Der Bagger ist im Einsatz an der Oberen Mühle in Onstmettingen. Sie wird abgerissen. Foto: Kistner

Bis zum 100. Geburtstag hätten noch zwei Jahre gefehlt, doch aus dem Jubiläum wird nichts mehr werden: In Onstmettingen hat der Abbruch der Kunstmühle Maier, auch Obere Mühle genannt, begonnen.

Sie war die letzte in einer ganzen Reihe von Onstmettinger Mühlen, deren Geschichte Norbert Maute, selbst Spross einer alten Müllerfamilie, vor neuen Jahren in Band 29 der Onstmettinger Jahresgaben – der Titel lautete „Unsere Mühlen in Onstmettingen“ – dokumentiert hatte.

 

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte es zwei Wassermühlen in Onstmettingen gegeben, die „Untere Mühle“ im heutigen Gewerbegebiet Borsigstraße – letztere hieß vormals Mühlstraße – und die „untere Talmühle“, die unterhalb des Stichs stand, dort, wo sich heute die Fischteiche befinden. Ende des 19. Jahrhunderts waren beide im Besitz der Familie Boß, zu deren Nachfahren Norbert Maute, zählt. Allerdings blieb das nicht lange so:

Das Mühlrad war größer als das ganze Haus

Die untere Talmühle, die Mautes Ururgroßvater Ludwig Boß 1891 an einem dank starkem Gefälle wassersicheren Standort errichtet hatte, war eine Spezialkonstruktion und ihr Mühlrad mit 15 Metern Durchmesser größer als das ganze Haus. Auf dem instabilen Untergrund am Stich konnte das nicht lange gut gehen; das Terrain gab nach, und die Mühle musste aufgegeben werden.

1939 war auch die Untere Mühle am Ende, welche die Gemeinde vier Jahre zuvor ersteigert hatte. Der Wassermangel, ein chronisches Problem auf der verkarsteten Alb, hatte ihr, so lange sie existierte, zu schaffen gemacht. Die 1849 in der Ortsmitte erbaute Dorfmühle hatte dagegen immer wieder unter Überschwemmungen gelitten; sie war schon 1906 aufgegeben und bald danach abgebrochen worden. Die Untere Mühle steht auch nicht mehr; sie wurde 1960 abgerissen.

Unabhängig von den Wettereskapaden

Und dann war da noch die „Obere Mühle“, die Christian Maier 1926 in der Nähe des Bahnhofs erbaut hatte. Ihr konnte Wassermangel nichts anhaben, denn sie war eine „Kunstmühle“, was bedeutet: technisch auf dem aktuellen Stand der Entwicklung, mit Walzenstühlen, deren Mehl reiner und bekömmlicher für die Zähne war als das aus dem Mühlstein, vor allem aber mit Motorantrieb, der sie unabhängig von allen Wettereskapaden machte.

Allerdings nicht immun gegen die weitere technische und ökonomische Entwicklung des Gewerbes: Nach dem Krieg entstanden Großmühlen, mit denen die kleinen Mühlen auf dem Lande nicht mehr konkurrieren konnten. Anfang der 1980er-Jahre belieferte die Kunstmühle Maier zwar noch rund 20 Bäckereien, aber es zeichnete sich ab, dass auch sie dem Preisdruck nicht würde standhalten können. 2015, als Norbert Mautes Mühlenschrift entstand, mahlte Gerhard Maier, der Urenkel von Christian Maier und Müller in der dritten Generation, zwar noch gelegentlich Weizen, aber sein wirtschaftliches Standbein war nicht mehr die Mühle, sondern der Brennstoffhandel, und seiner Tochter riet er eindringlich vom Müllerberuf ab.

Das Ende einer ehrwürdigen Tradition

Seit mehreren Jahren steht die Walzenstühle still – und jetzt kommt mit dem Abbruch das endgültige Aus. Und das Ende einer ehrwürdigen Gewerbetradition.