Lautlingen und Endingen müssen "aus allen Rohren schießen". Diskussion des Autoclubs Europa.
Albstadt-Tailfingen - "Unterstützen Sie die Verkehrspolitiker – egal welcher Partei", appellierte ein solcher: Hans-Martin Haller machte bei der Podiumsdiskussion des Autoclubs Europa deutlich, wie dick die Bretter sind, die er bohren muss.Gewaltige Zahlen sind es, die Haller, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, bei der Podiumsdiskussion des Autoclubs Europa (ACE) am Montag in der IHK-Akademie nannte: 900 Millionen Euro werden in Baden-Württemberg gebraucht, um begonnene Bundesfernstraßen-Projekte abzuschließen, weitere 1,5 Milliarden Euro für Projekte, die Baurecht haben, und 2,2 Milliarden Euro für Projekte im Vordringlichen Bedarf. Ein Fass ohne Boden?
Das kann Haller nicht leugnen und kritisiert, dass – anders als in der Schweiz – in Deutschland nur 30 Millarden Euro jährlich in den Verkehr zurückfließen, obwohl 53 Milliarden durch Mineralöl- und Kfz-Steuer eingenommen würden. Zwei, die besonders unter den langen Warte- und Planungszeiten leiden, meldeten sich in Tailfingen zu Wort: Juliane Gärtner, Ortsvorsteherin von Lautlingen, und Gerd Ulrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative Ortsumfahrung Endingen-Erzingen, warten auf die Entlastung der Anwohner. "Es ist nicht mehr auszuhalten", sagt Gärtner. "Da muss etwas passieren, bevor etwas passiert." Hallers Rat: "Aus allen Rohren schießen." Das Problem sei, dass das Land nur plane und auf Geld vom Bund warten müsse, dass der Verkehrsminister erst begonnene Baustellen abschließen müsse, bevor er neue aufmache, und dass das Land die Planung nicht vorfinanzieren könne: "Lautlingens und Endingens gibt es viele im Land." Den Beamten sei kein Vorwurf zu machen. "Die müssen alles sauber abarbeiten – Stichwort: Juchtenkäfer und Ochsenfrosch." Für Ausgleichsmaßnahmen gehe ein Drittel der Kosten drauf.
Die Vorplanung für die Ortsumfahrung Lautlingen liege seit Sommer 2011 in Berlin und nichts bewege sich, bestätigt der neue Baubürgermeister Udo Hollauer. Vielleicht komme im Sommer der Sichtvermerk, dann folgten weitere drei bis vier Jahre für die Planfeststellung. Und dass niemand gegen die Planung klage, komme selten vor, sagt Haller.
"In Endingen gibt es keine Aussicht, dass etwas geht." Der SPD-Politiker betont: "Dieser Teil der B 27 ist am schlechtesten dran." Dasselbe gelte für Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich: Das Haupt-Transitland und einer der Haupt-Zahler müsse zuschauen, wie andere kassierten. Gerd Ulrich ist unzufrieden mit Verkehrsminister Winfried Hermann: "Für 2011 hat er gar keinen Geldbedarf angemeldet. Für Endingen gibt es laut Regierungspräsidium keine Planungen mehr."
Gastgeber Walter Happle, Kreisvorsitzender des ACE, fügt hinzu: "Straße und Schiene in unserer Region werden verkehrspolitisch immer mehr zur Seite gedrängt. Gerd Ulrich bestätigt, die Endinger warteten schon 50 Jahre auf die Ortsumfahrung. Und Juliane Gärtner mahnt: "Es muss etwas passieren, bevor etwas passiert."