Sabine Stahl Fotos: Retter Foto: Schwarzwälder-Bote

Literaturtage: Sabine Stahl bei Früholz

Albstadt-Ebingen. "Komm, bleib hocka" – der Buchtitel ist Programm, und bei der als schwäbische Kaffeestunde ausgewiesenen Lesung von Sabine Stahl im Café Früholz war er eine ernst gemeinte Einladung, zuzuhören und sich Kaffee und Kuchen schmecken zu lassen. Jeweils eine Tasse und ein Stück, so liebt es der Schwabe, waren im Eintrittspreis inbegriffen.

Sabine Stahl hat Philosophie und Germanistik studiert, und ihre Lyrik verleugnet die geisteswissenschaftliche Schulung nicht: Unter der Oberfläche dieser so bodenständig anmutenden schwäbischen Poesie steckt viel Tiefsinn, viel nachdenkliches Schauen auf die Welt, das es nicht bei detaillierter Beschreibung dessen, was ist, belässt. Mit wenigen Worten gelingt es der Stuttgarterin, Themen "aufzuspannen", über die man ganze Nächte lang nachdenken könnte. Sie macht das so wortgewandt und charmant, dass fast jede Miniatur am Ende mit Gelächter quittiert wird.

Dieses Kunststück gelingt ihr nicht zuletzt deshalb, weil sie die Schwaben und ihre Eigenheiten ganz genau kennt: Recht machen wollen sie es, die Dinge und Worte genau nehmen, es muss schon alles seine Ordnung haben.

Sehr schwäbisch ist aber auch: Heimatverbundenheit, griabige Ruah und ab und zu eine Schimpftirade, Sackzement! Gleichgültig, ob Sabine Stahl nun Gedanken aufblitzen lässt, Einsichten und Reflexionen formuliert oder Selbsterlebtes nacherzählt: Applaudiert wird reichlich.

Letztlich ist es auch gar nicht wichtig, was die Autorin – sie arbeitet als Journalistin für SWR2 – studiert hat; worauf es ankommt, das ist die Virtuosität der Wortspiele und der feine Humor. Bernhard Mohl und seine Gitarre verließen der Lesung zusätzlichen Reiz – die beiden spielten sich souverän die Bälle zu. Mal setzte er ihre Lyrik Töne, mal spielte er einfach eine Melodie zum gelesenen Text.

Mohl hat Erfahrung damit, Lyrik kongenial zu begleiten; er hat etliche Gedichte von Mörike bis Gernhardt vertont. Er komponiert aber auch eigene Stücke brachte einige zu Gehör.

Dem Publikum gefiel’s ganz außerordentlich, von der Schwarzwälder Kirschtorte bis zum literarischen Sahnehäubchen. S‘ isch recht gsei.

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