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Albstadt Heimat für viele Vögel und Insekten

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Auch Insekten könnten von der Wilden Weide" profitieren. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

In Deutschland gibt es immer weniger Insekten und Vögel, und immer mehr Arten fallen unter die Kategorie "bedroht". Eine Gruppe von Albstädter Naturfreunden möchte etwas dagegen tun – mit einem "Leuchtturmprojekt" in der Ehestetter Talaue.

Albstadt-Ebingen. "Alles tot", sagt Dieter Haas, Pfeffinger Tierschutzaktivist und Ornithologe aus Passion. "Im Mai haben hier noch Sumpfrohrsänger, Neuntöter, Schwarzkehlchen und Grasmücke gebrütet – Anfang Juni wurde das Gras gemäht. Danach waren die Nester zerstört, die Brut tot und der Boden nackt, so dass die Sonne ihn ordentlich ausdörren und auch den Insekten noch den Garaus machen konnte. Und in den Tübinger Amtsstuben nennen sie das dann Naturschutz."

In der Natur hängt alles mit allem zusammen, und so kommt Dieter Haas sozusagen "naturgemäß" vom Hundertsten aufs Tausendste, wenn er den aus seiner Sicht bestenfalls halbherzigen, in der Regel aber völlig verfehlten Natur- und Artenschutz der Landesbehörden im deutschen Südwesten geißelt. Ein Artenschutz, wie er ihn sich vorstellt, würde eine strategische Kehrtwende um 180 Prozent Grad bedeuten: einen weitreichenden Verzicht auf Pestizide, welche die Insektenpopulationen dezimieren, und dazu Abschussquoten und Schonfristen in der freien Wildbahn, die sich nicht länger an den Interessen der Waldwirtschaft oder der Schweinehalter orientierten, sondern am Ziel einer möglichst artenreichen Fauna. Die jüngste öffentliche Diskussion über die Tieringer Gämsen hatte er beispielsweise zu einem Plädoyer für die Rückkehr des Rothirschs in die heimischen Wälder genutzt – "das einzige wild lebende große Weidetier, das im Ländle, verblieben ist, im Zollernalbkreis aber aufgrund des Abschussprogramms naturwidrig ausgerottet bleibt".

Dass sich solche Forderungen gegen die Interessen von Land- und Forstwirtschaft durchsetzen lassen, glaubt Haas freilich nicht. Mehr Erfolg erhofft er sich von seinem Einsatz für die "Wilde Weide": Anders als in Norddeutschland und den Niederlanden, moniert er, begegne man in Baden-Württemberg auch außerhalb geschlossener Ortschaften selten mehr als einer sogenannten "Apexart" – ein Oberbegriff für große Säugetiere – , nämlich Homo sapiens, dem Menschen. Wiesen werden, auch in Naturschutzgebieten, vom Landwirt gemäht; dabei, so Haas, wäre es viel sinnvoller für den Artenschutz, sie durch Rinder, Pferde, Esel oder Büffel beweiden zu lassen. "Ein Rind produziert im Lauf eines Monats eine Tonne Dung. Die ernährt zwei Zentner Insekten, und aus denen lassen sich wiederum zehn Kilo Wirbeltierfleisch und -gewebe erzeugen." Frei weidende Tiere fördern den Artenreichtum – Mahd und Sukzessionsfolge sind dagegen Gift für ihn.

Diese Überlegungen haben Pate gestanden bei den Plänen für das Leuchtturmprojekt, das Haas und anderen Albstädter Naturfreunden für das Ebinger und Straßberger Naturschutzgebiet bei der Eselsmühle vorschwebt. Sie schlagen vor, von den insgesamt 50 Hektar die Hälfte extensiv durch Esel oder Wasserbüffel beweiden zu lassen, statt sie wie bisher zu mähen – bei einem Weidefaktor von 0,4 Großtiereinheiten wären dafür zehn Tiere erforderlich. Ein Landwirt aus der Nachbarschaft, berichtet Haas, sei für das Projekt durchaus zu haben, sofern er dafür nicht draufzahlen müsse; seine Kollegen, die von der Mahd profitierten, müssten für einen Verzicht ebenfalls schadlos gehalten werden. Aber dieses Geld, so Haas, sei – anders als die bisherigen Ausgaben – gut investiert. Keine Frage, Artenschutz koste Geld – aber das Artensterben könne langfristig noch viel teurer werden.

Die Bürgermeister finden die Idee gut

Im übrigen, meint Dieter Haas, könnte ein Pilotprojekt "Wilde Weide bei der Eselsmühle" auch touristischen Nutzwert haben. Er denkt an einen Turm mit Ausguck und Fernglas, von dem aus Naturfreunde das Naturschutzgebiet beäugen könnten. Albstadts OB Klaus Konzelmann und Straßbergs Bürgermeister Markus Zeiser hat er die Idee bereits unterbreitet: "Die finden sie gut."

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