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Albstadt Holzfigur an Hossinger Leiter gibt Wanderern Rätsel auf

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Albstadt-Lautlingen - Eine rätselhafte Holzfigur ist derzeit Gesprächsthema unter Wanderern, die auf dem Traufgang Hossinger Leiter unterwegs sind. Woher kommt die Figur? Wen stellt sie dar? Der Schwarzwälder Bote hat nachgeforscht.

Auf dem Traufgang Hossinger Leiter ist Waldemar Pohl aus Ebingen oft unterwegs. "Das ist mein Lieblingstraufgang", sagt er. "Es tut gut, dort zu laufen, denn es ist richtig schön anstrengend."

Abends, "wenn die ganzen Touristen weg sind", steigt Waldemar Pohl gerne die Hossinger Leiter hinauf – auch am Mittwoch vergangener Woche, als er plötzlich etwas entdeckte, das er dort noch nie gesehen hatte: eine hölzerne Figur in einer Aushöhlung, nur ein paar Meter unterhalb der Metallleiter, die dem Traufgang seinen Namen gegeben hat.

Figur fehlt die rechte Hand

Anderntags kam Pohl dann von oben, stieg abwärts – und fand die Figur festgeschraubt. Wer sie geschnitzt hat, weiß der Traufgänger nicht. Ebenso wenig wer sie festgeschraubt hat. Außerdem wundert ihn, dass der Figur die rechte Hand fehlt – wäre sie neu und eigens für den Traufgang angefertigt worden, wäre das wohl kaum der Fall, mutmaßt Pohl.

Die fehlende Hand macht es zudem schwieriger, zu erkennen, ob es sich um einen Heiligen handelt, den die Figur verkörpern soll, werden Heiligenfiguren doch stets mit den ihnen zugeordneten Symbolen dargestellt, um sie erkenntlich zu machen: Christopherus trägt ein Christuskind, Sankt Martin ist mit Schwert und geteiltem Mantel abgebildet, Jakobus mit der Muschel und Petrus mit den berühmten Himmelsschlüsseln. Dem hölzernen Traufgänger freilich fehlt mit der Greifhand auch das Attribut – und so ist guter Rat teuer.

Da hilft nur eines: einen Fachmann fragen. Der katholische Pfarrer Hans-Joachim Fogl kennt sich aus mit Heiligen und weiß, dass es nur zwei Figuren gebe, die ohne Oberbekleidung dargestellt würden: Johannes der Täufer und Jesus Christus selbst. Da der Rippenbogen und der darunter liegende flache Bauch der Figur unbekleidet sind, ein Umhang aber deutlich erkennbar ist, steht für Fogl zweifelsfrei fest, dass es sich um einen Christus handeln muss, der dem Grab entsteigt. "Das passt ja auch zu der Höhle", sagt der Chef der Seelsorgeeinheit Talgang mit Blick auf die Stelle, an der die Figur steht.

"Ein Einzelner kann sie kaum getragen haben"

Wie die Figur an ihren neuen Platz gekommen ist, ist damit freilich noch nicht geklärt. Für Waldemar Pohl steht einzig fest, dass eine Einzelperson sie kaum dorthin getragen haben kann: "Sie ist sehr schwer", hat er gleich beim ersten Antreffen ausgetestet.

Gerhard Dölker, der Wegewart des Schwäbischen Albvereins Laufen, dessen Ortsgruppe sich die Pflege der Hossinger Leiter – nach Abschnitten unterteilt – mit den Ortsgruppen Lautlingen und Hossingen teilt, weiß zu berichten, dass es oft vorkommt, "das Wanderer oder Ortsansässige sich ein Denkmal am Wegrand setzen". Als Beispiele nennt er Steinpyramiden an der Schalksburg, ein Wegkreuz als Dank für eine Genesung an der Unteren Halde und einen Holzfalken unterhalb der Schalksburg. Auch Josef Peter Koller vom Albverein Lautlingen, der dort die Aufgaben des Wegewartes versieht, entdeckt immer wieder Figuren, vor allem an Wegkreuzen. Engel etwa, – und in jüngerer Zeit auch bunt bemalte #Albstones.

Manche hinterlassen Denkmal am Wegesrand

Koller weiß außerdem, wie die kleinen Höhlen entstanden sind, die den Traufgang Hossinger Leiter säumen: Die afrikanische Erdplatte habe sich einst unter die europäische geschoben. Das Muschelgestein des urzeitlichen Meeres, das die Region bedeckt hatte, sei dadurch nach oben gedrückt worden.

Sogar ein kleiner Wasserfall sei unweit der Hossinger Leiter noch zu finden, sagt Koller – allerdings nicht in so trockenen Sommern wie den zurückliegenden. Und er warnt davor, den Traufgang zu verlassen und an den Höhlen herumzuklettern. Zum einen würden dadurch Tiere gestört und zum anderen sei es gefährlich, vor allem für nicht Geübte und Turnschuhwanderer.

Steckt der Hossinger Künstler dahinter?

Dem hölzernen Christus freilich kann das egal sein. Er ist jetzt festgeschraubt. Seine Herkunft allerdings ist immer noch ungeklärt. Ob der Hossinger Künstler Michael Wendel dahinter steckt? Eine Frau, die er am Weg getroffen habe, habe das vermutet, berichtet Waldemar Pohl. Michael Wendel freilich hat zwar Skulpturen geschaffen wie etwa seine bekannte Lemurensäule, ist aber eher für Holzschnitte und Drucke bekannt. Außerdem: Würde er, der den Auferstandenen sowohl schon gemalt als auch in Holzschnitten verewigt hat, einen Christus ohne Hand aufstellen?

Für eine Auskunft war Michael Wendel am Montag telefonisch nicht zu erreichen. Wer etwas über die Holzfigur weiß, darf sich gerne an die Albstädter Redaktion des Schwarzwälder Boten wenden: unter Telefon 07431/9364-24 oder unter E-Mail redaktionebingen@schwarzwaelder-bote.de.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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