Ein 92-jähriger Albstädter und seine Frau haben Dank der BeneVit-Stiftung noch einmal besondere Erlebnisse am Eichfelsen erleben dürfen. Jennifer Furore und Gülbahar Celik haben sie begleitet. Foto: Haug

Albstädter wandert noch einmal hinauf zum Eichfelsen im Naturpark Obere Donau. BeneVit hilft mit.

Albstadt - Fotografieren, Filmen und Wandern – das sind seine großen Leidenschaften gewesen. Er ist 92 Jahre alt und hat einen großen Wunsch: noch einmal seinen Lieblingsort besuchen.

Der Eichfelsen im Naturpark Obere Donau ist für den 92-jährigen Albstädter immer wieder ein Erlebnis. Früher, so erzählt er beim Aufstieg, sei er immer mit seiner Frau hierher gefahren, habe sie am Wanderweg rausgelassen und sei selbst zurück zum Parkplatz gefahren, um eine weitere Strecke zu laufen.

Pflegedienst erfüllt Lebenswünsche

Heute muss auch er den kurzen Weg nehmen. Der 92-Jährige hat ein Herzleiden und benötigt die Hilfe des ambulanten Pflegedienstes "BeneVit mobil" aus Burladingen. Die Hilfe des Dienstes geht aber weit über die übliche Pflege hinaus. BeneVit erfüllt auch Herzens- und Lebenswünsche. "Wir hören zu. Wir wollen wissen, was den Menschen, den wir pflegen, ausmacht", sagt Pflegedienstleiterin Jennifer Furore.

Beide – Furore und ihr Klient – verbindet dieselbe Leidenschaft: das Fotografieren. Im Gespräch über ihr gemeinsames Hobby sind sie auf das Thema schönste Orte gekommen und so letztlich zu dem Wunsch, noch einmal auf den Eichfelsen zu wandern.

Jennifer Furore hat ihm diesen Wunsch erfüllt. Gemeinsam mit Kollegin Gülbahar Celik und den Eheleuten aus Ebingen machen sie sich auf zu den schönsten Aussichtspunkten des Donautals. Im Gepäck: selbstverständlich die Foto- und Videokamera. Insgesamt vier Stunden sind sie unterwegs. Die einzelnen Aussichtspunkte fahren sie so weit es geht mit dem Auto an und laufen die restliche kurze Strecke.

Oben angekommen bietet sich ein spektakulärer Ausblick. Natur in ihrer schönsten Pracht. Der 92-Jährige glänzt mit seinem Fachwissen, das er sich über die Jahre angesammelt hat. Felsen und Kloster – zu allen kennt er die jeweilige Geschichte. Drei Jahre ist es nun her, dass der passionierte Wanderer zuletzt dort war. "Ich weiß, dass es das letzte Mal ist", sagt der 92-Jährige, der immer wieder betont, wie froh er über das Erlebnis ist.

"Wir bei BeneVit wollen besonders auf die Bedürfnisse unserer Bewohner und Klienten eingehen. Die Pfleger und Pflegerinnen hören schon bei der Aufnahme eines Bewohners in die Pflegeeinrichtung oder eines Klienten in den ambulanten Bereich ganz genau hin. Was sind die emotionalen Bedürfnisse, was sind Wünsche, die womöglich nie erfüllt wurden? Daraus ist die Idee entstanden, bei BeneVit Herzens- und Lebenswünsche zu erfüllen", erklärt Jennifer Furore.

Nicht nur außergewöhnliche Wünsche

Da gab es beispielsweise die 89-Jährige aus dem Haus am Weinberg in Oestrich-Winkel, die schon immer einmal eine Prinzessin sein wollte. Oder der 84-jährige Herr, der beruflich stets mit dem Lastwagen unterwegs war und noch einmal in einem solchen sitzen wollte. Oder die Dame aus dem Haus Epprechstein in Kirchenlamitz, die ihre Zwillingsschwester, die 250 Kilometer entfernt wohnt, vier Jahre nicht mehr gesehen hatte. Oder der Herr, der sich von Herzen wünschte, mit einem Gleitschirm zu fliegen.

Dabei geht es aber nicht darum, außergewöhnliche oder besonders spektakuläre Wünsche zu erfüllen. Es geht darum, zuzuhören und den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie gehört und ernst genommen werden. Eine Bootsfahrt auf dem Rhein, der Besuch eines Fußballspieles oder eine ordentliche Portion Spareribs auf dem Grill stehen ebenso auf den Wunschlisten.

Im Jahr 2014 wurde die BeneVit Stiftung gegründet. Mit ihr sollen Vorhaben und Projekte gefördert werden, die zum Wohlergehen älterer und pflegebedürftiger Menschen beitragen. Oft möchten Angehörige, Bewohner oder Klienten ihre Anerkennung mit einer Geldspende zum Ausdruck bringen. Direkte Geldzuwendungen verstoßen allerdings gegen geltendes Recht, weil alle Heimgesetze das grundsätzlich untersagen. Die BeneVit Gruppe bittet deshalb darum, alle Spenden direkt an die Stiftung weiterzugeben. Und aus diesem Topf wird für das Erfüllen der Wünsche geschöpft.

Auch wenn der Wunsch des 92-jährigen Ebingers in Erfüllung gegangen ist – einen hat er noch frei: Er und seine Frau lassen auf der Spitze des Felsens Luftballons steigen und wünschen sich etwas. Und vielleicht gehen ihre Wünsche ja in Erfüllung.

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