Die Spielothek ist Vergangenheit, doch die Spiele bleiben: Das Bild zeigt (von links) Elizabeth Lueginger, Sabine Friz, Tanja Wachter, Rosemarie Michel, Carmen Metzler, OB Klaus Konzelmann, Manfred Lueginger und Kulturamtschef Martin Roscher.Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder Bote

Spielothek: Eine Albstädter Institution zieht den Schlussstrich unter 40 Jahre ehrenamtliches Engagement

Das Schwabenalter hat sie gerade noch erreicht – 40 Jahre lang hielt die "Spielothek" im Ebinger Bildungszentrum die unterschiedlichsten Angebote für "verspielte" Albstädter bereit. Das ist vorbei: Der Verein löst sich auf.

Albstadt-Ebingen. Das Wort mag gelegentlich den einen oder anderen aufs Glatteis geführt haben; die Institution war jedoch völlig unverdächtig: Die "Spielothek", das war keine Spielhalle oder gar -hölle, sondern eine Spielausleihe, welche Elizabeth Lueginger, Engländerin und Wahl-Albstädterin, 1981 zusammen mit einem knappen Dutzend Mitstreiterinnen nach britischem Vorbild ins Leben gerufen hatte.

Zielgruppe waren anfangs Familien mit Kindern mit Behinderung – die Luegingers waren selbst so eine Familie und daher wohlvertraut mit dem Problem, dass geeignetes Spielzeug einerseits teuer, andererseits nur für kurze Zeit im Gebrauch war. Die "Spielothek" schuf hier Abhilfe; sie verlieh solche Spielsachen gegen eine geringe Gebühr.

In den ersten Jahren war das Haus von Familie Lueginger in Laufen Ausleihstelle; 1985 bezog sie dann mit 30 Mitgliedern und 330 Spielen ein neues Domizil in der Stadtbücherei, einen kleinen fensterlosen Raum, der, weil der Spielbestand rapide anstieg, schon bald aus allen Nähten zu platzen drohte. Doch erst Ende der 1990er konnte die Spielothek in größere, schönere und hellere, weil befensterte Räumlichkeiten umziehen; zur gleichen Zeit änderte sie auch ihre Satzung und machte ihr Angebot, das sich bis dahin ausschließlich an Kinder mit Behinderung und ihre Familien gerichtet hatte, für jedermann zugänglich.

In den Folgejahren gedieh die Spielothek. Unter der Führung von Doris Vogel erlangte sie auch über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit, baute ihren Spielebestand kontinuierlich aus und nahm an vielen Veranstaltungen teil – beispielsweise an den Schultütenaktionen des Gesundheitsamts, den Aktionstagen der Bücherei, am Albstädter Fest der Kulturen sowie an Spieleschulungen, Spieleabenden, Gesundheitstagen, Kinderfesten, Schulprojekten und Bildungsforen. Zweimal, im Jubiläumsjahr 2006 und 2007, wurde sie im Ehrenamtswettbewerb "Echt gut! Ehrenamt in Baden-Württemberg" rühmend erwähnt. Die Zahl der Spiele stieg zeitweilig auf bis zu 1500 an, die der Nutzer auf über 300. Auch die der Mitglieder war zuletzt dreistellig.

Viele Spiele – aber nur wenige Aktivistinnen

Die entscheidende Zahl aber stagnierte: die der Aktivistinnen – das Spielothek-Team bestand 40 Jahre lang fast ausschließlich aus Frauen. 16 waren es vor Beginn der Pandemie; zwei Drittel befanden sich im Rentenalter, darunter der harte Kern, was nicht verwundert: Die Jüngeren waren beruflich und durch die Familie eingespannt. Als im März 2020 der erste Lockdown begann, zogen sich die meisten, der Damen, die bis dahin den Ausleihdienst bestritten hatten, zurück, da sie zur Hochrisikogruppe zählten. Unter diesen Umständen ließ sich auch ein Betrieb zwischen Tür und Angel, wie ihn die Stadtbücherei praktizierte, nicht länger aufrecht erhalten.

Wie sich mittlerweile erweist, ist der Rückzug von Dauer. Die letzten Verbliebenen um Elizabeth Lueginger und die derzeitige Vorsitzende Sabine Friz haben daraus die Konsequenz gezogen und das Projekt "Spielothek" für beendet erklärt. Am Montag zogen sie ganz offiziell den Schlussstrich und vermachten den Bestand – an die 1200 Brett-, Karten- und sonstige Spiele, dazu Puzzles, Holzspielzeug und Gerätschaften wie die beliebten Pedalos – der Stadtbücherei.

Bei der Übergabe war nicht nur Büchereichefin Tanja Wachter, sondern auch Kulturamtsleiter Martin Roscher und der Oberbürgermeister persönlich zugegen. Klaus Konzelmann bedankte sich bei Sabine Friz, Elizabeth und Manfred Lueginger, Rosemarie Michel und Carmen Metzler für ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz, verwies auf die Bedeutung des Spielens für die soziale Kompetenz und die kognitiven Fähigkeiten und überreichte gemeinsam mit Wachter und Roscher Blumensträuße sowie Mitgliedsausweise der Bücherei.

Die Spielfreudeist ungebrochen

Die nun also auch Spiele und Spielzeug verleiht. Nicht alle 1200 – manches bekommen die Albstädter Kindergärten, anderes wird beim nächsten Flohmarkt die Auslagen zieren. Doch die Klassiker – "Tikal", "El Grande", "Scotland Yard", "Carcassonne", die "Siedler von Catan" und nicht zuletzt "Monopoly" sind nach wie vor mit jeweils mehreren Exemplaren im Angebot vertreten. Spielt denn heutzutage noch jemand; haben die Spiele-Apps nicht längst Würfel, Brett, Karten und Konsorten den Rang abgelaufen? Nein, versichert Sabine Friz, das Interesse sei so groß wie eh und je. Oder werde es wieder sein, wenn erst die Pandemie ausgestanden sei.

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