Unter anderem ein Spielzeugeinhorn ähnlich diesem hat der Albstädter laut US-Ermittlungen zur Vorbereitung einer Straftat gekauft. Foto: Eyrich

49-jähriger Mann aus Albstadt wollte elfjähriges Mädchen sexuell missbrauchen.

Albstadt - Im amerikanischen Bundesstaat Ohio sitzt ein bisher in Albstadt wohnhafter Mann in Untersuchungshaft, dem die Staatsanwaltschaft Cleveland versuchten sexuellen Missbrauch eines Kindes vorwirft. Er ist geständig; ihm droht langjährige Haft.

Der 49-Jährige war Under­cover-Fahndern des amerikanischen Heimatschutzes im März in Cleveland ins Netz gegangen. Er hatte im Juni 2010 auf eine Internet-Offerte reagiert, ihm zum Zwecke der sexuellen Betätigung den Kontakt zu Minderjährigen zu vermitteln, und unter falschem Namen konkrete Angebote samt Kosten angefordert.

Eine Zeitlang wartete er zu, ehe er Anfang 2011 seinerseits seine Wünsche kundtat: zehn bis 14 Jahre alt, willig – "for everything" – , aber keine Professionelle. Was der Mann aus Albstadt nicht ahnte: Die fragliche Internetseite war ein Köder und seine Kontakt­person kein Zuhälter für Pädophile, sondern eine auf Kinderpornographie spezialisierte Agentin des US-Heimatschutzes mit 19-jähriger Berufserfahrung.

Beruhigungsmittel für das Kind

Die ließ den Albstädter nicht mehr vom Haken. In den folgenden Wochen intensivierte sich der elektronische Notenwechsel, Kinderfotos – aus "Sicherheitsgründen" unverfängliche – wurden verschickt, Preisvorstellungen ausgetauscht, und am Ende einigten sich Anbieter und "Kunde" auf eine elfjährige Kanadierin – die es gar nicht gab – und einen Gesamtpreis von 1050 Dollar, der auch Hotel und 200 Dollar Aufschlag für den Gebrauch einer Video-Kamera umfasste: Der Deutsche wollte sich mit seinem Opfer filmen. Die Vorbereitungen waren umfassend; sie erstreckten sich auf Beruhigungsmittel für das Kind, auf Spielzeug, mit dem der deutsche Pädophile dessen Gunst zu erwerben suchte, und auf die Frage, was er alles im Gepäck mit sich führen sollte.

Die Amerikanerin empfahl dem Deutschen aus naheliegenden Gründen, möglichst alles, was er brauche, aus Deutschland mitzubringen und nicht erst in Amerika zu kaufen – je mehr Beweismaterial, desto besser. Der Albstädter folgte den Anweisungen; in seinem Gepäck fanden sich bei seiner Festnahme unter anderem eine Sony-Handicam mit zwei Speicherkarten und Stativ, spezielle Wäsche, zwei Dildos, Fesseln – und dazu drei Spielzeug-Einhörner und Buntstifte: Das Kind liebe Einhörner und male gern, war der Albstädter instruiert worden.

Der schöpfte keinen Verdacht. Am 12. März flog er von Stuttgart über Atlanta nach Cleveland, wurde dort auf dem Internationalen Flughafen von der vermeintlichen "Geschäftsfreundin" abgeholt, zum Hotel gebracht und festgenommen, als er den Wagen verließ. Seither sitzt er in U-Haft.

Am 6. April wurde Anklage gegen ihn erhoben, bei einem Gerichtstermin im Juli wurde sein Antrag, die Anklage fallen zu lassen, abschlägig beschieden, bei der Verhandlung am 15. August bekannte er sich laut Presseerklärung der Staatsanwaltschaft in Cleveland schuldig. Das Strafmaß soll am 25. Oktober verkündet werden. Es könnte hoch ausfallen – in einem vergleichbaren Fall wurden jüngst in Cleveland 20 Jahre Haft verhängt.