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Albstadt Sorgen im "Garten Eden"

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An Computern für Fern-Unterricht fehlt es hinten und vorne. Foto: Schwarzwälder Bote

Auch das ecuadorianische Kinderheim "Jardin del Eden", das seit vielen Jahren durch die Albstädter Michael-Günther-Stiftung unterstützt wird, leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie: Es steht faktisch unter Quarantäne.

Albstadt. Das südamerikanische Land Ecuador wurde von der Corona-Pandemie sehr früh und sehr hart getroffen: Die Nachrichten von auf den Straßen liegenden Toten in Guaya­quil, der größten Stadt mit dem Haupthafen des Landes, gingen um die Welt. Etwas später meldete auch das Hochland stei­gende Fallzahlen, vor allem die Hauptstadt Quito. Die Schulen, viele Geschäfte und Betriebe wurden geschlossen, Bus­linien eingestellt, Märkte verboten; die Wirtschaft des ohnehin überschulde­ten Landes wurde dadurch schwer geschä­digt.

Wie überall traf es auch in Ecuador die Ärmsten der Armen be­sonders hart. Die Menschen in den Hochlagen der Anden konnten die spärlichen Erträge ihrer kargen Äcker nicht mehr verkaufen; sie konnten auch nicht mehr einkaufen – zum einen, weil sie kein Geld mehr hatten, zum anderen, weil sie nicht mehr in die Städte kamen; es fuhren ja keine Busse mehr.

Auch der "Jardin del Eden", den deutsche Spender seit 28 Jahren unterstützen, bekam die Folgen des Lockdowns zu spüren. Die Eltern können ihre Kinder nicht mehr besuchen; nur zwei Personen aus dem Heim dürfen die Anlage verlassen, um einzukaufen und wichtige Geschäfte zu erledigen. Die Schulen bleiben auch nach den Ferien geschlossen; man ver­sucht, die Kinder übers Netz zu unterrichten, aber da nicht genug Computer zur Verfü­gung stehen, sind diese Anstrengungen unzulänglich. Für die Er­zieher im Heim war und ist es schwierig, die Kinder den ganzen Tag zu betreuen.

Hinzu kommt, dass der Staat seine Zuschüsse gekürzt hat und das, was bleibt, je länger je mehr mit Verzögerung auszahlt. Entlassungen von Personal ließen sich daher nicht vermeiden.

Das kleine Internat "Chaka Wasi" in Pujili, das Schüler aus besonders hoch gelegenen Dörfern besuchen, bleibt bis auf weiteres geschlossen und die jungen Leute daheim in ihren Familien – sie erhalten jetzt Aufgaben übers Mobiltelefon. Um die extreme materielle Notlage in den Bergen etwas zu lindern, fuhren Rocio Simaluisa, die Leiterin des Internats, und ihre Schwester nun in ihrem alten, klapprigen Pickup von Dorf zu Dorf und versorgten die bedürftigsten Familien mit Lebensmitteln, Medikamenten und was sonst noch benötigt wurde. Außerdem gaben sie Hilfestellung bei der Anlage von Gärten, die Selbstversorgung stärken sollen, halfen den Schülern bei den Hausaufgaben und brachten letztere dort, wo man sie aus technischen Gründen nicht übers Smartphone empfangen konnte, persönlich vorbei.

All das muss irgendwie bezahlt werden – vom ecuadorianischen Staat erhält "Chaka Wasi" über­haupt keine Zuwen­dungen. Um so dringender ist das Internat auf Spenden aus Deutschland angewiesen – und das in einer Zeit, da die "Michael-Günther-Stiftung" selbst mit coronabedingten finanziellen Engpässen kämpft: Das Spendenauf­kommen des Jahres 2020 wird wahrscheinlich deutlich unter dem der Vor­jahre bleiben – zum einem, weil viele Spen­der aus der Wirtschaft selbst vor ökonomischen Proble­me stehen, vor al­lem aber, weil voraus­sichtlich die wichtigste Ein­nahmequelle wegfällt: die Er­löse aus den Spendenaktionen und Weihnachts­markt- verkäufen zahlreicher Schulen im Land.

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