Volkshochschul-Leiter Christoph Mast und seine Stellvertreterin Miriam Braunmüller präsentieren das Programm für das neue Semester – verteilt auf ein großes Heft und mehrere kleine Broschüren.Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder Bote

Volkshochschule: Am Montag beginnt das neue Semester / Teurer Abschied vom Schweinweiher

Die Volkshochschule Albstadt nimmt am kommenden Montag, 22. Februar, wieder den Schulbetrieb auf – vorerst ausschließlich online, denn Präsenzunterricht ist bis auf weiteres nicht möglich.

Albstadt. 280 Angebote umfasst das Programm, das die Volkshochschule Albstadt in einem 28 Seiten starken Heft und sechs kleinen Broschüren vorstellt. 20 davon, darunter die Sprachkurse Englisch und Italienisch, sind momentan digital; es könnten auch noch mehr werden, falls weitere Dozenten – entsprechende Schulungen gab es – sich zum Umstieg entschließen.

Mit allem anderen wird sich die VHS-Kundschaft noch ein wenig gedulden müssen: auf alle Fälle bis zur Aufhebung des Lockdowns, womöglich auch noch länger, weil die Freigabe des Präsenzunterrichts an Bedingungen wie etwa Mindestabstände geknüpft sein dürfte, die sich nicht in den verfügbaren Räumen einhalten lassen. Nicht jeder Gymnastikkurs wird die Möglichkeit haben, in den großen Saal im Bildungszentrum Johannesstraße auszuweichen, und deshalb ist Geduld gefragt. Und Flexibilität: Sollte sich der Beginn des einen oder anderen Kurses bis weit ins Frühjahr verzögern, dann bleibt immer noch die Option, das Angebot in den Sommerferien zum Abschluss zu bringen. 2020 hat es das auch schon gegeben.

Unter diesen Umständen muss man die Informationen in Broschüre und Flyern, allen voran die Terminangaben, cum grano salis nehmen – sie sind Absichtserklärungen; in den kommenden Wochen und Monaten wird sich noch eine Menge ändern.

Volkshochschulchef Christoph Mast empfiehlt deshalb, sich an die Internetseite und die Facebook- und Instagram-Auftritte der Volkshochschule zu halten, die kontinuierlich aktualisiert werden – sie sind am verlässlichsten.

Nicht nur deshalb gibt die Volkshochschule die Devise "papierarmes Büro" aus und versucht, die Digitalisierung zu forcieren – "papierlos", räumt Masts Stellvertreterin Miriam Braunmüller, ein, sei nicht drin; das sei längst erwiesen.

Und so sieht die neue "Papierarmut" aus: Das Programmheft, das einst das gesamte Füllhorn über den Leser ausschüttete, ist schlank geworden; nur das Online- und das Gesundheitsangebot sind noch darin aufgeführt, alles andere in Broschüren abgewandert. Von denen gibt es sechs: Die erste, sie heißt "vhs Forum", präsentiert Allgemeines: Vorträge, Exkursionen, Bike- und Kanuausflüge, den Motorsägenkurs, das Seminar für Hundeanfänger und den Eltern-Workshop. Die zweite, "Kultur und Kreativität", listet den Kurs für kreatives Schreiben ebenso auf wie Zeichenunterricht, Gesellschaftstänze und Skat für Anfänger, die dritte präsentiert die Fachbereiche "Sprachen" sowie "Berufliche Bildung", und Broschüre vier versucht, mit Prüfungsvorbereitung in Mathematik, Blumenstraußbinden zum Muttertag, "Oriental Dance" und Selbstverteidigung, die kindliche und die weibliche Klientel anzusprechen.

Broschüre fünf heißt "Im besten Alter" und ist für den rüstigen Senior gedacht, Broschüre sechs präsentiert das Angebot der Außenstellen Bitz und Meßstetten, um das sich künftig Melanie Kufleitner kümmern wird – Ingrid Palfi geht in den Ruhestand.

Hinter der Auffächerung der Präsentation steckt der Grundgedanke, dass sich nicht jeder für alles interessieren kann und ein zielgruppengerechter Auftritt die Attraktivität der Volkshochschule nur steigern kann. Die war, nach der Zahl der Kunden zu schließen, in den vergangenen Jahren stetig gesunken, wobei 2020 coronabedingt nicht aussagekräftig ist – gestiegen war dagegen deren Durchschnittsalter.

Die Schüler könnten künftig auch ganz anderswo sitzen

Das soll sich ändern: Christoph Mast will sich verstärkt um den Nachwuchs bemühen und zu diesem Zweck das Gespräch mit Schulen und Jugendhäusern suchen. Außerdem will er auf Firmen zugehen und sie für die Angebote der Fachbereiche "Sprachen" und "Berufliche Bildung" erwärmen – Word, Excel und Business Englisch haben Konjunktur, die VHS kann 2021 aber auch mit Chinesisch und Japanisch dienen.

Neu sind diese Ideen nicht; sie sind seit Jahren immer wieder zu hören, wenn der Gemeinderat sich in öffentlicher Sitzung mit dem Thema Volkshochschule befasst. Im Zuge der laufenden Neuorientierung – Zertifizierung inbegriffen – sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Vor allem aber setzen Mast und Braunmüller – auch nach Corona – auf die Online-Formate: Hier gibt es Luft nach oben, hier kann man, wenn man ordentlich vernetzt ist, auch Kunden in anderen Weltgegenden gewinnen – der Albstädter Volkshochschüler, der seinen Kurs online in Großenaspe oder Görlitz absolviert, muss kein Wunschtraum bleiben, versichert Christoph Mast.

Und: Vor diesem Hintergrund relativiere sich auch die Bedeutung von Lokalitäten – ein Grund, weshalb man sich, ungeachtet seiner Zentralität, vom Standort Schweinweiher getrennt habe. Das dürfte freilich nicht der einzige gewesen sein; Corona wird auch eine Rolle gespielt haben. Die vorzeitige Auflösung des Mietvertrags soll mehr als 50 000 Euro gekostet haben.

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