Werke aus vier Jahrhunderten präsentiert der Kammerchor Ebingen bei seinem Konzert in der Martinskirche. Foto: Schwarzwälder-Bote

Kammerchor Ebingen präsentiert in seinem Benefizkonzert Werke aus vier Jahrhunderten

Albstadt-Ebingen. "Klagelieder", so hieß das Thema des Benefizkonzerts, das der Kammerchor Ebingen am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres in der Martinskirche gab. Die Leitung hatte Brigitte Wendeberg; Steffen Mark Schwarz, ihr Nachfolger als Martinskirchenkantor, spielte Orgel.

Brigitte Wendeberg, Gründerin des Kammerchors Ebingen, dirigierte mit charakteristischer Emphase die Werke aus vier Jahrhunderten, deren gemeinsamer Nenner die Klage angesichts von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung war – überwiegend nach biblischen Texten –, die dabei aber naturgemäß sehr unterschiedliche Wege beschritten: Der sechsstimmige Schlusschor von Giacomo Carissimis Oratorium "Jephte" und die fünfstimmige, noch ganz der alten Vokalpolyphonie verpflichtete Jeremiade des Briten Thomas Tallis sprechen eine andere Sprache als die Motetten des Romantikers Friedrich Kiel oder gar der Komponisten des 20. Jahrhunderts, Willy Burkhard und Arvo Pärt.

Stimmen erfüllenden ganzenKirchenraum

Entsprechend groß war auch die Bandbreite dessen, was den Sängern und Sängerinnen abverlangt wurde.

Sie zeigten sich der Aufgabe gewachsen, gaben sensibel und höchst emotional die vom jeweiligen Komponisten intendierten Stimmungen wieder. Ihres Können zeigte sich besonders in Burkhards Vertonung von Psalm 13 – in "Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen?" wechselten Passagen, in denen die Stimmgewalt des Chores den ganzen Kirchenraum ausfüllte, mit ganz leisen, fast wimmernden, verzagten, verzweifelten Tönen.

Sehr eindrucksvoll auch die Intonisierung des Psalms 137 "An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten" des Esten Arvo Pärt. "Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt oder gesungen wird", kommentiert der Komponist sein Werk, dessen Aussage und Mittel er auf das absolut Wesentliche reduziert hat: Eine Klage muss nicht in Worte gefasst werden, um verstanden zu werden. Töne, Klänge genügen Pärt vollkommen – und die Interpretation des Kammerchores gab ihm Recht. Doch obwohl die Trauer, die Klage, der Tod und die Verzweiflung allgegenwärtig waren, durchzog ein Band von Hoffnung und Vertrauen die Lieder. Begleitet wurde der Gesang vom Orgelspiel von Steffen Mark Schwarz: Der Kantor und Organist von Martins- und Kapellkirche steuerte wundervolle Stücke von Louis-Nicolas Clérambault, Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt zum Programm bei.

Der Erlös des Konzerts ist übrigens für die weiteren Renovierung der Martinskirche bestimmt – ihre Türen, Fenster, Dach und Fassade sind teilweise tatsächlich in einem "beklagenswerten" Zustand.

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