Blumen legten die Teilnehmer am Gedenkstein für die Zwangsarbeiter auf dem Friedhof nieder.Foto: Rapthel Foto: Schwarzwälder Bote

Kriegsende: Albstädter gedenken der 164 Zwangsarbeiter auf dem Friedhof Ebingen

Albstadt-Ebingen. Der in Ebingen verstorbenen Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion haben zwei Dutzend Albstädter, darunter die Gemeinderätin des kommunalpolitischen Bündnisses Z.U.G., Elke Rapthel, Renate Schmidt, Direktkandidatin für die Bundestagswahl im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen für die Internationalistische Liste/MLPD, und Vertreterinnen des Frauenverbandes Courage am Jahrestag des Kriegsendes gedacht.

Mehr als 1600 Zwangsarbeiter waren in den Jahren 1942 bis 1945 nach Ebingen deportiert worden und mussten in mehreren Firmen Zwangsarbeit leisten – unter oft erbärmlichen Bedingungen, die zu Hunger, Krankheit und zum Tode führten. Auf dem Ebinger Friedhof liegen 164 von ihnen begraben.

Die Steine der Gräber und der Gedenkstein mit der Übersetzung: "Hier sind 158 sowjetische Zwangsarbeiter begraben. Sie wurden von den Faschisten/den Nationalsozialisten getötet. Die hier Lebenden vergessen die Ruhenden nicht. Im Jahr 1950", sollen laut Stadtverwaltung noch dieses Jahr saniert werden, was die Teilnehmer sehr begrüßten.

Am 8. Mai 1945 hatte der Zweite Weltkrieg in Europa geendet, das Deutsche Reich vor den Alliierten – den USA, England und der Sowjetunion – kapituliert. Renate Schmidt ging auf den Begriff "Nationalsozialismus" ein, der in seiner Begrifflichkeit "betrügt", wie sie meint, "denn das Wesen des Sozialismus ist ja gerade der Internationalismus, die Losung ›Proletarier aller Länder vereinigt euch!‹, also das Gegenteil von Nationalismus." Um sein tatsächliches Wesen zu tarnen, habe sich der Faschismus "antikapitalistischer Phrasen" bedient, "die nur zur Täuschung der Massen bestimmt waren", so Renate Schmidt. Ihr Fazit für heute: "Antikommunismus, Faschismus, Rassismus und Antisemitismus gemeinsam bekämpfen."

Elke Rapthel bot im Namen von Z.U.G. eine Patenschaft zusammen mit Ebinger Schülern und Jugendlichen an, um künftig die Bepflanzung des Gräberfeldes und Führungen zu organisieren, damit der Zwangsarbeiter würdig gedacht werden könne. Der Beitrag des Frauenverbandes Courage, vorgetragen von Christine Klauth und einer weiteren Teilnehmerin, machte besonders auf frauenunterdrückende und ausbeutende Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam. Der Frauenverband Courage setze sich heute für die Verbesserung und Veränderung der individuellen und gesellschaftlichen Verhältnisse ein – besonders dort, wo rechte und faschistische Kräfte versuchten, wieder gesellschaftlichen Einfluss zu bekommen. Sie warben für einen überparteilichen Zusammenschluss.

Der frühere Stadtarchivar, Peter Thaddäus Lang, der über die Situation der Zwangsarbeiter in Ebingen mehrere Publikationen veröffentlicht hat und aus persönlichen Gründen nicht dabei sein konnte, schickte ein Grußwort, in dem er sich freute, dass dieses Gedenken stattfand, ebenso wie eine frühere Geschichtslehrerin aus Balingen.

Christiane Kasprik erinnerte an Willi Dickhut (1904 bis 1992), der sich auch im KZ nicht habe unterkriegen lassen, zeitlebens im Kampf gegen den Faschismus und für den Sozialismus tätig gewesen und damit ein Vorbild für die Jugend sei. Der 8. Mai ist sein Todestag.

Das Gedicht von Bertolt Brecht "Gedächtnis der Menschheit", der Vortrag des "Schwurs von Buchenwald", das Lied "Wir sind die Moorsoldaten" und andere Melodien waren weitere Bestandteile der würdigen Gedenkfeier. Am Schluss legten die Teilnehmer ein Blumengesteck und viele Blumen am Gedenkstein nieder – und waren sich einig, dass diese Gedenkfeier Tradition werden sollte.

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