Die Schließung der maroden Schlossberg-Turnhalle hat die Lage verschärft – jetzt handelt die Stadt und öffnet Hallen an Wochenenden und in Ferien. Foto: Kistner

Die Debatte zur städtischen Hallenkonzeption ist aufs nächste Jahr vertagt; in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag ging es um die Verwaltung des Mangels. Da ist man sich offenbar näher gekommen.

Albstadt - Im Oktober hatte die Stadt noch die Präsentation eines aktualisierten Hallenkonzepts für die erste Dezembersitzung des Gemeinderats in Aussicht gestellt; im November wurde die Diskussion darüber, wie der Ersatz für die abbruchreife Schlossberghalle aussehen könnte, auf Januar respektive Februar vertagt.

Als Thema blieben die organisatorischen Maßnahmen zur Linderung der Raumnot, unter der Schul- und Vereinssport nicht erst seit der Schließung der Schlossberghalle leiden – die Sanierung der Tailfinger Lutherschulhalle wird sich noch bis ins Frühjahr hinziehen, die Halle des Schulzentrums Lammerberg steht nicht mehr zur Verfügung, und die Truchtelfinger Turnhalle bleibt noch bis Jahresende geschlossen – die Raumlufttechnik war defekt.

Mit Management gegen die Misere

Die Fraktion der Grünen hatte angesichts der Misere beantragt, das Management der noch nutzbaren Hallen zu überprüfen, zu optimieren und zu flexibilisieren – basierend auf der Annahme, dass der eine oder andere Nutzer lieber mit der Nachricht hinterm Berg hält, dass er eine Hallenstunde nicht mehr benötigt, statt auf einen Erbhof zu verzichten. Und dann war da noch eine zweite Forderung: Die Stadt möge ihre Hallen endlich auch am Wochenende für Vereine öffnen.

Die Grünen rannten offene Türen ein

Wer in der Ratssitzung die Replik der Stadt vernahm, gewann den Eindruck, dass die Grünen damit sperrangelweit offene Türen einrannten: Schon ehe ihr Antrag vorlag, versicherte Markus Münch, Leiter des Amtes für Familie, Bildung, Sport und Soziales, habe man die Initiative ergriffen. Schulen und Vereine seien schriftlich gebeten worden, nicht benötigte Stunden – Schulen sind von 7 bis 17, Vereine von 17 bis 22 Uhr an der Reihe – an- und abzugeben. Der Ertrag hält sich bislang in Grenzen: Es gebe vereinzelte Rückmeldungen; grundsätzlich aber sei wenig Dynamik in der Belegung; die Vergaben seien fix und von Dauer. Künftig sollen die Hausmeister gezielt Hinweisen auf Leerstände nachgehen und stichprobenartig die Belegung kon­trollieren.

Gründe angeben ist nicht mehr nötig

Bedeutsamer ist das Entgegenkommen der Stadt in Sachen Ferien und Wochenenden: Bisher wurden diese für Grund- und Fensterreinigung, Überprüfung der Infrastruktur und Sanierungsarbeiten – und dafür, den Urlaubsanspruch der Hausmeister abzugelten – verwendet. Vereine konnten die Hallen zwar am Wochenende nutzen, aber nur unter bestimmten Umständen und aus Gründen, die sie angeben mussten, etwa für Sondertrainingseinheiten vor größeren Wettkämpfen oder für die Saisonvorbereitung.

Begründungen sind künftig nicht mehr nötig

Das wird sich ändern: Bis auf weiteres ruht die Begründungs- und Nachweispflicht – Anmeldung genügt. Bei erhöhtem Bedarf, verspricht die Stadt, würden weitere Hallenkapazitäten zur Verfügung gestellt; dafür will sie 450-Euro-Stellen für Aushilfshausmeister und zusätzliche Reinigungskräfte ausschreiben. Auf eine Nutzung verzichten müssten Vereine nur, wenn die Grundreinigung oder Reparaturen anstünden.

Die Bedeutung der Vereine wird anerkannt

In der Aussprache bekundeten die Sprecher der Fraktionen Genugtuung darüber, dass die Stadt die Bedeutung der Vereine anerkenne und ihre Nöte ernst nehme – das habe sie freilich schon immer getan, beteuerte der Erste Bürgermeister Udo Hollauer, der die Sitzung stellvertretend für den erkrankten OB leitete.

Die Mazmannhalle bietet am meisten

Susanne Feil von den Grünen schlug vor, speziell die Ebinger Mazmannhalle in den Ferien und an den Wochenenden zu öffnen, weil sie die beste Infrastruktur besitze – allerdings, so Markus Münch, trage dort die HSG Albstadt ihre Heimspiele aus; die Zeitfenster seien also ziemlich klein; er halte es für sinnvoller, alle Hallen zu öffnen. Skeptisch begegnete er auch Feils Vorschlag, Belegungspläne publik zu machen: Dadurch könne sich eine Konkurrenz zwischen den Vereinen hochschaukeln.

Bis die Lage sich entspannt hat

Marianne Roth (SPD) erinnerte daran, dass es neben den Sportvereinen auch noch die Kultur gebe. CDU-Fraktionschef Roland Tralmer warnte davor, die Neuerungen nach der Pandemie wieder rückgängig zu machen; sie müssten Bestand haben, bis sich die Hallensituation entspannt habe. Außerdem wünscht er sich für den Februar einen Sachstandsbericht – und nicht nur als Dreingabe zur neuen Hallenkonzeption.