Beim "Schdoale Gratzer" stehen Traktoren, Holzmaschinen und Unimogs im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Albstadt-Burgfelden - Die Schätzungen stiegen im 20-Minuten-Takt. Ob es letztlich 2000 oder noch viel mehr Besucher waren beim vierten Schleppertreffen in Burgfelden – keiner wusste es wirklich. Nur eins ist sicher: Gefallen hat es allen.
Bullige, rauchende, tuckernde Traktoren, Schlepper und Unimogs soweit das Auge reicht. Passt zwischen all diese Maschinen ein geistlicher Impuls? Ja, er passt, wie das Grußwort von Pfarrer Markus Gneiting zeigt. Er sieht das "Bestaunen und Wertschätzen" im Mittelpunkt des Tages und vergisst nicht zu betonen, dass all die landwirtschaftlichen Geräte "völlig sinnlos" wären ohne den, "der alles wachsen lässt". Dabei mahnt Gneiting die Besucher, auch einmal darüber nachzudenken, wieviel täglich "weggekippt" werde, und dankbar zu sein über die Fülle der Früchte der Natur.
So ernst bleibt der Gottesmann natürlich nicht: "Ich bin zum ersten Mal hier und völlig fasziniert", bekennt Gneiting und verrät, warum er nicht mit seinem Rasentraktor von Pfeffingen heraufgefahren ist: "Das Mähwerk ist ausgehängt, und ich mit meinen zwei linken Händen habe es nicht fertig gebracht, es wieder einzuhängen. Also bin ich hier gewissermaßen ›persona non grata‹."
In diesem Punkt irrt der Pfarrer wohl, denn er ist ebenso willkommen, wie die schier unüberschaubare Zahl der anderen Besucher, denen sich die "Schdoale Gratzer" also Organisatoren des vierten Schleppertreffens in neuen, frisch-gelben Hemden präsentieren.
Für ein Schwätzchen mit den Gästen bleibt den Helfern um die Vorsitzende Birgit Bitzer allerdings kaum Zeit, denn an der Speisen-, der Getränke- und der Kuchentheke geht es stundenlang rund. Dass die "Schdoale Gratzer" für ihre Veranstaltung abermals ein Augustwochenende gewählt haben, an dem weit und breit sonst nichts passiert, spielt ihnen in die Hände – und das herrliche Wetter tut ein Übriges.
Wie konnte es nur soweit kommen?
Familie Tot aus Bitz ist mit nicht weniger als neun Traktoren gekommen – neun von 23, die den Weg von der Albhochfläche auf sich genommen haben. Wie es zu diesem Fuhrpark gekommen ist? "Wahrscheinlich haben wir zuviel Platz", scherzt Alexander Tot und erklärt dann: "Der Bruder meiner Oma hat einen Bauernhof, und mit 15 hatten mein Cousin und ich schon den ersten Traktor. Damals fing diese Sammelleidenschaft an, und inzwischen wissen wir kaum noch, wohin mit den Fahrzeugen."
Flämische Augen und echte Scharfmacher
Viel Platz brauchen auch die riesigen Maschinen zur Holzbearbeitung, der Fällsimulator, das "flämische Auge" und das mobile Sägewerk, an denen Fachleute ihr Handwerk erklären. Stets umringt von Interessierten ist Friedhelm Bossert, denn er ist ein echter Scharfmacher: Bossert weiß, wie man Motorsägen ihre Schneidigkeit zurückgibt, und hat auch sonst viele Tipps für Hobbygärtner und Privatwaldbesitzer auf Lager.
Den Hammel, der zusammen mit seiner Familie – darunter zur Freude der Kinder zwei winzige Lämmer – in seinem Gatter ausharrt, interessiert das alles nicht. Für ihn wird es erst spannend, als Norbert Bitzer um 14 Uhr die Glocke zum Hammellauf schlägt.
Wer beim Bimmeln des Weckers die markierte Stelle passiert, gewinnt das schöne Tier. Diesmal ist der Sieger ein Junge, Daniel Uhlig, und so darf der Hammel Hoffnung haben, nicht auf dem Grillspieß zu landen – als Ersatz gibt es einen Geldpreis.