Autorin Beate Müller wagt ihre ersten Schritte auf der Slackline. Fazit: Schwieriger als gedacht.
Albstadt - Auf einem gespannten Gurt in geringer Höhe zu Balancieren kann doch nicht zu schwer sein. Ist es aber, wie ich beim Sommerangebot "Impulse" erfahren hab. Bis Anfang August spannt Tim Schwenk jeden Donnerstagnachmittag seine Slackline.
Slackline ist ein typischer Sommersport erklärt Tim Schwenk. Im Schwimmbad oder bei Grillfesten spannt er gerne den mehrere Meter langen Spanngurt zwischen zwei Bäume und balanciert. Tim, der sich auf der Slackline sehr souverän fortbewegt, wagt sich auf dem gespannten Band an einige Kunststücke: Auf der Stelle wippen, Drehen, Rückwärtsgehen Hinsetzen. Die Schwierigkeitsgrade sind steigerbar: Je nach Länge, Breite und Stärke der Slacklines ist das Fortbewegen auf dem Band leicher oder schwerer; richtige Profis machen ihre Capriolen weit über dem sicheren Boden. Hat was von Seiltanzen, finde ich.
Für Anfänger wie mich, die das Impulseangebot am Ebinger Skatepark nutzen, hat der 18-Jährige Tim die leichte Variante gewählt und das fünf Zentimeter breite Band auf geringer Höhe zwischen zwei Bäume gespannt.
Ein Sport ohne Altersbegrenzung
Ein wenig erstaunt war ich schon, dass ich von allen Gästen des Impuls-Angebots mit Abstand die Älteste war. Zehn Kinder kommen seit Angebotsbeginn Anfang Juni immer wieder, um ihre Balancekünste zu testen. Doch das wiederum beweist: Slackline ist ein Sport ohne Altersbegrenzung. Voller Leichtigkeit setzen die Kleinen an der Hand ihrer Mutter oder von Trainer Tim Schwenk einen Fuß vor den anderen. Na wenn Grundschüler das können, dann muss ich das ja ohne Hilfe schaffen. Pustekuchen. Sobald ich auf der Slackline stehe, beginnt das Band heftig zu wackeln und mit ihm mein ganzer Körper. Selbst mit Tim als Stütze fällt es mir schwer, mich souverän auf der Slackline fortzubewegen.
Tim erklärt mir, dass ich meine Beine durchdrücken und jeden Muskel meines Körpers anspannen soll. Zudem helfe es enorm, wenn ich meinen Blick von meinen Füßen wende und das Ziel, den Baum an dem die Slackline festgebunden ist, fixiere. "Die Füße gehen ganz von selbst."
Dass es so schwer ist, auf der Slackline das Gleichgewicht zu halten hätte ich nicht gedacht, wohlwissend dass meines nicht das Beste ist. "Das ist eine Sache der Gewohnheit und Orientierung. Sobald man gelernt hat, wie man das Wackeln ausgleicht, wird man schnell besser", ermutigt mich Tim und hat damit Recht. Der zweite Versuch klappt gleich besser. Ich merke, welche Muskeln ich anspannen muss, um das Wackeln der Slackline auszugleichen. An Tims Hand schaffe ich die zwölf Meter der Slackline konzentriert zu passieren – zweimal. Ich bin mächtig stolz, obwohl ich weiß, dass ich es freihändig wohl kaum geschafft hätte.
Tim ist sich auf der Slackline so sicher, dass sie kaum mehr wackelt. Kein Wunder, schließlich hat er sie im Sommer immer dabei. Slackline ist ein Sport, der jeder ohne große Kosten und Umstände ausüben kann – in der Gruppe oder allein; Regeln gibt es keine: ein echter Freizeitsport. "Der aber alle Muskeln trainiert und den Gleichgewichtssinn schult", ergänzt Tim.
Slackline ist ein Sport, der eigentlich aus der Klettererszene kommt, erklärt Tim. Freikletterer im Yosemite-Nationalpark vertrieben sich bereits in den 1960er-Jahren die Zeit an Ruhe- und Regentagen damit, auf Spanngurten und ähnlichem zu balancieren. Die Möglichkeit, unverbindlich und ohne Anmeldung seine Balancekünste auf einer Slackline auszuprobieren, haben Interessierte noch bis Mitte August jeden Donnerstag ab 17 Uhr beim Ebinger Skatepark.