Coronabedingt hat die neue Solaranlage in Ehestetten ihren Betrieb am Freitag ohne großen Bahnhof aufnehmen müssen – am Montag wurde nachträglich der symbolische rote Startknopf betätigt. Das Bild zeigt Thomas Linnemann und Martin Kurz von den Albstadtwerken (Zweiter und Fünfter von rechts), Thomas Preuhs und Stefan Eberhart von der Firma Solera (Erster und Vierter von rechts) sowie Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann.Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder Bote

Albstadtwerke: Der Strom fürs Ebinger Wasserwerk kommt seit Freitag aus der benachbarten Solaranlage

Gut und gern zwei Jahre haben Planung, Antragstellung und sonstige Präliminarien gedauert – der Bau ging in knapp sechs Wochen über die Bühne. Am Freitag ist die neue Ehestetter Solaranlage der Albstadtwerke in Betrieb gegangen.

Albstadt-Ebingen. Die Wiese, auf der die 1470 Solarmodule aufgeständert sind, ist etwa 60 Ar groß und nur durch einen asphaltierten Weg vom Betriebsgelände des Wasserwerks getrennt, das die Anlage künftig mit Strom versorgen soll. Jedes Modul misst 2,08 mal 1,03 Meter; zusammengenommen erbringen sie eine Leistung von 625 Kilowatt und erzeugen jährlich 580 000 Kilowattstunden. Das entspricht einer CO2-Ersparnis von 230 Tonnen.

580 000 Kilowattstunden – das genügt, um 100 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen, und ist mehr als die Hälfte dessen, was das Wasserwerk, mit Abstand größter Verbraucher bei den Albstadtwerken, benötigt. Der größte Teil dieser Strommenge wird naturgemäß im Sommer erzeugt und dürfte, wenn dann auch noch das Wetter mitspielt, die Bedarfsmenge übertreffen – dann muss halt ins Netz eingespeist werden.

Im Winter wiederum dürfte die erzeugte Strommenge nicht ausreichen, um Trinkwasser aufzubereiten und zu transportieren; dann muss zugeliefert werden. Die Abläufe im Wasserwerk müssen, wie Thomas Linnemann, Geschäftsführer der Albstadtwerke, einräumt, wohl auch ein Stück weit an die neue Situation angepasst werden. Derzeit laufen die großen Pumpen vorzugsweise nachts – da scheint aber die Sonne nicht. In Zukunft werden die Hochbehälter wohl tagsüber befüllt; eine Batterie gibt es nämlich nicht. Sie müsste sehr groß sein und wäre bestimmt nicht billig.

Gewiss keine unlösbaren Probleme. Anderen hat die Binsdorfer Firma Solera bei der Installation der Photovoltaik vorzubeugen versucht, in dem sie die Module höher als üblich aufständerte: 1,80 Meter hoch schwebt die Unterkante über dem Boden der FFH-Mähwiese, drei Meter hoch die Oberkante.

Der Umwelt zuliebe extra hoch aufgeständert

Dadurch soll verhindert werden, dass die Module den Wiesengrund so weit verschatten, dass es den Wanstschrecken, die zwar nicht bedroht, aber andernorts selten geworden sind, zu düster in ihrem Lebensraum wird. Die Rammprofile, auf denen die Module aufliegen, sind spezialverzinkt, um den Auflagen in Sachen Grund- und Hochwasserschutz gerecht zu werden. Auch ein Monitoring gehört zum Programm, und es mussten Ersatzflächen vorgehalten werden – man ahnt, warum die Verwirklichung des Projekts zwei Jahre in Anspruch nahm.

Geht es noch umweltfreundlicher? Gewiss: In direkter Nachbarschaft von Wasserwerk und Photovoltaikanlage – Wasser und Sonne – liegt eine 700 Quadratmeter große Blühwiese, um die sich die Auszubildenden der Albstadtwerke kümmern und die vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet; das Spektrum reicht von Wildblumen und Wildkräutern über die Wasseramsel bis hin zu Heuschrecken, Falter und Honigbienen. Letztere produzieren übrigens auch etwas: Honig Marke regio". Ein richtiger "Ökopark", findet Thomas Linnemann, sei da in Ehestetten entstanden.

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