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Albstadt Kopfbewegung provoziert Fausthiebe ins Gesicht

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Mit den Fäusten wollte der Angeklagte die vermeintliche Ehrverletzung sühnen. Foto: ©nito – stock.adobe.com

Albstadt-Lautlingen - Ein Augenzwinkern, beabsichtigt oder nicht, hatte den Angeklagten an einem Sommertag vor zwei Jahren so in Rage gebracht, dass er glaubte, die Sache "unter Männern" regeln zu müssen. In der Folge landeten gleich zwei im Krankenhaus - und der vermeintlich in seiner Ehre Verletzte vor Gericht. Das Amtsgericht Albstadt verurteilte ihn 2019 wegen Körperverletzung und des Erwerbs von Betäubungsmitteln zu einem Jahr Haft auf Bewährung und seinen Bruder wegen Beihilfe zur Körperverletzung. Seit Mittwoch läuft vor dem Landgericht Hechingen die Berufungsverhandlung.

Was war passiert? Der 40-jährige Hauptangeklagte war im Sommer 2018 mit Frau und Kindern im Badkap gewesen; dort will er beobachtet haben, wie ein anderer Badegast im Becken einem Kumpel zuzwinkerte und dabei mit dem Kopf eine Bewegung machte, die nach seiner, der Auffassung des Angeklagten, seiner Frau galt. Er deutete die Geste als Anmachversuch: "Das sah so aus, als wolle er seinem Kumpel sagen, dass er sie klarmachen solle", erklärte er dem Richter und den beiden Schöffen. Er habe sich dadurch massiv in seiner Ehre verletzt gefühlt.

Der große Bruder wird als Verstärkung aktiviert

Ehre ist ganz offensichtlich von großer Bedeutung für den Angeklagten - noch am Beckenrand stellte er den 41-jährigen Mann, von dem er sich provoziert fühlte, zur Rede. Der begriff laut eigener Aussage anfangs gar nicht, wofür er sich entschuldigen und was er zugeben sollte. Seine Geste habe überhaupt nicht der Frau des Angeklagten gegolten; an ein schlüpfriges Zwinkern, das ihm gleichfalls vorgeworfen wurde, kann er sich schon gar nicht erinnern. Entnervt schlug er vor, die Angelegenheit "draußen" zu klären; allerdings will er diesen Vorschlag nicht ernst gemeint haben, sondern vielmehr als eine Art Floskel verstanden wissen: Es sei keineswegs seine Absicht gewesen, die Sache mit Fäusten aus der Welt zu schaffen.

Genau das dachte jedoch der Angeklagte und rief noch im Bad seinen älteren Bruder an - als Verstärkung, falls die Situation eskalieren sollte. Außerdem forderte er den erwähnten Kumpan des 41-Jährigen, der gerade mit seinen Kindern am Zusammenpacken war, auf, mitzukommen. Der meinte, es sollten doch einfach alle nach Hause gehen, doch der Angeklagte beharrte darauf, die Sache auszutragen - in seiner Kultur mache man das so. Worauf sein Gegenüber nur müde gelächelt haben will - und der Angeklagte noch ärgerlicher wurde.

Am Ausgang des Badkap traf man sich zur weiteren Klärung. Das Gespräch verlief halbwegs ruhig, bis der 41-Jährige den Angeklagten fragte, warum er nicht verstehen wolle - ob er denn dumm sei? Darauf schlug dieser ihn ins Gesicht, so dass er von der Mauer, auf der er saß, nach hinten kippte und für einen Moment das Bewusstsein verlor. Sein Kumpan, der mittlerweile ebenfalls eingetroffen war, eilte ihm zu Hilfe und erhielt darauf ebenfalls einen Faustschlag - er habe ihn zuvor ausgelacht, gab der Angeklagte zur Begründung an.

Hauptangeklagter soll Kokain gekauft haben

Wann sein älterer Bruder hinzugekommen war, wurde in der Verhandlung am Mittwoch nicht so recht klar. Er hatte erwiesenermaßen nicht selbst zugeschlagen, war aber offenbar mit seinem Auto nahe an die Gruppe herangefahren. Er soll die beiden Gegenspieler mit einem Schlagstock einschüchtert, diesen aber wieder weggepackt haben, ehe die Polizei eintraf. Die Kontrahenten des Büderpaars erlitten durch die Faustschläge Prellungen am Kopf, der 41-Jährige zudem eine Gehirnerschütterung. Zudem hatte er sich im Fallen Verletzungen an den Beinen zugezogen und musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

Zum Thema Drogen: Dem Hauptangeklagten wird zudem zur Last gelegt, mehrmals Kokain gekauft zu haben - ein Vorwurf, zu dem weder er noch der Dealer, von dem er das Rauschgift bezogen haben soll, sich äußern wollte. Die Ermittler waren ihnen durch einen Chat, in dem sieh angeblich die Übergabe verabredet hatten, auf die Spur gekommen. Ein Urteil fiel am Mittwoch nicht; der Prozess wird am Montag, 26. Oktober, um 8.30 Uhr fortgesetzt.

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