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Albstadt Schwarze Fakten bunt verpackt

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Schon optisch als Satire erkennbar: Ralf Herters Buch über die Nachteile des Rauchens. Foto: Schwarzwälder Bote

Den Zeigefinger zu schwingen, ist Ralf Herters Sache nicht. Wie aber sollte der gebürtige Laufener es anders schaffen, Raucher zum Nachdenken zu bewegen? Satire ist sein Rezept, die gar nicht so witzigen Fakten zu präsentieren.

Albstadt-Laufen. "Start Smoking – Raucher werden in zehn (Lungen-)Zügen", dazu fordert der coole Affe mit der Sonnenbrille auf dem Titelbild des Buches von Ralf Herter auf: Die Kippe im Mund, eine Zigarettenschachtel mit Totenkopf-Symbol in der einen und eine geteerte Lunge in der anderen Hand. Soll das ein Witz sein?

Nein. Ralf Herter, der sich des Themas schon länger mal annehmen wollte, ist nur klar geworden, dass er mit einem Ratgeber nach herkömmlichem Muster genau jene nicht erreichen würde, die es betrifft. Dabei hat er gar nichts gegen Raucher: "Jeder hat das Recht, mit seinem Leben zu machen, was er will, so lange er nur sich selbst schadet", sagt der gebürtige Laufener, der in Echterdingen lebt, inzwischen "Veganer mit einer gewissen Gemüseaversion" ist und gewisse Parallelen zwischen den Folgen der Massentierhaltung und den Folgen des Tabakanbaus für Umwelt und Klima ausgemacht hat. "Tabak entzieht dem Boden sehr viele Nährstoffe", hat Herter bei seinen Recherchen herausgefunden. Die Konzerne lockten die Bauern, Tabak anzubauen anstelle von Nahrungsmitteln. Weil diese aber auch gebraucht würden, werde immer mehr Boden benötigt und immer mehr Regenwald abgeholzt. Knebelverträge, Kinderarbeit und auf Jahrzehnte ausgelaugte Böden: "Diese Folgen hatte ich gar nicht auf dem Schirm", sagt Herter. "Die Dimension des Ganzen ist viel größer als ich dachte."

Auch die Werbung, die vor allem auf Kinder und Jugendliche abziele, hat Herter ins Visier genommen, arbeitete er doch nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen selbst in der Marketingbranche. "Selten fängt jemand als Erwachsener an zu rauchen", weiß er. "Es gibt Zig Studien, dass Kinder und Jugendliche vom Mythos des ›Cool-Seins‹ gelockt werden." Tabak-Konzerne sponserten Großveranstaltungen, und nicht nur in Entwicklungsländern ließen die Restriktionen zu wünschen übrig – in der EU sei Deutschland in dieser Hinsicht Schlusslicht. Warum, verrät er in einer an die Asterix-Comics angelehnten Erzählung über einen Politiker aus dem Südwesten, der sich streng an "das erste Gebot seines Gottes Mammon" halte: "Du sollst nicht beißen die Hand, die dich füttert."

Wie Herter überhaupt mit Bildern, Sprache und Anlehnungen an bekannte Sprichwörter und berühmte Filme und Schlager zu spielen weiß. "Smo King" heißt eines der Kapitel, "Heiß am Stiel" ein weiteres, und "Rat mal, wer zum Rauchen kommt" erinnert an einen Streifen, mit dem Sidney Poitier als erster schwarzer Schauspieler einen Oscar gewann.

Das Inhalieren der Informationen macht Spaß

So macht es – Raucherin oder Nichtraucher – Spaß, das nicht allzu dicke Werk zu inhalieren, wenngleich nicht alle Erkenntnisse, die es transportiert, spaßig sind. "Informieren, reflektieren, evaluieren, adaptieren" – dass sie das tun, erhofft sich der 43-Jährige von seinen Lesern, denn sie will er nicht erziehen, sondern ihr Bewusstsein schärfen: "Je mehr man sich mit einer Sache beschäftigt, desto mehr hinterfragt man", hat er selbst erfahren. "Und ich glaube, in 200 Jahren werden die Menschen sich fragen: Wie konnten die damals nur...?"

Über Rückmeldungen freut sich der sympathische Autor, denn zum einen denkt er angesichts der vielen bisher gesammelten Informationen bereits darüber nach, einen zweiten Band zu verfassen, zum anderen hat er eine Internetseite zum Buch gebastelt, die er weiter füttern will, und zum dritten kann Herter sein Buch weiter aktualisieren: Es ist als E-Book erhältlich – und als Taschenbuch, dass auf Bestellung gedruckt wird und Aktualisierungen zulässt. "Zum Preis von nur 14 Zigaretten", wie Herter betont.

"Start Smoking" ist übrigens nicht sein erstes Buch – 2002 hatte er einen Jugendroman unter dem Titel "Aussichtslos" veröffentlicht. Und sein letztes bestimmt auch nicht, denn der gebürtige Laufener hat wieder Spaß am Schreiben gefunden, was im Buch wie auf der Internetseite in fast jedem Satz rüberkommt. Dort grüßt die Leser übrigens ein qualmender Herr, dessen Name an einen bekannten Tabak-Konzern erinnert, mit einer satirisch-rhetorischen Frage: "Sie haben jeden Tag die Chance mit dem Rauchen aufzuhören – warum also ausgerechnet heute? Herzlichst Ihr Filip Moritz".

Weitere Informationen: https://start-smoking.com/

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