Eine Festschrift dokumentiert 200 Jahre Onstmettinger Rathausgeschichte. Feier im Juli.
Albstadt-Onstmettingen - Als Albstadts Technisches Rathaus 100 Jahre alt wurde, ließen die Tailfinger den Jubiläumstermin ungefeiert verstreichen. Anders die Onstmettinger: Ihnen ist der 200. Geburtstag ihres Rathauses Fest und Festschrift wert.
Der Wunsch zu feiern war offenbar zuerst da. Wie Ortsvorsteher Siegfried Schott im Grußwort zur Festschrift freimütig bekennt, stand am Anfang der Plan des Lindenwirts Norbert Maute, mit dem Liederkranz ein Serenadenkonzert zu geben.
Das wuchs sich mit der Zeit zu einem Festwochenende aus, für das das Rathausjubiläum wie gerufen kam. Und da doppelt genäht besser hält, nahm man die 180 Jahre, die seit der Verleihung des Marktrechts an Onstmettingen verstrichen sind, gleich mit ins Boot. Zwar hat Ortschronist Manfred Schaber mittlerweile herausgefunden, dass Onstmettingen schon seit 1828 Marktort war, aber wer wird hier Erbsen zählen?
Außerdem – die Angaben zum Alter des Rathauses sind hieb- und stichfest. Am 6. August 1810, weiß die Festschrift, die bald in den Druck geht, vermeldete Schultheiß Johannes Boss ans Königliche Oberamt in Balingen, dass das alte Rathaus von 1663 baufällig sei und ein neues her müsse. Der zur Inspektion auf die Alb bestellte Landbaumeister Glaser kam offenbar zum selben Ergebnis, denn am 20. Mai 1811 begann der Abbruch des alten Rathauses. Das neue wurde "am 4. Juli aufgerichtet" – die Onstmettinger bauten wohl schon damals im Fertighaustempo.
Das neue Gebäude sah allerdings anders aus als heute. Das Dach war abgewalmt, das heutige Bürgerbüro im Erdgeschoss diente als Kuhstall und Scheuer, und links vom Eingang lagerten die Feuerwehrspritzen. Im ersten Stock befanden sich Ratszimmer, Bürgersaal, Registratur, Küche und Arrestzelle, und bei diesem Raumprogramm blieb es auch nach dem Umbau im Jahre 1888 – nur die Küche verschwand. Im Erdgeschoss weist der damalige Plan Farren- und "Sprungstall" aus – im einen logierte der Stier, im anderen kam er seinen Amtspflichten nach.
Das änderte sich 1922. Der Verwaltungsaufwand war gewachsen, im ersten Stock herrschte drangvolle Enge, es musste etwas geschehen. Im Dezember zog der Farren ins Haus hinter der Ochsenscheuer, dem Domizil seiner kastrierten Geschlechtsgenossen; im Januar begann der Umbau. Auch die Feuerwehr wurde ausquartiert; im Magazin kam die Gemeindepflege unter, der Sprungstall wurde Sitzungssaal. Bürgermeister Fritz Schmalried bezog ein neues Büro auf der Frontseite des ersten Stocks, dem ein schmucker Erker vorgebaut wurde.
Die Pracht hielt nicht lange. Am 6. November 1932 zerstörte ein Brand Erker, Dachstock und den größten Teil des Gemeindearchivs, wodurch Platz unterm Dach für einen neuen Sitzungssaal entstand – dafür kam die Arrestzelle ins Erdgeschoss. Im Krieg blieb das Rathaus unversehrt; die Glasmalerei, die seit 1939 im auch als Trauzimmer genutzten Sitzungssaal die deutsche Familie feierte, wurde nach 1945 dezent entnazifiziert; sie besteht noch heute.
Vergangenheit ist das Walmdach: 1964 musste es einem spitzen Giebel weichen. In diesem prangt seither die Sonnenuhr – angezeichnet wurde sie von Hans Lang am 31. Juli 1964, an dem, wie man sich denken kann, sehr schönes Wetter herrschte.
Auf ein solches hoffen die Onstmettinger auch für den 15., 16. und 17. Juli dieses Jahres – an diesem Wochenende geht das Geburtstagsfest des Rathauses über die Bühne. Fast auf die Woche genau 200 Jahre nach seiner Erbauung.
Die Festschrift "Rathaus Onstmettingen 1811-2011" geben der Förderverein des Philipp-Matthäus-Hahn-Museum, Liederkranz, Musikverein, Rad- und Motorsportclub und Turnverein in einer Auflage von 2600 Exemplaren heraus. Das Material kompiliert und die Texte verfasst hat Manfred Schaber. Anfang Juni wird sie an alle Onstmettinger Haushalte verteilt. Restposten werden im Hahn-Museum und in der Riedschule verkauft.