Nach dem Vorbild einer Tisch-Sonnenuhr (links oben) entstand 1811 die alte Rathaus-Sonnenuhr, die beim Brand 1932 versengt wurde. Sie ist wiederum von Yves Opizzo (rechts) und Willi Haasis nachgebildet worden. Foto: Eyrich

Nachbau eines Zeitanzeigers von Hahn und Schaudt ziert den Kasten. Genauer als Pascal.

Albstadt-Onstmettingen. Wer schon immer geahnt hat, dass die Uhren in Onstmettingen etwas anders gehen, der hat nun die offizielle Bestätigung. Und wer noch nicht wusste, dass dort die offizielle mitteleuropäische Zeit gar nicht gilt, der erfuhr es bei der Einweihung der nachgebauten Sonnenuhr an der Fassade des Philipp-Matthäus-Hahn-Museums.

24 Minuten später als in Görlitz an der deutschen Grenze zu Polen, wo die Mitteleuropäische Zeit gemessen wird, geht in Onstmettingen die Sonne auf – und unter. Schließlich liegt der Albstädter Stadtteil weiter westlich. Außerdem erfuhren die Zuhörer im Kasten, dass die Zeit jährlich ein bisschen korrigiert werden müsse, weil die Erde ja nicht in einem Kreis um die Sonne kreise, sondern in einer Ellipse. Und dass Philipp Matthäus Hahn, der mit Philipp Gottfried Schaudt einst eine Sonnenuhr gebaut hatte, in Frankreich "der schwäbische Pascal" genannt werde – in Anspielung auf Blaise Pascal, den französischen Mathematiker und Physiker. Yves Opizzo, der mit dem Onstmettinger Malermeister Willi Haasis die Sonnenuhr gebaut hat, muss es wissen, denn er kommt aus Frankreich. Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow schmeckt dieser Vergleich gar nicht, denn schließlich – so behauptet zumindest Fachmann Opizzo – sei Hahns Sonnenuhr viel besser und genauer als Pascals.

Der Nachbau der Hahnschen Sonnenuhr von 1763, die bis zum Brand 1932 am Rathaus angebracht war, ziert nun die Südseite des Kastens – die Kirche ist nach Osten ausgerichtet – und geht auf zwei Minuten genau. Manfred Schaber, Vorsitzender des Fördervereins Philipp-Matthäus-Hahn-Museum, verriet, wie es möglich ist, dass Schaudt und Hahn bereits 1763 eine Sonnenuhr fürs erst 1811 erbautete Rathaus schufen: Diese sei ein Nachbau mit einer Tisch-Sonnenuhr als Modell; einer oder beide Söhne Schaudts hätten sie 1811 auf die Rathausfront übertragen.

Nun habe Opizzo sie rekonstruiert, die nach dem genauen Sonnenstand vermessen, und Haasis habe das zwölffach verleimte und grundierte Brett bemalt. Zeiger und Aufhängungen haben Opizzo und Thomas Wahr aus Heselwangen gefertigt und montiert, und nun weist sie ihren Betrachter wieder auf die Zeit hin – sofern die Sonne scheint.

Dazu serviert sie eine Weisheit, die auf Hahn zurück geht: "Keine Zeit verstrich ohne Nutzen", steht auf der Uhr. Im Originalton: "Mein ganzer Weg war abgemessen, und keine Stund verstrich ohne Nutzen.

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