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Albstadt Das Papier hat bald ausgedient

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Schulunterricht am Tablet – Lehrerin Susanne Judenhahn, Rektor Hans-Jörg Fink (Mitte) und Landrat Günther-Martin Pauli schauen zu. Landkreis und Land teilen sich die Kosten von "tabletBS" – beide zahlen jeweils 20 000 Euro. Die Hardware wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein Windows-Tablet samt Tastatur und Schreibstift kostet etwa 700 Euro. Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder-Bote

An der Ebinger Walther-Groz-Schule wird im nächsten Schuljahr ein Lernmittel zu Einsatz kommen, das den Unterricht stark verändern könnte: das Tablet. Gestern wurde das Pilotprojekt Schülern und Öffentlichkeit vorgestellt.

Von Martin Kistner

Wer Kinder hat, der kennt das Phänomen: den Wust der Zettelsammlungen, die berstenden Schultaschen, deren anhaltender Gebrauch unweigerlich zu Rückenbeschwerden in späteren Jahren führen muss, die überquellenden Schließfächer in den Schulen – und das Problem, dass das benötigte Lehrbuch oder der Ordner mit dem für die anstehende Klassenarbeit benötigten Inhalten im Ernstfall doch spurlos verschwunden ist.

Soll zumindest an der Walther-Groz-Schule nicht wieder vorkommen: Vom Schuljahr 2016/17 an wird sie eine von insgesamt 40 Schulen sein, die sich an "tabletBS", einem Schulversuch des Landes Baden-Württemberg für den Einsatz von Tablet-Computern an beruflichen Schulen, beteiligen. Tablets kann man beim besten Willen nicht vergessen, und schwer sind sie auch nicht. Das Experiment ist bereits in diesem Schuljahr an zwölf Unterrichtsstätten angelaufen, die Walther-Groz-Schule gehört zur zweiten, 14 Schulen starken Testgruppe, die im Folgejahr einsteigt.

Allerdings tut sie das weniger den Rücken der Schüler oder den Nerven der Eltern zuliebe als aus didaktischen Gründen: Der Unterricht mit dem Tablet eröffnet vielfältige Möglichkeiten, den Unterricht individueller, weniger frontal und nicht zuletzt anschaulicher als bisher zu gestalten: Man muss in der mathematischen Funktion nur einen Parameter ändern, und schon rutscht die Parabel nach links, wird in die Länge oder in die Breite gezogen. Im Fach Betriebswirtschaft zeigt die Grafik sehr plastisch Kostenfunktionen und – als dicken grünen Strich – die Gewinnschwelle an; auch hier wechselt sie die Gestalt, sobald man eine Variable verändert. Beim Lückentest im Englisch-Programm muss man nicht erst auf die Korrektur des Lehrers warten, wenn man etwas falsch gemacht; der Rechner reagiert sofort. Was ein weitgehend autonomes Lernen ermöglicht – wer die lange Leine mag, dem bieten sich hier ganz neue Möglichkeiten.

Jedes Klassenzimmer istkünftig Computerraum

Indes fördert das Tablet nicht nur das individuelle, sondern auch das gemeinschaftliche Lernen: Dank dem Beamer an der Zimmerdecke kann jeder seinen Bildschirm an die Wand projizieren und Mitschüler und Lehrer an seinen Lernproblemen und -fortschritten teilhaben lassen. Wenn die Vision der Bildungspolitik, jedem Schüler sein spezifisches Tempo und seinen individuellen Weg zum Lernerfolg zuzugestehen, einmal Wahrheit werden sollte, dann wird das Tablet dazu einen nicht unbedeutenden Beitrag geleistet haben.

Wobei Lernen nicht alles ist – Hans-Jörg Fink, der Rektor der Walther-Groz-Schule, freut sich schon jetzt aufs digitale Prüfen: Excel-Tabelle öffnen, ausfüllen, abspeichern, fertig! Bisher war so etwas nur im Computerraum möglich, aber da wurden schon deshalb keine Klassenarbeiten geschrieben, weil sich zwei Schüler einen PC teilen mussten. In Zukunft könnte jedes profane Klassenzimmer zum Computerraum werden. Freilich eröffnet das Tablet auch Optionen, die nicht im Sinne des Erfinders sein dürften: Surfen auf verbotenen Internetseiten, Nachrichten verschicken, Schiffe versenken – all das geht künftig ohne Smartphone oder gar Papier.

Kein Wunder, dass die Elftklässler, die gestern einen ersten Testlauf mit Tablets absolvierten, überaus angetan waren. Endlich könnte Lernen einmal Spaß machen – doch leider war der digitale Unterricht eine Eintagsfliege. Am Montag werden die Lernmittel wieder aus Papier sein, und wenn "tabletBS" im nächsten Schuljahr anläuft, bleiben die Abiturienten außen vor: zu alt für den Rechner – und das mit 18!

 
 

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