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Albstadt "Manchmal tut ein Perspektivwechsel gut"

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Zahlreiche Artefakte hat Katharina Krenkel in sechs Tagen auf dem Turm der Martinskirche und rings herum geschaffen.  Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Sechs Tage lang hat sich Katharina Krenkel – wie am Anfang der Welt schon mal jemand – kreativ ausgetobt. Am siebten Tag, an dem sie ruhte, hat sie die Ergebnisse in der Martinskirche präsentiert: nicht die Erde, aber eine kleine Albstädter Welt.

Albstadt-Ebingen. "Ich war ganz entrückt", sagt Katharina Krenkel verzückt. In sechs Tagen, in denen sie die 162 Stufen des Martinskirchenturms wieder und wieder erklommen hat, war die Künstlerin aus dem Saarland, bekannt für ihre Soft-Sculptures, kreativ aktiv, hat Ausflüge in die Stadt und auf andere Türme unternommen und dabei etwas geschafft, was ihr entspricht, wie sie sagt: "das Kleinteilige zusammenzutragen, um das Ganze abzubilden".

Für die multipolare Ausstellung "Kunstmuseum Albstadt offshore", ergänzt Katharina Krenkel nicht nur immer wieder ihr gehäkeltes Altartuch "Wasser", das seit Sonntag am Altar der Kirche St. Nikolaus in Pfeffingen entspringt, hat sie nicht nur "Busentopflappen" und überdimensionale Schlüpfer mit Rosendornen darin – zu sehen im ESGE-Herstellerverkauf in der Sonnenstraße – geschaffen, sondern an sechs Tagen nun auch jede Menge Artefakte rund um die Martinskirche, ihren Turm und das, was Krenkel von dort oben, aus rund 50 Metern Höhe, entdeckt hat.

"Am siebten Tage sollst Du ruhen", heißt es freilich schon in der Bibel, und auch die 54-Jährige hat das befolgt. Auf zwei Türen, die im Zuge der Renovierung aus dem Kunstmuseum entfernt wurden, hatte sie am Sonntag die Werke ausgestellt. Koinzidenz: Die Holzelemente auf den Türen sind achteckig, wie der Kirchturm. Sechs Kassetten hat sie – für jeden Tag eine.

Allen Tagen hat Katharina Krenkel ein Motto zugeordnet – "hoch und runter", war es am ersten Tag, an dem sie nicht weniger als sieben Mal auf den Turm geklettert war. Tuschen und Zeichnungen sowie eines ihrer gestickten Bilder, die nur absolute Geraden zulassen und nicht nur der perspektivischen Darstellung der Motive wegen leicht dreidimensional wirken, sind dabei entstanden.

"Verostung und Verortung" ist der zweite Tag überschrieben, an dem die Künstlerin von oben erst erkannt hat, wie der Architekt die Kirche mit dem Altar Richtung Osten ausgerichtet hat. Die Kreuzförmige Kirche hat sie gehäkelt – ihre Spezialität – und den Turm gleich dazu, freilich nicht, ohne zuvor eine Art "Strickmuster" dafür zu zeichnen.

"Perspektivenwechsel" war am dritten Tag angesagt: Vom Rathausturm hat Krenkel den Martinskirchenturm mit Tusche gemalt – und eine Reihe von Bildern als Panorama, als Rundumblick vom Turm auf Ebingen mit seinen Traufhängen ringsum, der Innenstadt in der Mitte und den Gewerbebetrieben im Süden. Dass ein Bild von Traufhängen im Westen fast exakt dem Logo für die Traufgänge entspricht, sticht sofort ins Auge.

"Wolken und Wind" sind am vierten Tag aufgezogen – dunkle Wolken, in schwarzer Tusche verewigt. "Das musste ganz schnell gehen, weil mir der Wind fast die Tusche vom Pinsel geblasen hat", erinnert sich die Künstlerin an ihren Aufstieg auf den Schlossfelsenturm. Ihre Begeisterung für Türme habe ihren Anfang in der Zeit, da sie in Bietigheim-Bissingen in Klausur gewesen war, um künstlerisch tätig zu sein, und dort in einem Türmer-Zimmer gearbeitet hatte. In Ebingen hat sie oben "Kälte und volles Geläut" erlebt, vor dem Mesnerin Aksana Kauerhof sie freilich noch gewarnt hatte: Zu einer Trauerfeier hatten die Glocken besonders laut gerufen.

"Zurück auf dem Boden" am sechsten Tag, ist die Soft-Sculpture entstanden, die der Topografie Albstadts entspricht und auf der die neun Stadtteile mit Nägeln markiert sind. "Es war sehr anstrengend, aber ich brauche diese Interventionen, um mich ab und an heraus zu katapultieren aus meinem Alltag", resümiert Katharina Krenkel nach einer Woche, die sie trotz der 8284 bewältigten Turmtreppenstufen – eine Zeichnung und eine gehäkelte Treppe stehen dafür – sehr genossen hat. Geschafft hat sie nicht alles, was sie sich vorgenommen hatte, räumt sie ein. Aber bis die Artefakte zum "offshore"-Ausklang nochmals ausgestellt werden, bleibt ja noch etwas Zeit.  Das Altartuch "Wasser" ist vom 14. bis 25. Oktober in der Martinskirche, täglich von 10 bis 16 Uhr, öffentlich ausgestellt. Am 25. Oktober wird Katharina Krenkel vor Ort sein, wenn Pfarrerin Nicole Gneiting den Gottesdienst zelebriert – und dann ihre Kunstwerke aus der Turmwoche nochmals zeigen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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