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Albstadt Keine Barrieren für Spenden

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Schwimmen steht bei den Mitgliedern des Clubs Handicap besonders hoch im Kurs.Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Die Freude beim Albstädter Club Handicap ist groß: Das Pfeffinger Team "G‘sengte Sau" hat von seiner Nordkap-Tour 6500 Euro für den Freizeittreff für Menschen mit und ohne Behinderung mitgebracht.

Albstadt. "Wir sind hellauf begeistert von dieser tollen Aktion und der großzügigen Spende für unseren Club", freuten sich Petra und Michael Ströbel bei der Übergabe von 6500 Euro an den Club Handicap Albstadt, dessen Aktivitäten das Ehepaar seit vielen Jahren mit viel Herzblut organisiert. "Damit können wir wieder einiges auf die Beine stellen."

Der Club zählt rund 120 Mitglieder und bietet halbjährlich ein neues Programm mit Aktivtäten, Ausflügen, Sport und Reisen, die eines gemeinsam haben: Menschen mit und ohne Behinderung haben zusammen Spaß daran. "Die Nachfrage ist sehr groß", sagt Petra Ströbel. An die 80 Personen im Alter zwischen 16 und 71 Jahren meldeten sich regelmäßig zu den Angeboten an, treffen sich zum Schwimmen, Zelten, Kegeln, zu Sport und Geselligkeit, zu gemeinsamen Essen und zum Stammtisch, der immer mittwochs – inzwischen schon um 19 Uhr – im Brauhaus Zollernalb beginnt.

Das Schwimmtraining gehört zu den beliebtesten Angeboten und ist besonders wichtig für die Mitglieder, wie Michael Ströbel betont – zumal dabei regelmäßig Erfolge herausspringen, darunter Medaillen bei den nationalen Wettbewerben der Special Olympics, die das nächste Mal 2022 in Berlin stattfinden. Dann hoffen die Mitglieder, dass zu ihrer stets starken Leistung auch das Quäntchen Glück kommt, das für die Teilnahme am nächsten internationalen Wettbewerb 2023 notwendig ist.

Zwar ruht seit Beginn der Coronavirus-Pandemie der Trainingsbetrieb, doch schon bald soll es wieder losgehen. Bereits am 30. Juli wird der Club Handicap beim Schwimmtraining prominenten Besuch bekommen: Kultusministerin Susanne Eisenmann möchte die Mitglieder kennenlernen und kommt persönlich ins Badkap.

"Genau deshalb, weil hier Inklusion schon seit 30 Jahren gelebt und praktiziert wird, haben wir uns für den Club Handicap entschieden", betonen unisono Steffen Bendrin, Marc Lang und Markus Lorenz, das Team der "G‘sengte Sau". Zudem sei es ihnen wichtig gewesen, dass die Spende am Ort bleibt.

Als sich das Trio mit seinem alten VW-Bus zur 16-tägigen Rallye "The Baltic Sea Circle im Winter", die nördlichste des Erdballs, anmeldete, gab es klare Vorgaben. Jedes Team musste bei Überquerung der Ziellinie in Hamburg einen Mindestbetrag von 750 Euro für einen guten Zweck auf dem Konto haben. "Mit dieser Summe wollten wir uns nicht zufrieden geben und haben kräftig die Werbetrommel gerührt", so Steffen Bendrin. Mit großem Erfolg. Beim Start Mitte Februar lagen bereits 5000 Euro auf dem Konto. Die Spendensammlung hatte im November mit einer Albstadt Rallye begonnen. Schnell waren alle 20 Starterplätze vergeben. Vor allem die Gaudi der 73 Teilnehmer beim Absolvieren der Aufgaben in allen Stadtteilen und in richtig alten Fahrzeugen war riesengroß.

Dank weiterer Spenden von Geschäften, Privatleuten und anonymen Personen addierte sich die Spendensumme während der Tour auf 6500 Euro, die der Club Handicap nun beim Stammtisch im Brauhaus Zollernalb entgegengenommen hat. Dabei berichteten Steffen Bendrin, Marc Lang und Markus Lorenz, dass Deutschland, was Behinderungen und Barrierefreiheit betreffe, arg im Rückstand gegenüber skandinavischen Ländern sei. Bei der Rallye hätten sie überall Rampen gesehen, auf denen Menschen mit Behinderung zum Baden, zum Einkaufen und in Lokale gehen könnten: "Menschen mit Gehbehinderung bekommen im Norden eine viel größere Aufmerksamkeit als bei uns."

Albstadt. Dem Zusammenhalt im Club Handicap hat die Coronavirus-Pandemie nichts anhaben können wie Vorsitzende Petra Ströbel berichtet. "Die Situation war schon speziell für alle, weil wir gewohnt sind, viel beieinander zu sein und etwas zu unternehmen." Doch dank Telefon, Facebook, WhatsApp und sogar Postkarten seien die Mitglieder mit und ohne Behinderung in Kontakt geblieben. Für Erstere hätten die Mitarbeiter in den Wohnheimen zudem viel Programm geboten, "und so haben wir den Lockdown insgesamt alle gut weggesteckt", betont Ströbel.

Ein Wilhelmabesuch der anderen Art – ganz ohne Gedränge

Mittlerweile sind die gemeinsamen Aktivitäten unter Einhaltung aller Abstands- und Hygienevorschriften wieder angelaufen: Die Club-Mitglieder haben eine Eselswanderung unternommen, die Wilhelma in Stuttgart besucht und sich gefreut, die Tiere mal ohne Andrang einer großen Besucherschar bestaunen zu können, und auch ein Besuch am Bodensee und ein Grillabend stehen an.

"Am 1. August wollen wir eine Gartengruppe gründen", freut sich Petra Ströbel, noch immer begeistert davon, wie unkompliziert der Rossberg-Freizeitverein dem Club Handicap ein großes Beet dafür überlassen hat. Beim Stalldienst und in der Tierpflege auf dem Rossberg engagieren sich die Clubmitglieder bereits. Nun wollen sie auch ihr eigenes Gemüse, Salat und andere gesunde Leckereien ziehen.

Im Dezember wollen Club-Mitglieder an einer Fortbildung teilnehmen, um bei den Vorwettkämpfen in Albstadt im Frühjahr 2021, 2022 bei der nationalen Ausscheidung und – mit etwas Glück – bei den Weltspielen der Special Olympics 2023 in Berlin noch besser abzuschneiden. Außerdem versuchen die Ströbels, junge Freunde des Club Handicap noch mehr einzubinden, um, wie Petra Ströbel sagt, den Altersdurchschnitt der Mitglieder etwas zu senken und den Generationen-Übergang leichter zu machen, damit der Club jung und aktiv bleibt.

Kern ist und bleibt dabei ein Stamm der Mitglieder, die sich engagieren und Menschen mit Handicap Erlebnisse bescheren, die sie andernfalls nicht hätten – Petra Ströbel freut sich über die Treue dieser Mitglieder. Für den Herbst planen die Aktivisten eine gemeinsame Reise nach Ibiza und setzen bis dahin ihre gewohnten Aktivitäten fort, darunter den Stammtisch immer mittwochs ab 19 Uhr im Brauhaus Zollernalb, der nur im August eine Pause einlegt. Am neuen Programm, das demnächst fertig werden soll, stricken Petra Ströbel und ihre Mitstreiter bereits – und freuen sich darauf, es gemeinsam zu erleben.

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