Klaus Konzelmann knöpft sich bei Bürgerinitiative vor. Tunnelvariante nicht machbar.
Albstadt - Entschieden, wie man ihn kennt, und doch ungewöhnlich deutlich hat Oberbürgermeister Klaus Konzelmann beim zweiten Bürgerfest derzeit aktuelle Themen kommentiert.
Dass der Oberbürgermeister von Albstadt kein "Jenachdemer" ist, der nur den Mut für Sonntagsreden aufbringt, hat er beim Bürgerfest am Freitagabend in der Zollernalbhalle – einmal mehr – deutlich gemacht. "Ständige Vorsprachen bei Ministerien, um irrigerweise darzustellen, Lautlingen und große Teile der Stadt Albstadt wollten diese Südumfahrung nicht, sind unfair und unlauter und setzen die ganze Stadt der Gefahr einer Kollektivstrafe aus, nämlich dass wir gar nichts kriegen!", sagte Konzelmann deutlich in Richtung der Bürgerinitiative, die sich für eine Tunnellösung für die Ortsumfahrung Lautlingen einsetzt und die seit den 1990er Jahren geplante Südtrasse seit 2016 bekämpft. Dankbar sei er hingegen für einen Termin beim Landesverkehrsministerium, bei dem "endlich einmal Tacheles" geredet worden sei: "Der Bürgerinitiative wurde ganz deutlich erklärt, dass die von ihnen eingebrachte Tunnelvariante technisch nicht umsetzbar ist" – Konzelmann holte Luft und unterstrich: "Technisch nicht umsetzbar ist – ganz unabhängig von den Kosten."
Er sei nun "wirklich gespannt, ob sich die Verantwortlichen der Bürgerinitiative an ihr Wort halten, das sie am 28. März dieses Jahres im Rathaus in Ebingen den Berfürwortern der Südumfahrung" – als deren Vertreter nannte er Thomas Schmid und Edwin Schreyeck – sowie der Ortsvorsteherin Juliane Gärtner, den Bürgermeistern Anton Reger, Udo Hollauer und ihm gegeben hätten: "Die Herren sagten dazu, dass sie sich für die bisher geplante Trasse, die Südumfahrung, einsetzen werden, wenn ihre Variante in den nächsten 15 Jahren nicht umsetzbar – oder überhaupt nicht umsetzbar – sein sollte. Eine Zusage, weil auch sie die lang ersehnte Entlastung für Lautlingen wollen. Eine Zusage, dass die BI keine Verhinderungstaktik führen will, sondern alle – wir alle – an einem Strang ziehen. Schauen wir mal, ob man sich an dieses Versprechen hält." In der Zollernalbhalle brandete Applaus auf.
Als nächstes ging Konzelmann auf die Kritiker aus "Teilen der Eltern- und Lehrerschaft" ein, die der Stadt vorhielten, "man setze nicht alle Wünsche um oder es gehe nicht überall gleich schnell vorwärts: Alles Wünschenswertes ist nun mal nicht möglich, und alles auf einmal, liebe Kritiker, geht auch nicht". Mit den derzeitigen Investitionen in Bildung könne sich die Stadt allerdings sehen lassen – zahlreiche Beispiele aus dem Bildungsbereich zählte er auf.
"Das ist ein Jahrhundertprojekt!"
Ein weiteres Thema, bei dem Konzelmann Tacheles redete, war die Krankenhausdebatte: "Albstadt muss auch in Zukunft Krankenhausstandort bleiben. Aus diesem Grund priorisieren wir den Bau einer Zentralklinik auf der Grünen Wiese."
Ein von der Stadt beauftragtes Gutachten habe dies klar als die beste Lösung ermittelt: eine Zentralklinik, die sich sowohl auf Albstädter, als auch auf Balinger Gemarkung befinde – eben dort, wo die meisten Patienten herkämen. "Den Kritikern, die eine Finanzierbarkeit eines solchen Klinikums in Frage stellen, entgegne ich, dass es sich hier um ein Jahrhundertprojekt für diesen Landkreis handelt und dass nach der Förderzusage von Sozialminister Manfred Lucha dem Projekt nichts mehr im Weg stehen sollte", betonte das Stadtoberhaupt. "Eine ganz klare Ansage an die Bürgerinitiative ›Pro Krankenhaus in Albstadt‹ kommt hier und heute von mir: Ich habe mich schon immer dafür eingesetzt und setze mich aktuell dafür ein, dass unsere Stadt, dass Albstadt, Krankenhausstandort bleibt."
Viele weitere Themen (wir werden noch berichten) schnitt Klaus Konzelmann an diesem Abend an, ehe das Städtische Orchester Albstadt und der Comedian Dodokay die Gäste in der fast voll besetzten Zollernalbhalle unterhielten – und sie sich noch lange miteinander am Buffet. Schließlich sollte es vor allem ein Fest der Begegnung sein.