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Albstadt Spannender als ein Krimi

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Vor der Kulisse der historischen Rundstrickmaschinen im Tailfinger Maschenmuseum präsentierte Imke Müller-Hellmann ihr Buch "Leute machen Kleider". Foto: Müller Foto: Schwarzwälder-Bote

"Kleider machen Leute" heißt die berühmte Novelle von Gottfried Keller – die Bremer Religionswissenschaftlerin Imke Müller-Hellmann hat den Titel leicht modifiziert und ihr Buch, das sie im Tailfinger Maschenmuseum vorstellte, "Leute machen Kleider" genannt.

Albstadt-Tailfingen. Müller-Hellmanns literarische In­spektion der textilen Fertigungskette hat den Charakter einer Recherchereise, die überraschenderweise im Kloster beginnt. "Wieviel Welt lassen wir in uns hinein?" fragt sich die Autorin während ihres einwöchigen Retreats und beschließt, der Verdrängung zu trotzen und herauszufinden, wo ihre Kleider herkommen und was das für Leute sind, die sie machen. Denn so viel muss klar sein – hinter jedem Kleidungsstück stecken Menschen und ihre Schicksale.

Und so sucht sich Müller- Hellmann zehn ihrer Lieblings-Kleidungsstücke aus, nimmt unbezahlten Urlaub und macht sich auf die Reise. Die Spur des Slips "Claudia" führt nach Tailfingen, genauer: zur Firma Gebrüder Conzelmann alias Con-ta. Dort wird sie von einem freundlichen Textilveredler empfangen, der sie ohne Umschweife durch den Betrieb führt und damit sogleich Punkte in Sachen Transparenz sammelt. Und nicht nur das: Auch die Devise "So wenig Chemie wie möglich" gefällt der Besucherin – und dass dieser Grundsatz seinen Preis hat, leuchtet ihr auch ein. "Aus einem schwarzen T-Shirt für vier Euro bekomme man das Gift nie wieder raus", erfährt sie von ihrem Gewährsmann – und dass es gut und gern 150 Euro kostet, ein Kilogramm Stoff mit Naturindigo zu färben. Auch der Tierschutz hat bei Con-ta einen hohen Stellenwert; die Angorawolllieferanten – Hasen – werden vorsichtig geschoren und nicht etwa "gerupft".

Nächste Station ist eine Firma im Sauerland – dort erfährt Imke Müller-Hellmann, dass die Tailfinger Gastfreundschaft keine Selbstverständlichkeit ist: Der Eintritt bleibt ihr verwehrt. Drei der zehn ausgewählten Klei­dungsstücke wurden in China hergestellt – und auch die Chefs der Zulieferer, die sie auf der Suche nach der Herkunft ihrer H&M-Jacke konsultiert, erweisen sich als unkooperativ.

Dennoch findet die "Provenienzforscherin" so manches heraus: Die Mütter, die in den Textilfabriken arbeiten, sehen ihre Kinder zweimal im Jahr; aufgezogen werden diese von den Großeltern. Die Chinesen haben eine Sechs-Tage-Woche "und keine Wünsche. Sie tun alles für ihre Familien".

Nächste Station: Bangladesch. Imke Müller-Hellmann erlebt freundliche Menschen – und einen Fluss, in den "ich keinen Finger hineingesteckt hätte – eine richtige Kloake".

Danach Mexiko, Honduras und Guatemala – alles weit weg, aber, so die Autorin, aufgrund der Globalisierung nicht so weit, dass man die dortigen Arbeitsbedingungen einfach ignorieren könnte. Ein Gast fand das passende Schlusswort: Dieses Buch stelle jeden Krimi in den Schatten.

Weitere Informationen: Imke Müller-Hellmann: Leute machen Kleider. Eine Reise durch die globale Textilindustrie. Osburg Verlag, 20 Euro. ISBN: 978-3-95510-141-1

 
 

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Karina Eyrich

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