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Albstadt Fledermäuse möchten ungestört sein

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Siegbert Haiber ist Höhlenwart des Onstmettinger Albvereins und kümmert sich um die Linkenboldshöhle. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Zwischen Oktober und Mai dürfen keine Besucher in die Linkenboldshöhle auf dem Onstmettinger Linkenbol. Die Fledermäuse, die dort ihr Winterquartier beziehen, brauchen dann ganz besonders Ruhe.

Albstadt-Onstmettingen. Sicheren Schrittes bewegt sich Siegbert Haiber durch die Dunkelheit. Der Lichtstrahl seiner Taschenlampe leuchtet ihm den Weg durch die 140 Meter lange Linkenboldshöhle. Die Kalksteinhöhle ist die größte im Zollernalbkreis und wird auf ein Alter um die fünf Millionen Jahre geschätzt. Im Sommer ist sie ein beliebtes Ausflugsziel; als Höhlenwart der Onstmettinger Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins leitet Haiber circa 40 Führungen im Jahr durch die Höhle – alle bei Dunkelheit. Erleuchtet wird die Felsengrotte nur zwei Mal im Jahr: An Christi Himmelfahrt und am Tag des Denkmals. Dann ist die Türe zur Höhle auch außerhalb von vereinbarten Führungen geöffnet.

Zwischen Oktober und Mai bleibt die schwere Eisentür jedoch dauerhaft verschlossen. Fledermäuse, die in Deutschland unter Naturschutz stehen, beziehen dann in der Linkenboldshöhle ihr Winterquartier und dürfen dann nicht von Menschenmassen gestört werden. In der Höhle herrschen im Sommer wie im Winter konstant fünf Grad Celsius. Jeweils zum Jahresende schauen der Höhlenwart und die Fledermausspezialisten Dietmar Nill und Jürgen Scheff nach den Tieren und halten den Bestand fest. In diesem Jahr zählten sie 22 Mausohr-Fledermäuse, dazu eine Langohr- und eine Bartohrfledermaus.

Der Bestand ist über die vergangenen Jahre stabil geblieben, obwohl Haiber weiß, dass sich noch einige Fledermäuse mehr in der Höhle verstecken müssten. Den Naturschützern ist es nicht möglich jede Spalte der Höhle mit Taschenlampen zu durchsuchen, zumal sie an manchen Stellen bis zu 15 Meter hoch ist. Die Fledermäuse verstecken sich ohnehin gut. Man muss schon genau hinschauen, um die schlafenden Säugetiere zu finden. Haiber entdeckt drei Mausohrfledermäuse, die eng aneinandergekuschelt kopfunter von einem Stein schlafen. Sie fahren im Winter ihren Stoffwechsel so weit runter, dass sie von ihren Fettreserven zehren können.

Der Ein- und Ausflug ist durch den alten Einstiegsschacht, der für Menschen dauerhaft verschlossen ist, möglich. Im März/April verlassen die nachtaktiven Tiere, die sich mittels Ultraschall in der Dunkelheit souverän bewegen können, die Höhle und ziehen den Sommer über ihre Jungen auf.

Das Alter der Höhle wird auf etwa fünf Millionen Jahre geschätzt, seit 1975 kümmert sich die Onstmettinger Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins um das steinerne Juwel. 1761 wurde die Höhle erstmals durch einen Oberamtmann aus Balingen erwähnt. 1823 wagte sich der Heimatforscher Gustav Schwab in die Tiefen der Höhle, denn lange Zeit wurde gemunkelt, dass der Teufel und Geister dort ihr Unwesen treiben. 1875 gründete sich eine Aktiengesellschaft, die sich fortan um die Höhle kümmerte, einen künstlichen Eingang baute und sie gegen Eintritt für Besucher öffnete. Zu Kriegsbeginn 1939 wurde die Linkenbolds AG aufgelöst; die Höhle fiel in die Hände der damals selbstständigen Gemeinde Onstmettingen. Von diesem Zeitpunkt an ging es bergab. Die schwere Eisentür wurde aufgebrochen und die Linkenboldshöhle war der Verwahrlosung ausgeliefert.

Müllverbrennung raubte dem Kalkstein seine weiße Farbe

Einst war die Linkenboldhöhle schneeweiß von Kalk. Heute schimmert das glitzernde Weiß nur noch an manchen Stellen hervor. Schwarzes Ruß und Dreck dominieren die Erscheinung des Höhleninneren. Haiber erklärt, dass die Höhle in den 50er- und 60er-Jahren furchtbar verdreckt und darin sogar Müll verbrannt wurde, weshalb sich ein schwarzer Schleier über die Kalkschichten legte.

Seit 1975 pflegt der Schwäbische Albverein das Bauwerk der Natur auf dem Linkenbol östlich von Onstmettingen. Seither ist die Höhle für ungebetenen Besuch verschlossen, auf Anfrage wird sie zwischen Mai und September für Führungen geöffnet. Im Winter blieb sie seither verschlossen.

Neben Fledermäusen fühlen sich noch weitere kleine Tiere in der Höhle heimisch: 1963 haben zwei Höhlenforscher in der Onsmettinger Höhle weiße Insekten entdeckt, die sonst nirgends zu finden waren: Campodeien, auch Doppelschwänze genannt, sind circa drei bis acht Millimeter lang und haben sowohl zwei Fühler als auch zwei Schwänze. Mittlerweile wurden sie auch in anderen Höhlen gesichtet.

Bis zum 1. Mai bleibt die schwere Türe zur Linkenboldhöhle noch fest verschlossen; eine Ausnahme stellt jährlich die Bestandszählung dar, die unter größter Rücksichtnahme auf die Tiere abgehalten werde, erklärt Haiber. Interessierte Gruppen, die im Frühjahr oder Sommer eine Führung durch die Linkenboldshöhle buchen möchten, können sich unter Telefon 0174/4 84 81 44 bei Siegbert Haiber melden und einen Termin vereinbaren.

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