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Albstadt Fogl: Kirche ist mehr als Gottesdienst

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Das Nötigste ist drin in den Lebensmittelpaketen. Foto: Schwarzwälder Bote

Den Ärmsten in Indien und Brasilien helfen, die Menschen in Not zu Hause dabei aber nicht vergessen: Die katholische Seelsorgeeinheit Talgang lebt den Eine-Welt-Gedanken – und ihr neuer Leiter will ihn weiter tragen.

Albstadt-Tailfingen. Gäbe es kein neuartiges Coronavirus, dann hätte die katholische Seelsorgeeinheit Talgang dieser Tage ihren Herbstbazar gefeiert. Dass er ausfällt, trifft die Menschen in Indien und Brasilien, die mit dem Erlös unterstützt werden, doppelt. Denn unter der Pandemie leiden sie ohnehin besonders stark.

Schwester Theresina Fehrenbacher von der Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen schreibt aus Belo Jardim im Nordosten Brasiliens, dass viele ihre Arbeit verloren hätten, die Regierung die Beihilfe für kinderreiche Familien gekürzt habe und die Preise für Grundnahrungsmittel fast auf das Doppelte gestiegen seien. Der Grund: erhöhte Steuern. Die Beihilfe, welche die Regierung für eine paar Monate gezahlt habe, bezahle das Volk jetzt zurück – "vor allem die Armen".

Pfarrer Marreddy, der im südindischen Andhra Pradesh für die Zukunftsperspektive von Kindern mit und ohne Behinderung kämpft, berichtet von mangelhafter medizinischer Versorgung, die zur Arbeitslosigkeit noch hinzu komme. Krankenversicherung? Gibt es dort nicht. "Deshalb ist Hunger eine der Folgen der Pandemie." Schulen und Internate, darunter jene, die Marredy mit Hilfe aus Tailfingen aufgebaut hat und betreibt, seien noch geschlossen, was vor allem Familien von Kindern mit Behinderung sehr treffe.

Mit Lebensmittelpaketen helfen Schwester Theresina und Father Marredy den Menschen so gut sie können über die größte Not, setzen unter den erschwerten Bedingungen aber vor allem ihre nachhaltige Hilfe fort. Etwa für Rafael, der nach einer Hirnblutung im ersten Studiensemester eine besondere Therapie braucht, um irgendwann wieder selbstständig leben zu können, oder für eine aidskranke, taubstumme und alleinstehende Mutter von drei kleinen Kindern und eine Frau, deren Mann ermordet wurde, als sie mit dem zweiten Kind schwanger war.

Kleine, wetterfeste Häuschen zu bauen, ist einer der Wege, mit denen Schwester Theresina und Father Marredy helfen – in Indien den Familien der untersten Kaste.

Hilfe zur Selbsthilfe – das ist das Ziel

Ziel beider Projekte sei es, dass die Menschen, die Hilfe erfahren, dadurch autonom werden, betonen Pfarrer Hans-Joachim Fogl, der bereits als Leiter der deutschsprachigen Gemeinde in Singapur Sozialprojekte in Indien vorangebracht hat, und sein Pastoralreferent Michael Holl, der 2018 Father Marredys Behinderteneinrichtungen besucht hat.

Ein "guter Teil" des Geldes, das Marredy und Schwester Theresina brauchten, komme aus Tailfingen, werde gerade jetzt dringend benötigt, und deshalb ist es beiden ein echtes Herzensanliegen, die Hilfe nicht abreißen zu lassen – obwohl der Herbstbazar 2020 und damit sein Erlös ausfallen. Mit kleineren Aktionen will die katholische Kirchengemeinde trotzdem Spenden sammeln: Angefangen vom Verkauf süßer Leckereien und selbstgestrickter Teile über einen Second-Hand-Kleidermarkt im Café Que Vivas, den Kirchengemeinderätin Victorina Vivas organisiert, bis hin zu Benefizkonzerten. Beim Frauenfrühstück hat Michael Holl erst kürzlich von seiner Reise berichtet und für Unterstützung geworben.

Der franziskanische Geist soll auch daheim wirken

Dankbar sind Fogl und Holl dafür, zu wissen, "dass jede Spende direkt ankommt – ohne Verwaltungsgebühren – und dass vor Ort das getan wird, was nötig ist". Um Kontinuität zu gewährleisten, wirbt die Kirchengemeinde auch für Patenschaften, die sie gerne vermittelt. "Im Bewusstsein, dass wir haben, was die nicht haben", betont Fogl ausdrücklich, und Holl fügt hinzu, was der Lohn für die Hilfe sei: "Viele strahlende Gesichter", zum Beispiel in den Schulen für Gehörlose, für die Father Marredys Bruder selbst Lehrpläne geschrieben hat – so gute, dass der Staat sie übernommen habe.

Ein weiterer Aspekt gehört für Hans-Joachim Fogl freilich ausdrücklich dazu: die "Caritas" in der eigenen Gemeinde. Seit gut 100 Tagen leitet er die Seelsorgeeinheit Talgang und will nach der Fusion der Gemeinden St. Elisabeth – jetzt Patronatskirche – und St. Franziskus mit seinem enger zusammengewachsenen Team in Albstadt versuchen, was ihm schon in Südostasien an mehreren Orten gelungen war: kontinuierliche Hilfe etablieren.

"Vor allem Ideen und ein ordentliches Konzept" brauche es dafür, betont Fogl. "Da muss Bewusstseinsbildung stattfinden" – dafür, dass Kirche eben mehr sei als Gottesdienst. Den "Franziskanischen Geist", der die Heilige Elisabeth, den Heiligen Franziskus und den Heiligen Antonius – Patron des Truchtelfinger Gemeindezentrums – vereine, will der 59-Jährige an seiner neuen Wirkungsstätte zu den Menschen bringen und kann sich gut vorstellen, auch vor Ort ein dauerhaftes soziales Projekt zu etablieren. Denn beim nächsten Herbstbazar 2021 soll der Erlös – bisher immer rund 12 500 Euro – wieder geteilt werden: unter den Projekten in Brasilien, in Indien – und im Talgang.

Weitere Informationen: https://se-talgang.drs.de

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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