Vor allem das Rathaus und die Fußgängerzone in Ebingen werden die Fernsehzuschauer am kommenden Mittwoch zu sehen bekommen, wenn sie den Beitrag in "Plusminus" einschalten – aus ungewöhnlicher Perspektive: Kameramann Patrick Cornette filmt von unten. Foto: Schwarzwälder-Bote

Fernseh-Team befragt Bürger nach Meinung zur Verwertung von "Reststoffen" aus kremierten Körpern.

Albstadt-Ebingen - Für Aufsehen hat gestern ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks in der Ebinger Innenstadt gesorgt. Ihre Mission: testen, was die Albstädter zur "Zahngold"-Debatte sagen. Sie wird nach Berichten im Schwarzwälder Boten bundesweit geführt.

 

Düsseldorf, Saarbrücken, Frankfurt und Berlin hat Stefan Jäger, Redakteur beim Hessischen Rundfunk, schon abgeklappert. Gestern nun: Albstadt. Mit Kameramann Patrick Cornette und Tontechniker Marcus Gottinger ist Jäger zu Besuch bei Baubürgermeister Udo Hollauer. Denn der ist zuständig für das Thema, das buchstäblich in aller Munde ist: die so genannte "Zahngold"-Debatte. Und er wird den Fernseh-Leuten sagen, dass der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen darüber entscheiden wird, wie künftig mit den Edelmetallen zu verfahren ist.

Zur Erinnerung: In seinem letzten Jahresbericht als Leiter des Rechnungsprüfungsamtes (siehe Info) hatte der inzwischen pensionierte Herbert Gätzschmann festgestellt, dass es Kommunen gebe, die "Reststoffverwertung" in Krematorien betrieben und sowohl Metallteile – etwa künstliche Hüftgelenke – als auch Zahngold verwerteten.

Ein Bericht im Schwarzwälder Boten über den Prüfbericht hat im Frühsommer dann die ganze Debatte ins Rollen gebracht. Mehrere Fernsehsender haben inzwischen über diese offenbar gängige Praxis der Kommunen berichtet. Der nächste Beitrag wird im Verbrauchermagazin "Plusminus" laufen.

Die Meinungen derer, die er in vier Städten bisher befragt hat, bezeichnet Stefan Jäger als "gemischt" – sie reichten von Kommentaren wie "Leichenfledderei" bis zur Ansicht, dass diese Praxis in Ordnung sei, sofern der Erlös für einen guten Zweck verwendet werde.

Über die Höhe der Erlöse sei kaum etwas zu erfahren

"Rund 150 Krematorien gibt es in Deutschland", hat Jäger recherchiert, "und ein Drittel davon ist in privater Hand." Eine Kontrolle, was mit den Edelmetallen aus dem Körper einer kremierten Leiche geschehe, gebe es aber nicht, und auch über die Höhe der Erlöse sei kaum etwas zu erfahren.

Interessant ist, was Stefan Jäger von einem Berliner Fachanwalt für Bestattungsrecht erfahren hat: Meist erführen die Angehörigen gar nichts von dieser Praxis, würden erst recht nicht nach ihrer Zustimmung gefragt. Und: Mehr Transparenz, Klarheit und Rechtssicherheit für die Angehörigen sei dringend notwendig.

Das meint der Berliner Anwalt. Doch wie sehen es die Albstädter Bürger? Stefan Jäger staunt nicht schlecht, wie auskunftsfreudig sie sind. In kürzester Zeit finden er und sein Kamera-Team mehrere Gesprächspartner und sind schon bald so weit, dass noch Zeit bleibt für eine gemütliche Mittagspause im Gasthaus "Zur Traube". Maultaschen müssten unbedingt sein, "immer wenn ich im Schwäbischen bin", sagt Stefan Jäger, der aus dem unterfränkischen Aschaffenburg kommt und in Frankfurt arbeitet.

Zu den Befragten zählt – rein zufällig – auch Lokalprominenz: Stadträtin Juliane Gärtner, Ortsvorsteherin in Lautlingen, und Ex-Stadtarchivar Peter Thaddäus Lang sind dem Trio vors Mikrofon gelaufen. Was sie gesagt haben? Zu sehen ist es am nächsten Mittwoch, 5. September, ab 21.45 Uhr im Ersten.

(key). Von einem Erfahrungsaustausch unter Kollegen aus mehreren Gemeinden hatte Herbert Gätzschmann das "Thema Reststoffverwertung" mitgebracht, wie er in seinem Schlussbericht über die Prüfung der Jahresrechnungen 2009 und 2010 schreibt. Bislang würden in Albstadt große Metallteile, vor allem künstliche Hüftgelenke, und andere "nicht urnenpflichtige Gegenstände" entfernt, "verbliebene magnetische Metallteile mittels Handmagneten herausgezogen" und die verwertbaren Reststoffe, "wie bei vielen anderen Krematorien auch, vermarktet". Hochwertige Goldlegierungen werden laut Gätzschmann in Albstadt bisher aber noch nicht gesondert veräußert. Mit zwei bis fünf Gramm pro Kremierung sei erfahrungsgemäß zu rechnen – mache bei derzeit rund 900 Kremierungen im Jahr mindestens 1800 Gramm Goldlegierungen. "Bei den derzeitigen Goldpreisen ließen sich nicht unerhebliche Einnahmen erzielen. Dieser Einnahmeposten würde den Finanzen der Stadt sicher gut tun", heißt es weiter.

Gätzschmann gibt zu bedenken, dass die Stadt die Erlöse – nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss – zweckgebunden verwenden könnte, etwa für soziale Zwecke oder für das Bestattungswesen. Zum Schutz des Personals im Krematorium müssten verbindliche Dienstanweisungen erlassen werden.