Das Nadelöhr: Beim Feuerwehrhaus (links) ist der einzige Punkt, an dem die Erdverkabelung nahe an Häusern verlaufen wird. Foto: Eyrich

Breite Zustimmung für Zuschuss der Stadt zur Erdverkabelung der 110-kV-Leitung in Laufen.

Albstadt-Laufen - Laufen bekommt seine Erdverkabelung für die 110-kV-Leitung. Dass die Zustimmung gestern Abend im Gemeinderat Albstadt so hoch ausfiel, ist wohl nicht zuletzt Ortsvorsteher Peter Landenberger zu verdanken, wie Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow betonte.

"Wir triumphieren nicht – wir freuen uns!" Der Kommentar der Laufener Ortschaftsrätin Birgitt Frohme trifft die Stimmung, die nach der Entscheidung des Gemeinderats über die noch junge "Variante E" für die Erneuerung der 110-Kilovolt-Leitung durch Laufener Gemarkung unter den dortigen Anwohnern herrschte.

Zwar muss die Stadt Albstadt 1,9 Millionen Euro zuschießen, damit die Hochspannungsleitung, die buchstäblich in den Lebensbereich der Anwohner, vor allem am Hang, eindringt, unter der Erde verschwindet. Immerhin hat sie nach den Verhandlungen mit dem Energieversorger EnBW Kostensicherheit – teurer wird es also nicht. Weit gewichtiger als die Kosten jedoch fielen für 22 der 26 anwesenden Stadträte die Argumente aus, die Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow für eine Erdverkabelung anführte, welche weitgehend um den Ort herum verläuft und nur an wenigen Wohnhäusern vorbeiführt – möglich macht das ein unbebautes Gründstück, von dem die Stadt inzwischen festgestellt hat, dass es nach wie vor in ihrem Besitz ist. Eine Klage gegen die Erneuerung der Hochspannungsleitung halte der Rechtsberater der Stadt für aussichtslos, so Gneveckow. Variante E sei 1,2 Millionen Euro günstiger als die im November vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnte Erdverkabelung um den gesamten Ort herum. Und nicht zuletzt fordere die Neuauflage des Energiewirtschaftsgesetzes auf neuen Trassen komplette Erdverkabelung – da sei auch bei einer Erneuerung im Bestand den Menschen nicht zuzumuten, weitere 50 oder 60 Jahre mit der Freileitung leben zu müssen.

Die Bedingung für die Entscheidung der Stadtverwaltung, Variante E zum Beschluss vorzuschlagen, nannte Gneveckow ebenfalls: Der Ortschaftsrat Laufen, der am Montag einstimmig Variante E befürwortet hatte, muss einmalig 50 000 Euro und in den nächsten zehn Jahren jährlich 5000 Euro aus seinen Verfügungsmitteln beitragen.

Bei zwei Enthaltungen habe der Technische und bei einer Enthaltung der Verwaltungs-Ausschuss Variante E bereits befürwortet, betonte Gneveckow, ehe er seinen Dezernenten dankte: Baubürgermeister Udo Hollauer habe immer nach Lösungen gesucht, Finanzbürgermeister Anton Reger die 1,9 Millionen im Haushalt untergebracht.

"Unermüdlicher Brückenbauer"

Besonders dankte der OB jedoch Ortsvorsteher Peter Landenberger aus Laufen "für sein unermüdliches Brückenbauen", und Klaus Konzelmann (Freie Wähler) setzte noch einen drauf mit dem, was auch der berufsbedingt fehlende Grünen-Stadtrat Andreas Laib im Technischen Ausschuss schon gesagt hatte: "Laufener Bürger, Ihr könnt wirklich stolz sein auf Euren Ortsvorsteher", der ohne große Töne, sachlich und demokratisch für Variante E geworben habe. Konzelmann betonte aber auch, dass die Entscheidung kein Präzedenzfall sein dürfe: Bei anderen Leitungsabschnitten bestehe kein Handlungsbedarf.

Für die CDU nannte Ralf Keppler diverse Gründe, warum diesmal doch die meisten ihrer Räte zustimmten: unter anderem, weil der Schwarze Peter bei der Erneuerung solcher Leitungen von oben nach unten durchgereicht werde. "Naturschutzrechtlich wäre eine Freileitung" – gemeint war die Variante um den Ort herum – "nicht vertretbar gewesen, im Ort schon", kritisierte Keppler die vormalige Stellungnahme des Regierungspräsidiums Tübingen.

Susanne Feil (Grüne), freute es, "dass wir nochmals abstimmen": 1,9 Millionen Euro seien viel Geld, das an anderer Stelle fehle, aber in Laufen seien sie gut investiert. Hubert Reinauer (FDP) stimmte dem zu: "Gott sei Dank haben wir die Variante E gefunden."

"Richtig und notwendig, dass die Stadt das Geld in die Hand nimmt für die Laufener", findet es auch Elke Rapthel (ZUG), die ihren eigenen Polterabend um zwei Stunden vertagt hatte, um mitabzustimmen. Im Vorfeld hatte es Gerüchte gegeben, dass etliche Räte fern bleiben wollten, weil sie schließlich schon einmal abgestimmt hatten.

SPD-Fraktionschef Martin Frohme dankte als Laufener Udo Hollauer für die Suche nach der Variante E, und auch die Bürgerinitiative "Traufgang-Stromer" aus Laufen kommentiert das Ende der unendlichen Geschichte um die 110-kV-Leitung: "Die Stadt beweist Konsequenz und Weitblick in der Weiterentwicklung ihres Leitbildes ›Albstadtkonzeption 2010‹. Die Variante E ist ein klarer Gewinn für die Wohn- und Lebensqualität der Albstädter Bevölkerung und somit auch ein weiterer Pluspunkt der ›weichen Standortfaktoren‹ für die heimische Wirtschaft."