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Albstadt "Drum G’meinderat, öffne die Taschen!"

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Heide-Rose und Wilfried Hauser – das Bild zeigt sie bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2019 an Heide-Rose Hauser – haben eine vielsagende Postkarte entdeckt. Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

"Was tut man während der coronabedingten Kontaktsperre? Man gruschtelt so vor sich hin", sagt Heide-Rose Hauser und schmunzelt. Beim Sortieren alter Fotos haben sie und ihr Mann Wilfried etwas Ungewöhnliches gefunden.

Albstadt-Ebingen (key). Eine alte Postkarte, auf der das "Demonstrationslied für das Hallenschwimmbad in Ebingen" abgedruckt ist, ist Heide-Rose und Wilfried Hauser beim Stöbern in alten Fotos in die Hände gefallen. Gesungen wurde es – Text und Versmaß lassen darauf schließen – offenbar nach der Melodie des Loreley-Liedes: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so dreckig bin", beginnt das Lied. "Mir schwebt schon seit uralten Zeiten ein Schwimmbad herum in dem Sinn. Der Geist ist bei vielen verdunkelt, auch steht der Verstand manchem still. Und auch vom Gemeinderat munkelt man, dass er nicht helfen will."

"Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar", geht es in der zweiten Strophe weiter. "Ihr hatte das Schwimmbad genützet, das ist doch sonnenklar! Nun ist sie so sauber gewaschen, im Schwimmbad nur konnte sie es! Drum G’meinderat, öffne die Taschen. Bezahle den ganzen Käs!"

Ebenso humorvoll geht es in der dritten und letzten Strophe weiter: "Wir dreckigen Leute wir schauen zur Jungfrau hinauf in die Höh. Und alle die Männer und Frauen ergreifet ein neidvolles Weh! Drum helft, dass der Dreck kann verschwinden, die Reinlichkeit breche sich Bahn! Gemeinderat hab ein Empfinden, schaff baldigst ein Schwimmbad uns an!"

Gesungen werden sollte das Lied – so ist es auf der Postkarte vermerkt – bei einem Kostümfest am 22. Februar 1925 in der Turnhalle, also zur Fasnetszeit, in der es bekanntlich zum Programm gehört, wider den Stachel zu löcken und gegen die Obrigkeit aufzubegehren. Außerdem – auch das geht aus dem Druck hervor – war die Postkarte auch ein Geldbringer: "Der Erlös aus diesen Postkarten ist zu Gunsten des Hallenschwimmbades bestimmt", steht unter dem Lied. Wer dessen Text verfasst hat? Das verrät die Postkarte nicht. Nur ein "r." ist am Ende vermerkt.

"Schon interessant, was sich die Leute früher einfallen ließen", kommentiert Heide-Rose Hauser ihren Fund, "und dass es noch über 25 Jahre dauerte, bis wir ein Hallenbad bekamen." Genau genommen hat es sogar noch länger gedauert. In seinem Buch "Ebingen. Die Geschichte einer württembergischen Stadt" berichtet Walter Stettner ausführlich über den Bau. 1952 sei die Planung für ein Hallenschwimmbad in Gang gekommen, heißt es dort. Zwar habe die Mehrzahl der Stadträte zunächst gezögert, das Geld auszugeben "angesichts so vieler dringlicher Aufgaben" in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Rasch hätten sie sich aber anders besonnen, "als es Proteste von Seiten der Bürgerschaft hagelte": Schon bei der folgenden Sitzung habe der Gemeinderat das Vorhaben gebilligt – einstimmig.

Oberbaurat Hübinger aus Konstanz habe die Stadt beraten bei der Planung, die neben einer "sportgerechten Schwimmhalle auch Wannen- und Brausebäder" vorsah. Später sei noch eine Sauna hinzu gekommen. "Die Stadtverwaltung wollte mit dem Bad nicht nur eine Sportstätte, sondern ein der Volksgesundheit dienendes Volksbad schaffen."

Der Bauplatz auf einem städtischen Gelände neben der Grüngrabenstraße habe sich durch seine zentrale Lage und die Nähe der Schulen besonders empfohlen, so Stettner weiter. Im Dezember 1956 schließlich sei das Bad eingeweiht worden, "zu dessen Verwirklichung die Firma Groz-Beckert anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums einen wesentlichen Beitrag leistete", wie es heißt. Walther Groz war damals nicht nur Firmenchef, sondern auch Oberbürgermeister von Ebingen.

Stettner berichtet außerdem von einem starken Zulauf in den ersten Jahren nach der Eröffnung, und auch von vielen Fremden sei der Bau besichtigt worden.

Architekt des Gebäudes war Peter Seifert, der der Schwimmhalle ihre besondere ovale Form gegeben hat. Eine weitere Besonderheit sind die Mosaike – sowohl innen als auch außen, wo bunte Fische und Vögel die Fassade verzieren. Der Anbau, in dem sich heute die Mediathek des Landkreises befindet, war zunächst für die Stadtbücherei reserviert, und auch das Albaquarium ist erst später im Souterrain eingezogen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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