung vom Schloss in die Schloss-Scheuer verlegt werden musste. "Hier über Stauffenberg zu reden, macht mich etwas befangen", räumte Knopp ein. "Es heißt wahrscheinlich, Eulen nach Athen zu tragen."

Wenngleich sein Vortrag – untermalt mit Szenen aus Knopps Dokumentation "Stauffenberg – Die wahre Geschichte" – nicht allzu lang war: Dem 62-Jährigen gelang es, das Bild des Menschen Stauffenberg zu zeichnen, seine Motive für den Attentatsversuch herzuleiten, seine Persönlichkeit zu erklären.

Der Versuch des Tyrannenmords war auch ein Zeichen an die ganze Welt

Was Knopp immer wieder betonte: Den Tyrannen selbst zu beseitigen – als Zeichen an die Welt, dass in Deutschland nicht alle Mittäter und Mitläufer waren –, das sei das wichtigste Motiv der Verschwörer des 20. Juli 1944 gewesen.

Dass Stauffenberg diese durch seinen Mut, sein Charisma bei der Stange gehalten, die Fäden auch in den langen Stunden der Unsicherheit über den Erfolg des Attentats in der Hand behalten habe, wertet Knopp als Indiz für die Stärke des Grafen und schilderte detailliert die Ereignisse im Führerbunker, dem Ort des Attentatsversuchs, sowie anschließend in Berlin: "Um deutlich zu machen, unter welchem Zeitdruck Stauffenberg handeln musste – immer in der Gefahr, entdeckt zu werden."

Der 20. Juli 1944 sei jener Tag gewesen, "an dem Stauffenberg ein wenig von der Schande tilgte, in die sein Heimatland geraten war", so Knopp. "Er allein behielt in der wachsenden Verwirrung die Nerven."

Während der Film schilderte, wie Nina ihren Kindern die Nachricht von der Tat und dem Tod des Vater beigebracht hatte, wanderte Knopps Blick hinüber zum ältesten Sohn des Grafen. Und Berthold Schenk Graf von Stauffenberg verbarg seinen Schmerz über die Erinnerung nicht: "Die Vorsehung schützte unseren geliebten Führer", hatte seine Mutter gesagt. Sie wollte dadurch die Familie schützen, sich nur nach außen von der Tat distanzieren.

"Der Film mit Tom Cruise hat allen gezeigt: Es hat Widerstand gegeben."

Obwohl Knopp für Detailfragen auf Hoffmann verwies: Die anschließende Diskussion kam munter in Gang, auch über den Film "Operation Walküre" mit dem umstrittenen Hauptdarsteller, dem Scientologen Tom Cruise. Der Film habe "erstmals einem breiten Publikum zwischen Rio und Manila gezeigt, dass es Widerstand in Deutschland gegeben hat", so Knopp. "Und dafür bin ich dem Film dankbar."

Kommentar: Bestanden

Auf eine Feuerprobe hat sich Guido Knopp gestern eingelassen: Vor dem Sohn von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, vor dem Stauffenberg-Experten Peter Hoffmann und all den Kennern der gräflichen Geschichte in Lautlingen hat er über den gescheiterten Hitler-Attentäter gesprochen. Das war selbst für den Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte kein Termin wie jeder andere. Doch Knopp hat das Beste daraus gemacht, hat aufgefahren, was seine Spezialität ist – Ausschnitte aus seiner Stauffenberg-Dokumentation – und in seinem Vortrag Stauffenberg realistisch eingeschätzt: Stärken hervorgehoben, Fehler, eingebettet in den Kontext, erklärt. Dass er für Detailfragen auf Hoffmann verwiesen und sich zurückgenommen hat, war nicht unbedingt zu erwarten, denn Knopp gilt als eitel. Dass er seine Grenzen kennt, steht ihm gut zu Gesicht.