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Albstadt Flucht gab es auch vor 2000 Jahren

Von

Von Sabine Miller

Mit einem musikalischen Gottesdienst ist in der Friedenskirche das Erscheinungsfest gefeiert worden. Die Liturgie hielt Pfarrerin Sibylle Biermann-Rau, Brigitte Wendeberg und ihre "Femmes vocales" sangen, Andreas Kind spielte Orgel, Jonathan Dörrer Schlagwerk.

Albstadt-Ebingen. Auf dem Programm standen diesmal vor allem Werke zeitgenössischer Komponisten, im Mittelpunkt die Aufführung des annähernd 15-minütigen Weihnachtsspiels "Wo ist der neugeborene König der Juden?" der Komponistin Felicitas Kukuck. Die 2001 verstorbene Hamburgerin hat im Lauf von über sechs Jahrzehnten ein reiches, dem Neoklassizismus verpflichtetes Werk geistlicher und weltlicher Vokalmusik geschaffen, aus dem Einflüsse ihres Lehrers Paul Hindemith zwar herauszulesen sind, das aber gleichwohl ihre ganz eigene, unverwechselbare Handschrift trägt.

Die Kraft der Klangstrukturen wird voll ausgeschöpft

Den Sängerinnen in der Friedenskirche gelang es, die Kraft der klaren, schlicht geformten, aber dennoch feinnervigen Klangstrukturen auszuschöpfen und in die Texte, die bei Felicitas Kukuck stets eine bedeutende Rolle spielen, einfließen zu lassen.

Andreas Kind und Jonathan Dörrer nutzen die gestalterischen Möglichkeiten des mit Klavier, Trommel und Xylophon reduziert gehaltenen Instrumentariums und riefen zusammen mit dem Chor eine Stimmung unter den Zuhörern hervor, die in den lichten Tongefilden sowie in den dunkleren Partien unter die Haut ging.

Kukucks Komposition bezieht sich inhaltlich auf das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums, erzählt aber nicht nur von den drei Weisen aus dem Morgenland, sondern auch vom Kindermord und der Flucht nach Ägypten. Dennoch endet sie mit dem hoffnungsfrohen Satz "Eure Tränen sollen verwandelt werden in einen Reigen" – Flucht und Vertreibung sind Themen der Gegenwart und der Vergangenheit.

Das Leben der Komponistin selbst war geprägt vom Leiden unter der Diktatur und der Verfolgung: Felicitas Kukuck, eine geborene Cohnheim, galt im Dritten Reich als "Vierteljüdin" und entging nur dank der Heirat mit Dietrich Kukuck der nationalsozialistischen Mordmaschinerie.

Auch der Dichter und Historiker Jan Willem Schulte Nordholt war ein Opfer der nationalsozialistischen Tyrannei; während des Zweiten Weltkrieges, als Hitlers Wehrmacht seine niederländische Heimat besetzt hielt, saß er wegen "deutschfeindlicher Betätigung" im Gefängnis. In seiner von den "Femmes vocales" vorgetragenen Tonschöpfung "Das Volk, das noch im Finstern wandelt" entwirft er die Friedensvision einer in Gott geeinten Menschheit. Die Motette "Uns ist ein Kind geboren" des Spätromantikers Richard Bartmuss rundete das musikalische Programm des Gottesdienstes ab.

 Musikalische Abendgottesdienste in der Ebinger Friedenskirche wird es noch das ganze Jahre über geben. Der nächste ist für Sonntag, 6. März, vorgesehen und beginnt um 18 Uhr. Auch er wird von Pfarrerin Sibylle Biermann-Rau und Brigitte Wendeberg gestaltet, die bei dieser Gelegenheit zusammen mit dem Ebinger Kammerchor auftritt.

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51

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