Sanierung: Zum Planungsgebiet am Bahnhof ist ein weiteres an der Schmiechastraße hinzugekommen / Busbaltestellen raus?
Der Gemeinderat hat das Sanierungsgebiet "Umfeld Bahnhof Ebingen" festgelegt. Dieses ist im Vergleich zur ursprünglichen Planung gewachsen, und zwar um ein Gelände, das im Norden Ebingens zwischen Schmiecha und Schmiechastraße liegt.
Albstadt-Ebingen. Der Plan für ein Sanierungsgebiet "Umfeld Bahnhof Ebingen" war im Frühjahr im Zuge der "Vorbereitenden Untersuchungen" gereift. Die Stadt ist immer wieder auf der Suche nach Fördermöglichkeiten für die Reaktivierung von Gewerbebrachen, aber die sind begrenzt – eine unschuldige Frage, ob man nicht einmal so etwas bezuschusst bekommen könnte, war seinerzeit vom Wirtschaftsministerium mit der Anmerkung zurückgewiesen worden, eine "Lex Albstadt" sei nun mal nicht drin. Was dagegen drin ist: die Einbettung eines derartigen Reaktivierungsprojekts in eine herkömmliche Quartiersanierung.
Die Insel ist gar nicht so klein und insular
Genau das strebt die Stadt jetzt an: Das Maag-Areal – Fabrik, Lotos-Gebäude, Villa – liegt am südlichen Ende des zweiten, durchaus bahnhofsfern gelegenen Teilabschnitts des Sanierungsgebiets "Umfeld Bahnhof" – die städtischen Planer haben es "Insel" getauft, aber so klein und insular wirkt es nicht: Es erstreckt sich vom Parkplatz der Festhalle im Süden bis zur Christophstraße im Norden und wird von der Johannes-Mauthe-Straße in zwei etwa gleich große Abschnitt geteilt – der südliche mit Honeywell und der Maag-Brache ist der gewerbliche, nördlich schließt sich eine kleinteilige und ziemlich dichte Wohnbebebauung an.
Die Fördermöglichkeiten im Sanierungsgebiet sollen die Hauseigentümer dazu animieren, die Gebäude energetisch und baulich so weit wie möglich auf den Stand der Dinge zu bringen – und im Süden den der Maag-Immobilien zu Investitionen zu ermuntern. Die waren mal geplant, aber augenscheinlich liegen die Projekte spätestens seit Beginn der Coronavirus-Pandemie auf Eis. Der städtebauliche Ehrgeiz der Stadt hält sich auf der "Insel" erkennbar in Grenzen; allenfalls die Gottlob-Hummel-Straße, die man als Seiteneingang zur Innenstadt ansehen könnte, soll ein wenig aufgewertet werden.
Anders liegt der Fall beim eigentlichen Bahnhofsumfeld zwischen Post- und Gartenstraße. Mit 253 Einwohnern ist es zwar deutlich dünner besiedelt als die "Insel", auf der 380 Ebinger wohnen, aber aufgrund seiner Lage zwischen Bahnhof und Innenstadt kommt ihm die Funktion des repräsentativen Entree nicht nur zu Ebingen, sondern zu ganz Albstadt zu – eine Rolle, der es momentan nur ziemlich unzulänglich gerecht wird.
Hier will die Stadt Nägel mit Köpfen machen: Bahnhofsvorplatz und Bahnhofsstraße sollen neu gestaltet und verschönert werden. Sie sind das Erste, was der auswärtige Besucher zu Gesicht bekommt, und auch für Städte gilt die alte Personalerweisheit: Man bekommt niemals eine zweite Chance, einen ersten guten Eindruck zu machen.
Wie genau der gute Eindruck gelingen soll, ist allerdings noch völlig offen, und das hat seinen Grund: Es hängt davon ab, ob die Talgangbahn reaktiviert wird oder nicht. Im Sommer will der Zweckverband RegioStadtBahn seinen Kostenvoranschlag vorlegen, und dann sollte möglichst bald die Entscheidung darüber fallen, ob die Stadt ins Boot mit einsteigt oder nicht – alles weitere ergibt sich danach.
Das gilt ein Stück weit auch für die Frage nach den Parkplätzen – die übrigens auch auf der "Insel" eine Herausforderung darstellt: Der Platz an der Schmiechastraße ist begrenzt. Im südlichen Sanierungsgebiet kommt erschwerend hinzu, dass die Gartenstraße "Zielnetzachse" des "Radnetzes BW" ist: Durch sie sollen Radfahrer gelotst werden, doch darauf eingerichtet ist sie , mit all dem motorisierten Blech am Straßenrand, nicht.
Andererseits sind in nächster Nähe Hotels im Bau oder geplant, und die Gäste werden gewiss nicht alle mit dem Zug kommen – hier könnte ein Zielkonflikt im Busch sein. Apropos Fahrrad: Das ehe vernachlässigte Geländestück zwischen Villa Haux und dem Parkhaus am Bahnhof könnte, so stellt es sich die Stadt vor, durch eine E-Bike-Ladestation aufgewertet werden.
Das Bahnhofsgebäudeunter der Lupe
Die Stadträte jedenfalls begrüßten in ihrer jüngsten Sitzung die Erweiterung des Sanierungsgebiets und stimmten entsprechend. "Für Albstadts Zukunft wird viel davon abhängen, die Innenstadt mit Aufenthaltsqualität und einem modernen Wohnumfeld zu entwickeln", kommentierte Susanne Feil, Fraktionschefin von Bündnis ’90/Die Grünen, die schon in ihrer Haushaltsrede das Thema aufgegriffen hatte. "Durch die Sanierung des Umfelds Bahnhof ergeben sich große Chancen für neue städtebauliche Qualität."
Für die CDU-Fraktion begrüßte Jürgen Kurz die Chance für Gebäudeeigentümer in "Albstadts sichtbarstem und wahrnehmbarsten Sanierungsgebiet", ihre Häuser zu sanieren und ein "Zeichen für Attraktivität" zu setzen. Kurz mahnte allerdings, den Busbahnhof nicht zu vergessen.
Siegfried Schott (Freie Wähler) hat außerdem den Hauptbahnhof Ebingen im Auge: "Ziel muss es sein, dass einer, der dort ankommt, sagt: ›Wow!‹" – dazu müsse auch das Umfeld draußen grüner und ansprechender werden, die vielbefahrene Poststraße von der "Barriere" zu einem "schmerzfrei" überwindbaren Übergang und der Verkehr dort verlangsamt werden. "Die Bahnhofstraße war mal eine attraktive Einkaufsstraße", sagte Schott, "und es muss unser großes Interesse sein, sie wieder aufzuwerten." Dabei erweise es sich jetzt als Nachteil, dass es nicht gelungen sei, das ehemalige "Monopol"-Gebäude als Medienzentrum zu etablieren.
Thilo Frizenschaf (Wir sind Albstadt) hält es für dringend notwendig, die Bushaltestellen aus der Fußgängerzone hinaus zu verlagern und lieber einen Spielplatz für Kinder dort einzurichtet: "Man könnte die Busse an den Busbahnhof verlegen – der ist eh nicht ausgelastet."
FDP-Fraktionschef Philipp Kalenbach ist die Unterführung zum Bahnhof – uneinsehbar durch den Bogen und damit "ein Horror für Frauen" – ein Dorn im Auge. Außerdem kritisierte er, der Kapitaleinsatz der Fördermittel greife zu kurz.
CDU-Fraktionschef Roland Tralmer äußerte sich indes nicht zur Sache – konnte sich einen kleinen Seitenhieb jedoch nicht verkneifen: in Form eines Hinweises, aus welchem Ministerium der Förderbescheid gekommen sei. Er und SPD-Stadträtin Lara Herter, Kreis- und Landesvorsitzende der Jusos, hatten schon bei einem Kindergarten-Tagesordnungspunkt den Wahlkampf geprobt. Bis zur Landtagswahl sind es noch vier Wochen.