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Albstadt Die Zither signalisiert es: Unheil dräut! Nichts für Kinder!

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Jeder einzelnen Handpuppe verpassen die Akteurinnen von "Ewelhimo" das Gesicht, das genau zu ihrer Rolle passt. Foto: Schwarzwälder Bote

Albstadt-Ebingen. Puppentheater am Freitagabend? – der übliche Kindertermin des Kräuterkastens ist doch eigentlich der Samstagnachmittag! Doch nein, mit der Terminierung des Gastspiels der Handpuppengruppe "Ewelhimo" hatte alles seine Richtigkeit – "Sabberlodd", "Alle Leute tragen Kleider" und "Emilie & Berta", die drei selbstverfassten Theaterstücke für Erwachsene, die derzeit auf dem Spielplan von "Ewelhimo" stehen, sind alle für Erwachsene bestimmt, und das aus gutem Grund: Schon das auf der Zither gespielte musikalische Leitmotiv erinnert fatal an den Orson-Welles-Film "Der Dritte Mann" – ganz offensichtlich dräut hier Unheil.

Was für eines? Die Textilfabrik "Bitzer zur Hose" ist abgebrannt, alles sieht nach Brandstiftung aus, und so macht sich Hauptkommissar Dagolfinger ans Werk, sprich mit der Lupe auf die Suche nach dem Übeltäter. Es gibt genügend Verdächtige: Nachbarn, Angestellte, der Eigentümer, der nur durch Heirat zum Besitzer der Fabrik wurde. Wie im guten alten Kriminalfilm werden alle zum Ortstermin geladen. Doch dann die Überraschung: Die Laboruntersuchungen ergeben, dass das Feuer ausbrach, weil alte und neuartige Kleidungsstücke aufeinander gelagert wurden und so eine hoch explosive Mischung entstand.

Textilien sind das Thema der ersten beiden Stücke, wie geschaffen für Albstadt, auch wenn die Puppe Ewelhimo immer wieder scheinheilig verkündet, Ähnlichkeiten mit dem wirklichen Leben seien reiner Zufall. Etwa das Gejammer "Ich habe nichts anzuziehen" – es geht um den Umgang mit Kleidung, wie er früher war und heute ist, um Onlinebestellungen, um Ressourcenverschwendung in der Produktion und im Vertrieb, um ökologische und ökonomische Absurditäten.

Die Oma erinnert sich wehmütig an die alten Schlupfhosen, die sich beim Tragen jeder Form anpassten, ein Ökoexperte beweist, dass es umweltfreundlicher ist, ein Kleidungsstück nach einmaligem Tragen wegzuwerfen als es mit Seife zu waschen – spaßig, wenn man Sinn für das Groteske hat, doch zwischen den Akten erfährt man viel über die wahren Probleme wie Kinderarbeit, Energieverbrauch, Plastikmüll, und diese Informationen – alles sachlich und nüchtern vorgetragen.

Und dann haben Emilie und Berta ihren Auftritt Sie zeigen, wie man Geld sparen kann, indem man mit erregtem Wortschwall Freifahrkarten bei der Bahn einklagt, wie man kostenlos auswärts essen kann, wie man in der Parfümerie einen Sack voller Pröbchen ergattert, der für lange Zeit ausreicht. Gegen diese beiden sind selbst gewiefte Verkäufer machtlos.

Angst ums Inventar

Kleider machen Leute – und "Ewelhimo" stellt seine Puppen eigenhändig her. Jede Puppe ist ein Charakterkopf und für jede Rolle passend gekleidet; sie agiert wie ein wirklicher Menschen, legt den Kopf schief, hebt abwehrend die Hand und hastet über die Bühne, dass man Angst ums Inventar bekommt. Ein wahrhaft ungewöhnlicher Theaterabend.

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