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Albstadt Das nette "Hallo" ist eher rar

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Beim Abend mit Elisa Alber und Anne Tulke habe Geflüchtete, die in Albstadt leben, von sich erzählt.Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

"Neuer Nachbar – neue Nachbarin" – unter diesem Titel haben die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau und die katholische Kirchengemeinde Tailfingen einen Info-Abend zum Thema Flüchtlinge veranstaltet. Bei dem die "neuen Nachbarn" auch selbst zu Wort kamen.

Albstadt-Tailfingen. Zu Beginn hatte Pastoralreferent Michael Holl die – durchaus überschaubare Besuchergruppe – willkommen geheißen; anschließend gab Elisa Alber von der Sozialbetreuung der Caritas für Asylbewerber die dürren Zahlen zu Protokoll: In Deutschland wurden 2019 rund 142 000 Asylanträge gestellt; 2017 waren es noch 186 000 gewesen. 39 000 der 142 000 waren Syrer, 14 000 Iraker und etwa 10 000 regierungskritische Türken – letztere sind fast ausnahmslos Akademiker. In Albstadt leben derzeit 129 Geflüchtete aus den drei genannten Ländern; die meisten im Status der Duldung. Sie hoffen auf eine Aufenthaltserlaubnis, eine dauerhafte Bleibeperspektive – und auf Arbeit. Aber diese Hoffnung geht nicht für alle in Erfüllung – und manche verlässt sie vor der Zeit: Sie sehen keine Perspektive mehr für sich und geben auf.

Arsalan Falahi kommt aus dem Iran, lebt seit mehr als zwei Jahren in Albstadt und spricht, obwohl er in den Sprachkursen vor der Grammatik die Waffen streckte, inzwischen gut Deutsch – er hat es sich mit Hilfe von YouTube beigebracht. Der 30-Jährige sucht derzeit einen Ausbildungsplatz und fühlt sich dabei durch seinen Aufenthaltsstatus – Duldung – gehandicapt: Zwar gebe es die "Ausbildungsduldung", während der nicht abgeschoben werde, und danach die Möglichkeit der befristeten Weiterbeschäftigung – aber die Arbeitgeber schreckten dennoch zurück. Derzeit macht Falahi ein Praktikum in der Altenpflege und arbeitet ehrenamtlich bei der Tafel. Er habe in Deutschland viele freundliche Menschen kennengelernt – aber auch andere, missgünstige, die ihn behandelten, als komme er "von einem anderen Stern".

Elham Anjarini lebt seit einem Jahr in Albstadt. Auch sie spricht mittlerweile sehr gut Deutsch, ebenso wie ihre drei Kinder und ihr Mann, der in Syrien eine eigene Firma hatte und nun Arbeit in Balingen gefunden hat. Anders als Falahi besitzt die 31-Jährige eine Aufenthaltserlaubnis, aber sie tut sich trotzdem schwer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Trotz einem hohen Schulabschluss, der Teilnahme an Bewerbungsseminaren und zahlreichen Bewerbungsschreiben kam es bislang zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch; Anjarini rätselt, ob es an ihrem Kopftuch liege. Schwer tut sie sich aber auch mit den Umgangsformen in Albstadt – ein nettes "Hallo" sei eher die Ausnahme. Ihre Kinder habe sie dazu angehalten zu grüßen, aber da nicht zurückgegrüßt wurde, hätten sie das Grüßen inzwischen aufgegeben und machten es den deutschen Kindern nach. Elham Anjarini hat sich vorgenommen, im Zuge einer Ausbildung Kontakte knüpfen und in Albstadt "heimisch" zu werden – doch dass ihr Herz und ihre Seele in Syrien sind und sie hofft, eines Tages wieder heimkehren zu können, daraus macht sie kein Hehl. Derzeit arbeitet sie ehrenamtlich in der "Secontique" der Caritas und macht den Führerschein.

Abschließend zeigte ein Film Menschen aus verschiedensten Ländern. Jeder von ihnen meinte, sein Land und Volk seien das beste – zumindest das haben offenbar alle miteinander gemeinsam.

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