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Albstadt Macher und Forscher mit Sinn für Heimat und Tradition

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Gottlob Ast hatte 2014 die Landesehrennadel bekommen.Archiv-Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Albstadt-Onstmettingen. Es gehöre schon einiges dazu, es als "Reing’schmeckter" aus Meßstetten zum "Onstmettinger Original" zu bringen, hatte der damalige Oberbürgermeister Jürgen Gnveckow über Gottlob Ast gesagt, als er ihm 2014 die Landesehrennadel ans Revers heftete. Gottlob Ast hatte sich dieses Prädikat mehr als verdient in seinen 88 Lebensjahren, die am Freitag zu Ende gegangen sind.

Als jüngster von fünf Geschwistern war Gottlob Ast am 22. April 1931 in Meßstetten zur Welt gekommen und dort zur Schule gegangen – offiziell acht Jahre, doch "Kohlenferien", Fliegeralarm und anderes mehr minderten seine Schulzeit beträchtlich, wie er selbst sagte. So blieb ihm das Aufbaugymnasium in den Nachkriegsjahren verwehrt und Ast lernte stattdessen des Beruf des Holz-Karosseriebauers in Balingen und danach Karosserieblechner, ehe er als Aluminiumspezialist für eine schweizer Omnibusfabrik arbeitete.

Mit 43 Jahren schließlich bewarb Ast sich als Fachlehrer an der Ebinger Berufsschule, die ihn wegen seiner Erfahrung und umfassenden Ausbildung anderen Bewerbern vorzog. In einem "absolut leeren Unterrichtsraum" fing er an, baute sich alles selbst auf, wobei er manche Nachtschicht einlegte, um Werkbänke, Maschinen, Wandtafeln und Lehrmodelle zu bauen und selbst einen Lehrplan auszutüfteln. Neben seinem Beruf studiert Ast Psychologie, Pädagogik und Didaktik, um als Fachlehrer auch auf diesem Gebiet auf der Höhe zu sein.

Dennoch fand er Zeit, sich in seiner Wahlheimat Onstmettingen auf vielfältige Weise zu engagieren. Als Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde war er am Umbau der Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche begeteiligt, gehörte von 1968 bis 1974 dem Onstmettinger Gemeinderat an.

Mit mehreren Freunden zusammen, unter anderem mit Alfred Munz, den er selbst seinen "Mentor" nannte, gehörte Ast zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises Kasten, der aus dem gleichnamigen Gebäude das Philipp-Matthäus-Hahn-Museum geschaffen hat – Ast selbst war im Bautrupp an vorderster Front dabei. Er arbeitete fleißig an den Onstmettinger Jahresgaben mit. Ebenso unermüdlich war Gottlob Ast an zahlreichen heimatkundlichen Forschungsarbeiten beteiligt und erweiterte stets sein Wissen bei Arbeitstagungen und Ausstellungen.

Dass die alte Freipirschgrenze ausgegraben wurde – in Archiven und in natura – ist sein Verdienst, und auch die Bronzetäfelchen an den 40 Grenzsteinen sowie der Bronze-Guss von Philipp Matthäus Hahns Portrait an der Außenwand des Museums gehen auf seine Initiative zurück. Drinnen führte Ast fachkundig Besucher – das tat er aber besonders gerne in freier Natur, als Wanderwart und Höhlenführer beim Schwäbischen Albverein Onstmettingen.

Kein Fest – ob es das Schäferfest auf dem Raichberg oder der Auschmettinger Sommer war – ließ Gottlob Ast ungenutzt, um Kindern und Jugendlichen Berufe und Traditionen ihrer Heimat vorzuführen. Dann richtete er eine kleine Nagelschmiede ein, baute in wochenlanger Arbeit den Kohlenmeiler auf und schürte ihn an – immer treu seinem Motto: "Man muss es halt tun."

Ein Pfeiler war Gottlob Ast mit seiner kräftigen, schönen Singstimme auch im Singkreis Kasten – sowohl im Chor als auch als Vorsitzender. Im Fußballclub Onstmettingen brachte er es bis zur Ehrennadel in Gold, war stellvertretender Vorsitzender im Rad- und Motorsportclub Onstmettingen, und erst vor wenigen Jahren wurde Ast für die Weiherschule aktiv: Dass es ihm und seinen Mitstreitern nicht gelungen ist, das markante Gebäude in der Ortsmitte vor dem Abriss zu retten, traf ihn damals hart.

Auch persönlich hatte Gottlob Ast schwere Schicksalsschläge verkraften müssen: Seine erste Frau Waltraud, die Mutter seiner Töchter Annegret und Gudrun, war schon 1994 gestorben, seine zweite Frau Heda Ast-Weber erst vor wenigen Jahren.

Dass Gottlob Ast aufgrund der Corona-Pandemie eine große Trauerfeier verwehrt bleibt, mögen vor allem in Onstmettingen viele bedauern – nur wenige haben sie sich so sehr verdient wie er.

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