Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Albstadt Erste "Irish Night" ist voller Erfolg

Von
Kultig mit Schiebermützen (von links): Udo Hollauer, Gerd Krug und David Butschek von "The Host". Foto: Eyrich

Albstadt-Onstmettingen - Das sprichwörtliche Glück der Iren war dem Kulturverein "Tal-Gang-Art" am Samstag bei der "Irish Night" in jeder Hinsicht hold. Nein, ein Problem gab’s dann doch. Aber nur ein winziges verglichen mit allem Anderen, was so richtig glücklich machte an diesem Abend.

"Ein Drittel ist wegen der Musik da, ein Drittel aus Verbundenheit zu uns und ein Drittel aus Wunderfitz", sagt Anette Ganter und strahlt über das ganze Gesicht, denn die drei Drittel von Gästen füllen die ehemalige Wohnhas-Fabrik so, dass die "Irish Night" des Vereins "Tal-Gang-Art" (TGA) richtig gut besucht, die Gebäudebrache aber nicht ungemütlich überfüllt ist. Das Glück der Iren ist TGA hold.

Karin Schmidtke stimmt das Publikum mit ihrer "Great Highland-Bagpipe" auf einen Abend mit hierzulande selten gespielter Musik ein. Pfiffig: Zwischen Klassiker wie "Highland Cathedral" schmuggelt sie auch Melodien wie den Pippi-Langstrumpf-Soundtrack, und das Publikum wärmt schon mal die Klatsch-Hände auf. Das scheint den Durst anzukurbeln: An der selbst gebauten Bar gehen Kilkenny und Guinness, Cider und Whiskey Ginger, aber auch Alb-Schorle und Cola en gros über die Theke. Dazu gibt’s belegte Brötchen: mit Backfisch und Erbsenpüree, mit Lachs und Kräutern, mit Würstchen, Gurken und Röstzwiebeln, mit Butterkäse und Gemüse – für die Süßen auch mit Sahnecreme und Marmelade. "Irish Scones" heißt das auf der Grünen Insel.

Der Rotschopf ist ein Süßer

Etwas Süßes gibt’s aber auch auf der Bühne: Shane ó Fear­ghail, ein typisch irischer Rotschopf aus Dublin, ist ein Hingucker, ebenso wie die Drei in seiner Band "The Host", die er aus seiner Wahlheimat Österreich mitgebracht hat: David Butschek an den angenehm gedämpften Percussion-Instrumenten, die zarte Emily Velasquez am dicken Bass und die aufgekratzt lebensfrohe Claudia Heidegger an Geige und Mandoline.

Shanes helle, klare Tenorstimme ist sanft, magisch, mystisch, zuweilen ein bisschen traurig. Seine Musik ist synchron zum Herzschlag der beseelt lauschenden Zuhörer, der Rhythmus überträgt sich auf das Publikum, das sofort mit einstimmt, etwa beim Song über ein kleines Mädchen, das Schokolade und Einhörner liebt: "I want to be elastic, wouldn’t that be fantastic?" Ja, sie ist fantastisch, die Mischung aus Stimmungen, die das spielfreudige Quartett kreiert. Melodische Songs wie "Push" und "Fearie Tree" verwandeln sich in Nullkommanix in Ohrwürmer, und beim bekannten Pub-Song "Whiskey in the Jar" singen alle lauthals mit. Im vollen Loft muss der Sänger immer wieder zum Handtuch greifen, so verausgabt er sich: "Holy Guacamole" – ruft er aus. "Wo ist der Winter, Albstadt?" Dann setzt er einen flehenden Blick auf und sagt mit herrlichem Akzent: "Ich brauche jetzt Stoßlüften!" Das sei ja ein genauso deutscher Begriff wie "Rettungsgasse". Die brauche man in Irland freilich nicht: "Wir gehen einfach immer mitten durch."

Für eine Rettungsgasse wäre vor der Bühne auch kein Platz, und nötig ist sie auch nicht: Die Feuerwehr wacht, das Rote Kreuz ist in Hab-Acht-Stellung und die Fans feiern friedlich, fröhlich, glücklich mit.

Vier Rabauken mit Herz und Humor

Wirklich friedlich sehen die vier Männer von "Rapalje" nicht aus, die als Headliner danach die Bühne betreten. "Rabauken" heißt ihr Name übersetzt, verrät Maceál, einer der keltischen Folk-Musiker aus dem niederländischen Groningen, die in karierten Röcken, mit offenen Hemden, nackten Oberarmen und kräftigen Waden über die Bühne fegen. Dass sie auch schon Straßenmusik gemacht haben, ist ihrer Show anzumerken: Sie sind in Bewegung, spielen sich die Bälle zu und freuen sich am Publikum, in das sich zahlreiche Männer in Quilts und irischem Outfit gemischt haben. "Upskirting", das Fotografieren unter dem Rock, wäre beim männlichen Teil des Publikums in dieser irischen Nacht deutlich interessanter als beim weiblichen. "Was wir gelernt haben als Niederländer, die auf der ganzen Welt waren: Es gibt keine Fremden, es gibt keine Ausländer, keine Illegalen – es gibt nur Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat", ruft Maceál aus, und gemeinsam stimmen er, Dieb, William und David den passenden Song an mit der Zeile "I’ll always be Your friend" – ich werde immer Dein Freund sein.

Das Liebeslied der Mannsbilder

Instrumental unglaublich vielseitig besetzt, sind die Songs der vier längst nicht alle so wild, wie die Mannsbilder wirken: "Caledonia" etwa, ein Liebeslied an Schottland, ist der perfekte Lagerfeuersong. Die kräftigen, herrlichen Stimmen der Vier, Instrumente wie der Besenstil mit Schnur, der zum Bass wird, und die Trommel, bespannt mit Leder, das von der kräftigen Hand Williams zeugt, Geige, Quetschkommode, Mandoline, Davids Dudelsack und die Flöten, mit denen er zaubert, arbeiten die Farben jedes Stücks perfekt heraus. Manche passen zum Trinkgelage, andere lassen bevorstehende Schwertkämpfe befürchten, ein paar klingen nach dem einsamen Hirten. Irland live im Wohnhas-Gebäude.

Am Ende fliegen Luftballons wie bei einem Kindergeburtstag. Wie der Humor überhaupt eine wichtige Rolle spielt beim Auftritt von "Rapalje", die sich ebenso als Glücksgriff erwiesen haben an diesem außergewöhnlichen Abend wie "Shane ó Fearghail and the Host", und entsprechend strahlen das Vorstands-Trio Stefan Baumann und seine Stellvertreter Anette Ganter, die ausgelassen tanzt, und Udo Hollauer, der mit Weste und Schiebermütze auch das passende Outfit trägt. Nur das Kilkenny war viel zu früh ausverkauft. Das ist aber auch wirklich der einzige Wermutstropfen in dieser irischen Nacht.

Fotostrecke
Artikel bewerten
5
loading

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.