Kultur: Dorothea Wendel entdeckt ein Bild des Onstmettinger Künstlers Hans Lang
Auf dem Sperrmüll hat Dorothea Wendel ein echtes Schmuckstück gefunden: Ein Gemälde des Onstmettinger Künstlers Hans Lang, das ein älteres Paar zeigt. Der Fund wirft bei ihr viele Fragen auf. Vor allem möchte sie wissen, wer die abgebildeten Personen sind.
Albstadt-Ebingen. Ein paar Wochen ist es her, als Dorothea Wendel von einer Kundin des Ladens, in dem sie arbeitet, nach draußen gerufen wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft in der Rossgasse erblickte sie, umgeben von allerlei Sperrmüll, ein großformatiges, farbenfrohes Gemälde. Da Wendel mit dem Hossinger Künstler Michael Wendel verheiratet und noch dazu kunstinteressiert ist, nahm sie kurzerhand das Bild mit nach Drinnen, kurz bevor der Regen einsetzte.
Die Signatur zeigt H. Lang 78. Dorothea Wendel ist sich auch aufgrund des Stils des Ölgemäldes sicher, dass es sich beim Schöpfer der Malerei um den Onstmettinger Künstler Hans Lang handelt. "Viel zu schade für den Sperrmüll", findet sie.
Eine Fragerunde in der Nachbarschaft brachte keinen Aufschluss über die Herkunft des Gemäldes, geschweige denn über das Motiv. Besonders treibt Wendel die Frage um, "welches Ehepaar da einfach so auf dem Sperrmüll entsorgt wurde".
Mit dem Gang zum Schwarzwälder Boten erhofft sie sich Hilfe aus der Bevölkerung. Wer kennt das Bild oder gar das vermutliche Ehepaar, das Lang vor gut 40 Jahren in Öl abgebildet hat?
Hans Lang, 1914 in Onstmettingen geboren, machte sich weit über die Region hinaus einen Namen. Seine Witwe Ingeborg Lang hat 400 Werke ihres Mannes 2006, kurz vor ihrem Tod, dem Kreisarchiv des Zollernalbkreises geschenkt.
Das thematische Spektrum des Künstlers umfasste vor allem die klassischen Gattungen Landschaft, Stillleben und Porträt. Sein Werk ist charakteristisch für die Kunst des 20. Jahrhunderts mit einem Stilpluralismus, der verschiedene avantgardistische Ausdrucksformen hervorbrachte.
Nach Malerlehre und Besuch der privaten Kunstschule in Baiersbronn begann Langs Künstlerkarriere mit dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Teils unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg, konnte Lang nach Kriegsende sein Studium in Stuttgart nicht fortsetzen und übernimmt nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft das Malergeschäft seines Vaters. Sein Interesse galt allerdings weiterhin der Kunst.
Waren bis zu seiner Gefangenschaft die Landschaftsdarstellungen noch von erdiger und dunkler Farbigkeit geprägt, so veränderten sich diese seit den 1950er-Jahren deutlich. Nach seinem Rückzug aus dem Malerbetrieb Ende der 1970er-Jahre widmete sich Lang bis zu seinem Tod 1986 ganz der Kunst. In seinen Spätwerken drückt sich das Naturgefühl durch Modifikation und Transformation aus und rückt in die Nähe des abstrakten Expressionismus.
Auch das Paar auf dem Fundbild ist mit abstrakten Pinselstrichen und noch mit Nähe zur Realität abgebildet. Wendel vermutet, dass das Bild möglicherweise ein Geschenk gewesen sein könnte, etwa zu einem Hochzeitsjubiläum oder Firmenfest.