Neuer Oberbürgermeister erneuert bei Verpflichtung in Tailfingen sein Versprechen, bürgernah zu bleiben.
Albstadt-Tailfingen - Albstadts größte Halle war gerade groß genug – rund 800 Gäste, Prominenz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben des Kreises, waren gestern in der Zollernalbhalle versammelt, als Klaus Konzelmann als neuer Oberbürgermeister verpflichtet wurde.
Die Aufgabe, Konzelmann zu vereidigen und zu verpflichten, war Martin Frohme, dem Doyen im Albstädter Gemeinderat, zugefallen – der SPD-Fraktionschef bekannte, dass ihm das Wort "Ehrenamt" selten so sehr eingeleuchtet habe wie an diesem Abend. Danach sprach Grit Puchan – die Vizepräsidentin des Tübinger Regierungspräsidiums verwies gleich zu Beginn auf die denkwürdigen Umstände von Klaus Konzelmanns Wahl, dessen Name bekanntlich im ersten Wahlgang, in der er die relative Mehrheit knapp verfehlt hatte, gar nicht auf dem Stimmzettel gestanden war, und erklärte sich diesen einzigartigen Wahlerfolg mit der Person Konzelmanns: Ein "echtes Kind der Stadt", ihr aufs Engste verbunden und bestens vernetzt sei er – "eine gute Grundlage für dieses Amt". Indes – dieses Leitmotiv zog sich durch viele Ansprachen des Abends – werde auch er es nicht allen recht machen können und seine Mitbürger statt mit Gefälligkeiten durch den glaubhaften Einsatz für die eigene Überzeugung für sich einnehmen müssen – auch wenn die nicht jedem passe. "Ich bin sicher, dass Sie der Richtige dafür sind."
Klaus Konzelmann schien zu Beginn seiner Festrede noch nicht ganz glauben zu können, was ihm widerfuhr: "Wer mir das vor vier Monaten vorausgesagt hätte, den hätte ich einen Narren geheißen." Allerdings ist auch ihm bewusst, was ihn letztlich ins Amt getragen hat: der Wunsch der Albstädter nach "praktizierter Bürgernähe". Und so versprach er, die Bürger frühzeitige in für sie wichtige Entscheidungsprozesse einzubinden, ein Oberbürgermeister zum Anfassen zu sein und sich beim Wort nehmen zu lassen. Sein Schlusswort war das gleiche, mit dem er vor einem Vierteljahr bei der Kandidatenvorstellung am selben Ort seine Ansprache beendet hatte: "Sollten Sie je Anzeichen entdecken, dass ich mich durchs Amt verbiegen lasse, dann kommen Sie und verlangen den Klaus Konzelmann zurück, der heute vor Ihnen steht!"
Die Agenda kennt Konzelmann genau – 21 Jahre lang war er Albstädter Gemeinderat. Die Stichworte lauteten Stadtmitte Tailfingen, Tourismus, Hallen und Kläranlagen; mit besonderem Nachdruck bekannte er sich zur Lautlinger Ortsumgehung – und durfte sich durch Grit Puchan ermutigt fühlen: 16 Jahre, hatte der Erste Bürgermeister Anton Reger ganz zu Beginn angemerkt, seien seit einer anderen Albstädter OB-Verpflichtung verstrichen, ohne dass das Thema B 463 an Dringlichkeit eingebüßt habe. "Es wird keine weiteren 16 Jahre mehr dauern", versprach Puchan darauf unter tosendem Beifall der Halle – Klaus Konzelmann vernahm’s mit Freude. Etwaige Zusatzkosten für den Anschluss des Gewerbegebiets Hirnau, schlug Puchan vor, werde man dem Bund zuschustern. "Wir bringen’s Herrn Bareiß nachher schonend bei."
Auch Günther-Martin Pauli weiß, was Bürgernähe und Transparenz heutzutage zählen – der Landrat sagte zu, in Sachen Krankenhaus so bald wie möglich das informative Gespräch mit der Albstädter Bevölkerung zu suchen. Sein Geschenk an den neuen OB: ein Fußball, Symbol für "Erfolg und Fairplay" – letzteres wünscht Pauli sich im Umgang mit der Stadt Albstadt.
Polizeipräsident bringt Entlassungsurkunde mit
Uli Schwarz, der Tuttlinger Polizeipräsident, hatte die Entlassungsurkunde für den bisherigen Untergebenen Konzelmann mitgebracht – "ich muss Sie aus dem Dienst entfernen" – , erinnerte an Hans Conzelmann senior und junior, zwei Tailfinger Bürgermeister aus dem 17. Jahrhundert, und wusste abschließend von einem anderen Kriminalisten zu berichten, der OB geworden war: "Er ist seit kurzem wieder auf freiem Fuß." Ähnlich launig äußerte sich namens der Albstädter Ortsvorsteher der Onstmettinger Siegfried Schott: Jetzt wisse man, warum die Truchtelfinger stets leichten Herzens auf Ortsvorsteher und Ortschaftsrat verzichtet hätten: "Die haben einfach gewartet, bis sie einen OB bekamen."
Der Rathauschef mit den drei "K"
Für die Belegschaft der Stadtverwaltung sprach Danielle Bosch – die Personalratsvorsitzende forderte den neuen Chef auf, dem Dreiklang "Klaus Konzelmann Kleiststraße" künftig drei weitere "K" zur Seite zu stellen: "Kooperation – Klarheit – Konstruktivität." Christa Beck, Albstadts geschäftsführende Schulleiterin, hatte keinen Ball, sondern im Gegenteil einen "Meilenstein mit Ecken und Kanten" als Geschenk mitgebracht, Dekan Anton Bock wandelte eine zehn alte Bild-Schlagzeile ab – "Wir sind Oberbürgermeister" – , und die Ebinger HGV-Vorsitzende Manuela Früholz empfahl Konzelmann, sich auf sein "Bauchgefühl" zu verlassen. Den Schlusspunkt setzte Konzelmanns Verwandtschaft – sie intonierte als Terzett "Möge die Straße uns zusammenführen". Die B 463 war sicher nicht gemeint.