Vor 40 Jahren wurde das evangelische Gemeindehaus Spitalhof eingeweiht / Sogar Pfarrer Sommerauer war zu Gast

Albstadt-Ebingen. Eines der wichtigsten öffentlichen Gebäude Ebingens kommt ins Schwabenalter: Vor 40 Jahren, am 19. und 20. Oktober 1974, wurde im Spitalhof das neue evangelische Gemeindehaus eingeweiht

Seit längerem hatte Ebingens evangelische Kirchengemeinde sich mit einem Provisorium beholfen – sie hauste zur Miete im Neuen Vereinshaus im Kirchengraben, der heutigen Städtischen Galerie. Das Haus gehörte dem Evangelischen Verein; die Gemeinde hatte es kaufen und ausbauen wollen, aber diese Pläne führten zu keinem befriedigenden Ergebnis. Auch der "B-Plan" – so hieß das allerdings damals noch nicht – zerschlug sich: Man hatte vorsorglich ein Grundstück in der Poststraße erworben, doch die Lage an der Durchgangsstraße und die Nähe zur Bahnlinie erschienen nicht allzu verlockend.

Farrenstall wurde Opfer der Abrissbirne

Eine andere Lösung musste her: 1967 war der ehemalige Farrenstall im Spitalhof zu haben; die Kirchengemeinde fackelte nicht lange und kaufte der Stadt das Gebäude für 230 000 Euro ab. Im Herbst des Jahres ging der Kirchengemeinderat auf Reisen, besichtigte in Reutlingen, Urach, Göppingen und Fellbach neue Gemeindehäuser und beschloss im Januar 1968 das Raumprogramm. Danach wurde ausdauernd mit dem Oberkirchenrat in Stuttgart verhandelt, dessen Zustimmung man brauchte, und im September 1969 wurden bei zwei Ebinger Architekten Vorentwürfe in Auftrag gegeben. Einen dritten steuerte das Stuttgarter Architekturbüro Artur Mohl bei, das Erfahrung mit dem Bau von Gemeindehäusern hatte und auf nachdrücklichen Wunsch der Kirchenleitung in Stuttgart hinzugezogen worden war.

Die Gutachter favorisierten Mohl. Der Entwurf passierte 1971 den Kirchengemeinderat; im Januar 1972 bewilligte die Stadt Albstadt das Baugesuch, im Mai wurde der Farrenstall abgebrochen und am 14. Juli 1972 in Gegenwart vieler Ebinger der Grundstein fürs neue Haus gelegt. Die Kapsel enthielt eine Urkunde mit dem Christuswort aus Matthäus 18,20 "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen". Zehn Monate später, am 18. Mai 1973, wurde Richtfest gefeiert.

Die Kirchenpflege hatte unterdessen Finanzierungs-pläne aufgestellt. Die Gesamtkosten betrugen 2,3 Millionen Mark; der Kirchenbezirk und die Landeskirche übernahmen davon 1,3 Millionen Mark. Die Stadt Ebingen spendierte 100 000 Mark, und die Kirchengemeinde steuerte350 000 Mark bei, die aus aus Rücklagen, dem Opferstock und Spendeneinnahmen kamen. Blieben 550 000 Mark – so hoch war der Kredit, den die Gemeinde aufnahm.

Ein Jahr später war das Werk vollbracht. Am Abend des 19. Oktober 1974 übergab der Architekt auf dem Vorplatz des Neubaus die symbolischen Schlüssel, und dann wurde im Großen Saal gefeiert – das Kammerorchester Witzenbacher sorgte für den musikalischen Rahmen. Im Festgottesdienst in der Martinskirche predigte anderntags der Reutlinger Prälat Pfeiffer; danach war im Spitalhof Tag der offenen Tür. Den Schlusspunkt der Feierlichkeiten setzte ein Chorkonzert der Martinskantorei. In der anschließenden "Einweihungswoche" hatte das neue Gemeindehaus prominente Gäste: den Oberkirchenrat und späteren Landesbischof Theo Sorg, Rundfunkpfarrer Johannes Kuhn, den Landesbischof i. R. Martin Haug und sogar Fernsehpfarrer Adolf Sommerauer. Zum Ausklang konzertierte das Ebinger Kammerorchester, und die Synode des Kirchenbezirks Balingen tagte in Ebingen.

Noch rund zehn Jahre musste auf Basaren, Gemeindefesten und Bücherflohmärkten Geld fürs Gemeindehaus gesammelt werden; dann war das letzte Darlehen getilgt. Seither haben viele Vorträge, Versammlungen und Feste im Gemeindehaus Spitalhof stattgefunden – und das Raumprogramm hat sich geändert: Der einst so großzügig geplante Jugendbereich beherbergt heute Kirchenpflege und Kirchenregisteramt; in den früheren Räumen der Kirchenpflege ist die Kirchliche Sozialstation zu Hause. Auch die Kirche wird älter.

Des 40-jährigen Bestehen des Gemeindehauses Spitalhof wird am Samstag, 8. November, mit einem Klavierkonzert im Großen Saal gefeiert. Das "Duo Impuls" aus Stuttgart spielt unter dem auf dem neu angeschafften Boston-Flügel; im Mittelpunkt des Programms mit dem Titel "Seelenwanderung" steht die Fantasie in f-Moll von Franz Schubert. Danach lädt die Martinskirchengemeinde zu einem Stehempfang ein.