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Albstadt In aller Welt zu Hause – in Ebingen daheim

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Wolfgang Töpfer ist gestorben. Foto: Töpfer Foto: Schwarzwälder Bote

Albstadt-Ebingen. Ob und wie die Lücke gefüllt werden kann, die der unerwartete Tod von Wolfgang Töpfer reißt: Nicht nur beim CVJM Ebingen, dessen Vorsitz der vor zwei Jahren übernommen hatte, stellt man sich diese Frage.

Auch wenn er die ganze Welt bereist hat – Ebingen ist ihm Heimat geblieben. Dort wurde Wolfgang Töpfer am 19. Juni 1953 als drittes von vier Kindern der Eheleute Otto und Irma Töpfer geboren; dort ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach der Mittleren Reife absolvierte er von 1969 bis 1972 eine Elektrikerlehre bei der Firma Schweizer, doch nach der Gesellenprüfung zog es ihn in die Welt: Töpfer heuerte bei einem traditionsreichen norwegischen Reedereikonzern an und fuhr zur See.

Die Reederei erkannte schnell seine Fähigkeiten, die weit über das Technische hinaus gingen, und schickte ihn zur Ausbildung nach Bremen. Der norwegische König persönlich hat die Urkunde unterschrieben, die Wolfgang Töpfer als Elektro-Offizier auswies, als der er rund um den Globus tätig war: Mehr als 180 Länder der Welt lernte der umtriebige Ebinger auf seinen Fahrten über die Meere kennen, war aber auch als Inspektor bei Schiffsneubauten in Bremerhaven im Einsatz, bis hin zu Probefahrten.

Obwohl ihm die Reederei einen Arbeitsvertrag auf Lebenszeit gegeben hatte, schied Töpfer nach 15 Jahren aus und kehrte nach Ebingen zurück – zunächst. Denn sein alter Arbeitgeber schickte ihn noch mehrfach nach Asien, wo er mit dem Hubschrauber zu Schiffen der Reederei aufs offene Meer hinaus flog, um Instandsetzungsarbeiten zu erledigen.

1987 gründete Wolfgang Töpfer in Ebingen eine kleine Firma und schloss 1990 den Bund fürs Leben, doch schon 1993 gab er seinen Betrieb wieder auf und ging nach Kanada – es war seine letzte berufliche Station, ehe er endgültig in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Mehrere schwere gesundheitliche Rückschläge, Krankenhausaufenthalte und Reha-Kuren setzten ihm zu – den Lebensmut verlor Wolfgang Töpfer dennoch nicht. Im Gegenteil: Vielseitig vernetzt, nutzte er sein großes Fach- und Allgemeinwissen sowie seine hervorragenden Sprachkenntnisse, um anderen zu helfen, war als Computerfachmann und Techniker ebenso gefragt wie als 15. Nothelfer, wenn Nachbarn Probleme mit Behörden oder ihrem Vermieter hatten. Mit großer Ausdauer und viel Empathie half Wolfgang Töpfer dann weiter und ließ nicht locker, bis er sein Ziel erreicht hatte.

Dieses große Engagement kam in den vergangenen Jahren auch dem CVJM Ebingen zugute, dem Töpfer schon als Kind angehört hatte. Im CVJM-Haus in der Kapellstraße richtete er vier Wohnungen her, um sie zu vermieten und den Verein finanziell wieder lebensfähig zu machen, wie sein Stellvertreter Ulrich Freimuth berichtet. Sein Hauptziel war es, wieder mehr Jugendliche für den "Christlichen Verein Junger Menschen" zu gewinnen, und so steckte Töpfer viel Herzblut in sein Projekt, ein Jugendcafé zu schaffen, das die Jugendlichen mit einrichten und in dem Gitarrenunterricht, Computer- und Handy-Kurse ebenso Platz haben sollten wie Hausaufgabenbetreuung, wie er beim Jubiläum zum 140-jährigen Bestehen des Vereins im September 2019 verriet. Noch unter der Ägide seines Vorgängers, Pfarrer Hans-Michael Barfuß, hatte der CVJM die Heersberghütte, auf Laufener Gemarkung gelegen, aber von Burgfelden aus erreichbar, saniert und wiedereröffnet. Dass sie für Feste und Jugendfreizeit vermietet wird, trägt zur deutlichen Verbesserung der Vereinsfinanzen und zur Wiederbelebung der Vereinsaktivitäten bei, an denen Töpfer maßgebliche Verdienste hat.

Aus dem CVJM ist der Ebinger damit ebenso wenig wegzudenken wie aus dem Straßenbild seiner Heimatstadt selbst: Täglich war er in der Innenstadt unterwegs, mit seinem Lederhut schon von weitem erkennbar und immer für eine Anekdote oder eine Neuigkeit gut. Besonders freute ihn selbst jene, dass er Großvater werden sollte: Eine seiner beiden Töchter erwartet in Kürze ihr Kind.

Es im Arm zu halten, war Wolfgang Töpfer nicht mehr vergönnt: In seiner Wohnung ist der 66-Jährige, der offen damit umgegangen war, dass er an einem Hirntumor litt, am vorvergangenen Wochenende friedlich eingeschlafen. Am Montag ist Wolfgang Töpfer im Kreis seiner Familie und enger Freunde beigesetzt worden.

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