Vier deutsche Sechstsemester und drei estnische Studentinnen präsentieren ihre "smarten" Armbänder. Das Bild zeigt (von links) Patricia Hänsel, Caro-Liine Tikk, Frank Endriss, Aire Aasmäe, Alexander Küchle, Olga Onochova und Christina Pfetzer. Foto: Kistner

Hochschulstudenten entwickeln in interdisziplinärer Zusammenarbeit "intelligente" Sitzkissen und Armbänder.

Albstadt-Ebingen - Das Stichwort lautete "Smart", auf Deutsch "gescheit", "gewitzt" oder "schlau". Ein Smartphone hat fast jeder; gestern stellten Studenten der Hochschule selbstentwickelte "Smart Cushions" und ein "Smart Bracelet" – Kissen und Armband – vor.

Fünf Studentengruppen mit insgesamt 33 Teilnehmern haben in diesem Sommersemester an drei interdisziplinären Projekten teilgenommen, in denen es darum ging, textile Stoffe "smart" oder intelligent zu machen. Dazu mussten die Vertreter gleich mehrerer Fachrichtungen und Studiengänge den Blick über den Gartenzaun wagen und die Kooperation mit "Fachfremden" eingehen: Um das Sitzkissen eines Kinderbuggys dazu zu bringen, dass es auf plötzliche Durchfeuchtung – etwa nach einer spontanen Blasenentleerung – reagiert und die eingebaute Heizung anwirft, müssen sich Textil- und Bekleidungstechniker, Wirtschaftsinformatiker und -ingenieure an einen Tisch setzen und ihre Kenntnisse und Stärken in eine gemeinsame Unternehmung einzubringen. Und wenn ein textiles Armband lernen soll, Stimmungen, Begeisterung, Widerwillen, Schrecksekunden und freudige Überraschungen seines Trägers an eine Messvorrichtung zu übermitteln, ist ebenfalls fruchtbare interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Textilern und Technikern erforderlich.

Die Gruppe "Smart Bracelet" hatte ihren Auftrag von einem Unternehmen erhalten, das technische Instrumente für Marktforschung entwickelt. Vier Sechstsemester des Studiengangs Technische Textilien und drei estnische Erasmus-Studentinnen versuchten ausgehend von einem noch recht unvollkommenen Prototyp ein Art Schweißband mit integrierter Elektronik zu entwickeln, das den plötzlichen Anstieg der Körpertemperatur und der Pulsfrequenz übermittelte, ohne sich dabei durch Wechsel der Außentemperatur und plötzliche Schweißausbrüche irritieren zu lassen. Leicht sollte es sein, atmungsaktiv, umstandslos anzulegen und gut zu waschen – die Elektronik musste sich entfernen lassen. Das alles kann das Armband der sieben Studenten, die, da die Estinnen kein Deutsch können, auf Englisch konferierten, dokumentierten und präsentierten. Eine Frage konnten sie freilich nicht beantworten: Was sagt es dem Marktforscher, wenn der Puls, plötzlich rast? Woher weiß er, ob die Mode oder das Model schuld daran ist? Die Antwort darauf behielten ihre Auftraggeber für sich.

Ähnlich, aber doch anders sah die Aufgabe aus, die die beiden Entwicklerteams des "Smart Cushion" zu lösen hatten. Das gescheite Sitzkissen, das primär für inkontinente Kinder mit Behinderung gedacht ist, nimmt mit Hilfe von mehrlagigen Vliesen und Membranen Flüssigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen, lässt Luft zirkulieren und beugt so dem Wundsitzen vor, und reagiert auf Abkühlung, in dem es mit Hilfe einer Zwölf-Volt-Batterie eingearbeitetes Heizgarn auf Touren bringt: 34,5 Grad wurden bereits von einer Gruppe erreicht erreicht, 50 Grad werden angestrebt. Bemerkenswert: Den beiden Gruppe gehörten nicht nur die Sechstsemester an, die etatmäßig Projektarbeit leisten, sondern auch Zweitsemester. Die erhielten so Gelegenheit, schon jetzt in die große, weite Welt der Forschung und Entwicklung hineinzuschnuppern.

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