Am letzten Arbeitstag von Gerhard Kleiner (rechts) durfte Oberbürgermeister Klaus Konzelmann den scheidenden Leiter des Rechnungsprüfungsamtes ganz arglos beschenken – und nutzte die einmalige Gelegenheit.Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Abschied: Albstadt verabschiedet dankbar den Leiter seines Rechnungsprüfungsamtes

An seinem letzten Arbeitstag wollte Gerhard Kleiner, Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, in die Annalen der Stadt Albstadt eingehen. Das ist ihm gelungen – auf unerwartete Weise.

Albstadt. "Wenigstens einmal in meinem Berufsleben etwas Positives zu erwähnen", dazu habe Oberbürgermeister Klaus Konzelmann ihn kürzlich aufgefordert, berichtete Gerhard Kleiner scherzhaft im Gemeinderat, der an seinem letzten Arbeitstag getagt hat. "Ich habe sofort die einmalige Gelegenheit erkannt, als erster oder vielleicht sogar einziger Rechnungsprüfer in die Annalen der Stadt Albstadt einzugehen", so Kleiner.

Wie? Indem er ein Lob aussprach – keine Lobhudele, wie der scheidende Leiter des Rechnungsprüfungsamtes versicherte, sondern ein Lob aus tiefster Überzeugung.

Es galt der Verwaltung, die leistungsfähig sei, qualitativ gute Arbeit abliefere und zudem leidensfähig sei, denn sie sei an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Kleiner wollte die Stadträte deshalb "eindringlich davor warnen", den Ausgang aus coronabedingt einbrechenden Finanzen in den Personalkosten zu suchen. "Das städtische Personal ist Ihr Kapital" und sollte nicht ausgenutzt oder gar ausgeblutet werden. Aus seiner Ansicht, dass das Land diesen Fehler begehe, machte Kleiner kein Hehl: "Plötzlich sollen 3000 Stellen abgebaut werden." Ob das Land deren Inhaber "ohne eigene Aufgaben auf Vorrat eingestellt" habe oder ihnen "einfach nur einen Sitzplatz anbieten" wollte, "damit sie nicht herumstehen müssen?" Für Kleiner eine rhetorische Frage. Er erwartet, dass die Aufgaben nun nach unten delegiert werden – "natürlich gegen Kostenersatz, der üblicherweise nach kurzer Zeit in Vergessenheit gerät".

Dass er selbst lange bleiben werde, konnte sich Gerhard Kleiner 1986, da er bei der Stadt Albstadt anfing, nicht vorstellen, sei der Schritt von einer kleinen Gemeinde, deren Gemeinderat über "den Kauf meiner Rechenmaschine im Wert von 100 D-Mark" abstimmen musste, zu einer Stadt, die damals für 100 000 D-Mark zuständig war, ein "Kulturschock" gewesen.

Als Rechnungsprüfer hätte er "ohne Rücksicht auf Verluste unbedingt Fehler entdecken" können, um sich zu profilieren. Sachlich, beratend und lösungsorientiert zu arbeiten, sei für ihn wie für die Verwaltung jedoch besser gewesen, betonte Kleiner. In seine Arbeit habe sich die Verwaltungsspitze nie eingemischt und so gut wie keine Korrekturen in seinen Schlussberichten gewünscht, betonte der Amtsleiter, der ausschließlich dem Gemeinderat verpflichtet und dem Oberbürgermeister nicht weisungsgebunden ist.

Seinem Nachfolger Frank Märkle wünschte Gerhard Kleiner, "dass er in manche Entscheidungsprozesse früher eingebunden wird", und dankte seinen Mitarbeitern Beate Mengis, Anna Heinzelmann, Christian Mattes, Theo Schreiber und der früheren Mitarbeiterin Renate Schiebel für ihre Loyalität und ihren Einsatz, aber auch den Stadträten, die sein Amt nie zur Durchsetzung eigener politischer Ziele benutzen wollten.

Die gaben das Lob zurück, und Freie-Wähler-Fraktionschefin Manuela Heider signalisierte Kleiner, dass seine Hinweise angekommen seien. "Gerade im Bauamt ist kein weiterer Personalabbau möglich", sagte sie. "Bund und Land werden sich die Kosten für die Corona-Hilfspakete zurückholen", befürchtet sie. Und Erhöhungen auf der Ertragsseite seien unumgänglich, pflichtete sie Kleiner bei – nicht ohne den Hinweis auf den überfraktionellen Versuch, den Gewerbesteuerhebesatz zu erhöhen, der an CDU und WSA gescheitert war.

Kiefer: "Den Fachmann darf gerne die CDU aussuchen"

Matthias Strähler (CDU) hielt mit seiner Bitte dagegen, genau hinzuschauen, "bevor sich die Kommunen an den Erhöhungsorgien beteiligen". Bürger seien "nicht die Melkkühe des Staates", sagte er und dankte Gerhard Kleiner für seine stets "inhaltvollen Berichte". Jürgen Kiefer (Bündnis ’90/Die Grünen), selbst Unternehmer, wünschte sich für die nächste Gewerbesteuerdebatte "einen Fachmann", der darüber referiere, "wie Gewerbesteuer berechnet wird und welche Auswirkungen sie hat". Denselben dürfe dann gerne die CDU aussuchen, "da sie sich ja da auskennt".

Klaus Konzelmann kam schließlich zurück zum Anlass der Debatte, ließ Gerhard Kleiners Karriere Revue passieren und würdigte ihn als "ehrlichen und offenen Mitarbeiter, der immer zu einem rechtlich sauberen Abschluss gekommen" sei, nie "stur eine Linie gefahren" habe und innerhalb geltenden Rechts auch mal kompromissbereit gewesen sei. Für seinen Einsatz dankte der Oberbürgermeister dem obersten Rechnungsprüfer mit einem kleinen Geschenkpaket, "das es in sich hat" – Spezialitäten der Region und Gutscheine für regionale Lokale steckten darin. Und diesmal ist es nicht mehr an Gerhard Kleiner, zu prüfen, ob der Preis dafür angemessen war.

Im Rathaus gibt es einen, der vom Steuerzahler bezahlt wird und doch der beste externe Mitarbeiter der Lokalzeitung ist: Gerhard Kleiner hieß er bis jetzt. Nun geht der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes in den Ruhestand, und den wenigsten Albstädtern dürfte bewusst sein, wie viel er für sie getan hat. Der Rechnungsprüfer ist weder weisungsgebunden noch rechenschaftspflichtig gegenüber der Verwaltungsspitze, kennt im Rathaus jedes Amt, darf in alle Akten und Bücher schauen, öffentlich Fehler kritisieren und Versäumnisse aufzeigen. Damit ist Gerhard Kleiner – unfreiwillig, aber effektiv – zum Unterstützer des aufklärenden Journalismus geworden. Viel Geld hat er den Albstädtern dadurch erspart, dass er genau hingeschaut und – so verstand Kleiner sein Amt – zur Verbesserung konstruktiv beigetragen hat. Chapeau! Und danke für die Vorarbeit!

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