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Albstadt Junge Iranerin wird nicht mehr abgeschoben

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Die junge Frau aus dem Iran auf der Terrasse der Pauluskirche. Foto: Freitag

Albstadt-Ebingen - Ein halbes Jahr lang hat die evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde Albstadt einer jungen Frau aus dem Iran Kirchenasyl gewährt. Jetzt konnte sie das Gotteshaus verlassen – sie kann in Deutschland Asyl beantragen und muss mich mehr fürchten, abgeschoben zu werden.

Wie Pastor Walther Seiler berichtet, hatte die Frau im Iran ein geregeltes bürgerliches Leben aufgegeben, und zwar, weil sie aufgrund ihrer zunehmend kritischen Haltung gegenüber dem repressiven Regime und nicht zuletzt aufgrund ihres Interesses für das Christentum bedroht sah.

Nach einer abenteuerlichen Flucht hatte sie im Januar 2017 Deutschland erreicht und war in der Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten aufgenommen worden. Dort besuchte sie regelmäßig die ökumenischen Angebote der Kirchen und den Farsi-Bibelkreis der methodistischen Kirche. Vieles, so Pastor Seiler, sei ihr fremd gewesen, und sie habe es aus einer kritischen Distanz beobachtet – doch sie fühlte sich vom Christentum angezogen: Vergebung zu erlangen und aus dem Glauben an Jesus Christus die Kraft zur Vergebung zu schöpfen – diese Per­spektive sprach sie an. "Die Begegnung mit Christus hat mein Leben verändert", bekannte sie.

Nach einiger Zeit wurde sie aus Meßstetten fortverlegt. Auch an ihrem neuen Aufenthaltsort gab es eine methodistische Kirchengemeinde; sie besuchte die Gottesdienst und beschloss schließlich, sich taufen zu lassen. Zeitgleich erfuhr sie, dass sie abgeschoben werden sollte – Deutschland sei laut Dublin-Vertrag nicht zuständig für sie, lautete die Begründung.

Immer noch traumatisiert durch ihre Flucht stürzte die junge Frau in eine tiefe Krise, die in einem längeren Klinikaufenthalt mündete. In ihrer neuen Gemeinde suchte das Mitarbeiterteam fieberhaft nach einer Möglichkeit, ihr zu helfen – als "ultima ratio" blieb aus seiner Sicht nur das Kirchenasyl. Eine heikle Option: Die Kirchen sind sich wohl bewusst, dass das Kirchenasyl kein eigenständiges, Institut außerhalb des Rechtsstaats sein kann und nur im individuellen Einzelfall bei nachweisbaren besonderen Härten in Betracht kommt.

Doch genau, dieser Fall, so Walther Seiler, habe hier vorgelegen – und so entschied sich die Bezirkssynode der evangelische-methodistischen Kirche im Januar einstimmig, der künftigen Glaubensschwester Kirchenasyl zu gewähren – und zwar in Albstadt. Mehrere Monate lebte sie zusammen mit Familie Seilerin der Pfarrwohnung – ein anderer Raum stand nicht zur Verfügung.

Für die Gemeinde war es eine Herausforderung. Rasch bildete sich ein zehnköpfiger Helferkreis, der die junge Frau im Alltag begleitete. Auf dem Programm standen Deutschunterricht, gemeinsamer Sport, gemeinsames Kochen und anderes mehr. Die Kirchenasylantin war bald in die Gemeinde integriert; Ausdruck dieser Zugehörigkeit war nicht zuletzt die Taufe, die in diese Zeit fiel.

Nicht nur sie hat während ihres Kirchenasyls viel gelernt, sondern auch die Gemeinde und die Seilers: "Wir haben die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, den einzelnen Menschen in den Blick zu bekommen", sagt Monika Seiler, die sich an das Schicksal ihrer Mutter erinnert fühlt, die vor über 70 Jahren als Kind aus Ostpreußen flüchtete und Hilfe bei fremden Familien im Westen Deutschlands fand. "Die Vorurteile waren damals wohl ganz ähnlich – gut, dass es Menschen gab, die sich darüber hinwegsetzten."

Die junge Frau aus dem Iran hat nun die Möglichkeit, ihren Asylantrag in Deutschland zu stellen. Die evangelisch-methodistische Gemeinde Albstadt wird sie aus der Entfernung weiter begleiten. Pastor Seiler hofft, dass ihr Traum, hier zu bleiben und Altenpflegerin zu werden, eines Tages Wirklichkeit wird.

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