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Albstadt "Das muss uns erst mal einer nachmachen"

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Optimistische Stücke spielt Jazz-Pianist Wolfgang Brandner. Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Karina Eyrich

Albstadt-Lautlingen. Immer um den 3. Oktober herum wird Vera Lengsfeld zur Nomadin: Sie will den Menschen überall in Deutschland von ihren Erfahrungen mit dem DDR-Regime erzählen. In Lautlingen hat sie das am Sonntag getan – und es ging unter die Haut.

"Für die junge Generation ist es heute selbstverständlich, nicht mehr in Ost-West-Kategorien zu denken. Aber einmal im Jahr sollten wir daran erinnern, wie es zu diesem Geschenk an uns Deutsche kam." Roland Tralmer spricht von der Deutschen Einheit, und dieses Tages zu gedenken, statt ihn nur als freien Tag zu verbummeln, hält der Vorsitzende der CDU Albstadt für wichtig – immer wieder.

Wie gut passt es da, dass Thomas Bareiß und seine CDU Zollernalbkreis Vera Lengsfeld ins Lautlinger Schloss eingeladen haben, wo Jazz-Pianist Wolfgang Brandner mit "optimistischen", kraftvollen Stücken entspannte Atmosphäre zaubert, bevor Vera Lengsfeld die Bühne betritt. Die Berlinerin gehört zu den bekanntesten Bürgerrechtlerinnen der DDR, saß im Stasi-Gefängnis, weil sie für freie Meinungsäußerung demonstriert hatte, und tourt immer um den 3. Oktober durch Deutschland.

Demonstrationen breiten sich aus wie ein Flächenbrand

Von ihr erfahren rund 80 Zuhörer, wie die Bürger der DDR einst begonnen haben, ihre rechtlichen Spielräume auszunutzen, wie die evangelische Kirche – durch die Anerkennung des Regimes – die Hoheit über ihre Räume, also die Kirchen, erhalten habe und die Menschen diesen Freiraum seit Anfang der 1980er Jahre entdecken.

Zehntausende hätten dann ab 1989 durch ihre Flucht dem Regime die Legitimität entzogen, die Demonstrationen sich wie ein Flächenbrand ausgebreitet, sagt Lengsfeld. Und sie betont: "Es war kein Politiker an diesem Prozess beteiligt – die Politik konnte nur nachvollziehen, was die Menschen auf der Straße vorgegeben haben." Helmut Kohl sei es gewesen, der diese Macht der Menschen früh erkannt habe.

Kein anderes Ereignis habe drei Viertel der Erwachsenen – mancherorts waren es so viele – auf die Straße gebracht, sagt die Bundestagsabgeordnete, die nach Stasi-Haft und Ausbürgerung am Morgen des 9. November nach Berlin zurückgekehrt war. Von diesem tag an seien die Deutschen für ein paar Monate das glücklichste Volk der Erde gewesen.

An den Ufern der Elbe stehen heutewieder Angler

Erinnern will Lengsfeld immer wieder daran, dass es keine "DDR-Identität" gegeben habe, dass es die SED gewesen sei, die eine "restlos ruinierte Volkswirtschaft hinterlassen" habe, und dass es erst seit der Wiedervereinigung mit Umwelt, Städten und Wirtschaft wieder aufwärts gehe: "1989 war die Elbe ein toter Fluss. Heute stehen wieder Angler an ihren Ufern."

Für Lengsfeld war es konsequent, aus der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auszutreten, in die sie 1990 gewählt worden war, und zur CDU zu gehen: weil Grüne und SPD die SED-Nachfolgepartei PDS (heute "Die Linke") wieder salonfähig gemacht hätten. Nicht nur deshalb nennt Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß Lengsfeld ein Musterbeispiel für Zivilcourage.

Und Vera Lengsfeld endet mit einem Ausruf, der deutlich macht, wie groß die Leistung der Ostdeutschen beim Sturz des Regimes und die Leistung aller Deutschen beim Aufbau eines gemeinsamen Landes war: "Wir können doch bitteschön sagen: Das soll uns erst mal einer nachmachen!"

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