Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Albstadt Im Sinne der schwäbischen Hausfrau

Von

Von Martin Kistner

Auf dem Programm standen eine kurze Rede und Information, vor allem aber Essen – gutes Essen: Albstadts Foodsharing-Initiative hat ihren neuen "Fair-Teiler" vor dem Kunst-Werk-Haus eingeweiht.

Albstadt-Ebingen. Ein Holzverschlag mit knapp zwei Quadratmetern Grundfläche, verschließbarer Tür, einem wandhohen Regal auf der rechten und einem halbhohen Kühlschrank auf der linken Seite – so sieht der "Fair-Teiler" der Ebinger Foodsharer aus. Eine Speisekammer, aber keine, über welche eifersüchtig eine schwäbische Hausfrau wacht – im Gegenteil, hier darf sich jeder bedienen: Nudeln, Reis, Pizza, Backwaren, Gemüse, Milch, Joghurt, alles, was hier liegt, darf mitgenommen und verzehrt werden, und zwar zum Nulltarif. Es wäre sonst ohnehin im Müllcontainer gelandet ­– sei es, weil das sicherheitshalber sehr früh angesetzte Verfallsdatum abgelaufen ist, weil die Ware vom Vortag stammt und nicht mehr ofenfrisch ist, weil Schokonikoläuse im Januar nichts mehr im Sortiment verloren haben oder weil erste winzige Flecken die Bananenschale verunzieren.

Alltäglich werden in Deutschland tonnenweise Lebensmittel weggeworfen, obwohl sie kein bisschen verdorben, sondern genießbar und wohlschmeckend sind. Jammerschade um die guten Sachen – und um die Ressourcen und die Energie, die bei ihrer Herstellung verbraucht – oder richtiger: vergeudet – wurden! Finden zumindest die Albstädter Foodsharer – und sicherlich nicht wenige schwäbische Hausfrauen. Wobei es eine Weile gebraucht hat, die Albstädter vom Prinzip Foodsharing zu überzeugen.

Die Anfänge waren nicht ganz einfach, erinnert sich Jürgen Jans, der die Festansprache hielt: Die Lebensmittelhändler und Marktleiter, die von den Foodsharern angesprochen und um für die Mülltonne bestimmte Ware gebeten wurden, konnten sich anfangs nicht so richtig vorstellen, dass die Bittsteller nicht die Absicht hatten, Geld damit zu verdienen. Oder sie verwiesen auf die Tafeln: Praktizierten die denn nicht längst, was die Foodsharer vorhätten?

Ein Missverständnis: Die Foodsharer freuen sich zwar, wenn sie Bedürftigen helfen können, aber ihr Ziel ist ein anderes: Sie wollen aktiv etwas gegen die grassierende Lebensmittelverschwendung tun. Der neue "Fair-Teiler" ist deshalb auch für jedermann zugänglich, ganz gleich, wie gut oder schlecht er bei Kasse ist – umgekehrt darf auch jeder ihn mit Lebensmitteln füllen, beispielsweise, wenn er zuviel eingekauft hat oder in Urlaub gehen und vorher seinen Kühlschrank leeren möchte.

Mittlerweile sind die Missverständnisse und Vorurteile größtenteils ausgeräumt; etliche Lebensmittelmärkte setzen die Foodsharer regelmäßig davon in Kenntnis, wenn Ware abgeholt werden sollte – in den vergangenen vier Wochen belief sich das Aufkommen auf gut und gern zwei Tonnen! – und die Foodsharer können, was Jürgen Jans besonders freut, in Albstadt Unterstützer und Mitstreiter aus allen Schichten, Berufen und Altersklassen vorweisen. Anders als in Stuttgart oder Heidelberg sind nicht nur Studenten darunter, sondern Unternehmer, Lehrer und ­– natürlich – Hausfrauen.

Nicht zu vergessen: Kommunalpolitiker. Unter den Gästen der Einweihungsfeier war neben aktuellen und früheren Gemeinderätinnen wie Susanne Feil und Anette Ganter auch der Oberbürgermeister: Klaus Konzelmann findet "Foodsharing" gut und sagte Jürgen Jans seine Unterstützung zu. Die ideelle zumindest – mit der finanziellen, erklärte er dem Foodsharing-Aktivisten, würde sich die Stadt leichter tun, wenn die Foodsharer ein eingetragener Verein wären.

Dass diese ihre Helfer und Aktivisten nicht an die Leine einer Vereinssatzung legen möchten, kann Klaus Konzelmann verstehen, aber er hält die Vorbehalte für unbegründet: "Es zwingt Euch doch niemand, Mitgliederbeiträge zu erheben, wenn Ihr das nicht wollt."

Artikel bewerten
1
loading

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.