Ein Kran beförderte die Glocke zurück in den Turm.Fotos: Huber Foto: Schwarzwälder Bote

Reparatur: Turmglocke der Peterskirche ist nach erfolgreicher Sanierung wieder zurück aus den Niederlanden

Nach langer Pause ist die größte Glocke der Tailfinger Peterskirche wieder zu hören – am Montag ist sie im Kirchturm aufgehängt worden. Rund 37 000 Euro hat die Sanierung gekostet; finanziert wurde sie durch Spenden.

Albstadt-Tailfingen. Beinahe fünf Jahre lang haben die Tailfinger das Geläut der größten Turmglocke der Peterskirche nicht vernommen – sie war zur Reparatur im Ausland. Jetzt ist sie zurück; am Montagmorgen wurde sie vor den Augen zahlreicher Zuschauer und unter musikalischer Begleitung des Posaunenchors CVJM TOP von Pfarrer Gottfried Engele geweiht. Danach wurde sie mit einem Kran auf das rund 35 Meter hohe Turmdach gehoben und von dort im Laufe des Mittags per Handaufzug ein Stockwerk tiefer an ihren angestammten Platz befördert.

Anlass der Sanierung war ein Riss gewesen, den ein allzu schwerer Klöppel verursacht hatte. Den Auftrag, sie zu reparieren und den Riss zu flicken, hatte die Firma Royal Eijsbouts aus Asten in den Niederlanden erhalten, die das Metall wieder fachmännisch zusammenschweißte. Außerdem wurde ein kleinerer Klöppel eingesetzt, um künftigen Rissen vorzubeugen, und die Glocke wurde so gegen den Klöppel gedreht, dass der vernarbte Riss mit der Schweißnaht nicht mehr direkt vom Klöppel getroffen wird. Zuvor war die Glocke Klangtests in der Gießerei unterzogen worden, welche allesamt erfolgreich verliefen. Für die Feinjustierung und Einstellung der Glocke reist, wie Kirchenpflegerin Brigitte Kohnert berichtet, zusätzlich noch ein Experte des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken an der Hochschule Kempten an.

Das Fazit lautet: "Klang und Gestaltung sind herausragend"

Die Kosten der Sanierung belaufen sich laut Kohnert auf rund 37 000 Euro, die ausschließlich durch Spenden finanziert wurden – zumindest zum größten Teil: Es seien schon viele Spenden eingegangen, berichtet Kohnert, ein kleiner Restbetrag fehle aber noch, und weitere Spenden seien willkommen – bleiben sie aus, müsste die Kirchengemeinde freie Mittel einsetzen. Darüber hinaus stehen weitere Arbeiten an zwei kleineren der insgesamt vier Glocken im Turm an – Glockensteuerung und Läutemotoren müssen erneuert werden – Kohnert schätzt, dass dafür weitere rund 8000 Euro Kosten anfallen werden.

Die Freude darüber, dass die große Glocke wieder zurück ist, können die Finanzierungsprobleme nicht schmälern. "Wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat. Da war natürlich schon eine Anspannung – und die Erleichterung entsprechend groß, als alles funktionierte und die Glocke oben angekommen war." Auch Pfarrer Engele freute sich: "Heute ist ein ganz besonderer Tag. Die Glocke ist eine der schönsten in ganz Württemberg."

Und eine der ältesten. Gegossen wurde sie 1552 vor Ort in Tailfingen. "Klang und Gestaltung der Glocke sind herausragend", sagt Engele, der, wie auch Kohnert, sowohl den Spendern, als auch denjenigen dankte, die dazu beigetragen haben, dass Reparatur, Transport und Rückkehr der Glocke unfallfrei verlaufen sind. Selbst ein Weltkrieg habe es nicht vermocht, die Glocke aus dem Turm zu entfernen – umso bedeutsamer sei ihre Rückkehr: "ein Jahrhundertereignis".

Bis die Tailfinger den Glockenklang wieder vernehmen dürfen, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. In Betrieb wird die Glocke erst zu Beginn des neuen Kirchenjahrs in der Nacht zum ersten Advent genommen. Indes waren – so Engele – "erste Klänge zur Ehre Gottes" schon am Montag zu vernehmen: Der Pfarrer schlug sie mit einem kleinen Hammer an, ehe sie sich auf den Weg in den Dachstuhl des Turms machte.

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