Welche Straftaten zu- und welche abgenommen haben, zeigt die Grafik der Polizei.Grafik: Polizei Albstadt Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinderat: Polizeichef Lehmann legt Bericht für 2020 vor / Gewalt nimmt zu

Man wagt es kaum zu sagen, aber es ist so: Corona hat offenbar auch sein Gutes: Die Kriminalität ist 2020 auch in Albstadt merklich gesunken; die Polizei erklärt es sich mit der Pandemie.

Albstadt. Wie Markus Lehmann, Leiter des Polizeireviers Albstadt, am Donnerstagabend im Gemeinderat mitteilte, ist die Kriminalität in Albstadt gesunken: Hatte das Albstädter Revier 2019 noch 2278 Straftaten erfasst, waren es im Folgejahr nur noch 2031 gewesen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist 2020 Albstädter Durchschnitt. Von den 3031 Straftaten wurden 1368 aufgeklärt; die Aufklärungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 67,4 Prozent gestiegen.

Die Kriminalitätsbelastung lag mit hochgerechnet 4467 Straftaten auf 100 000 Einwohner leicht unter, die Tatverdächtigenbelastung mit 2524 leicht über dem Landesschnitt. Bei beiden Kennziffern führt Albstadt im Kreisvergleich. Lehmann versicherte auf Anfrage von Friedrich Rau (Bündnis  ’90/Die Grünen", dass das normal sei: Je größer die Stadt, desto höher die Kriminalität.

Auch qualitativ offenbart der Vorjahresvergleich signifikante Unterschiede. Die Gesamtzahl der Delikte mag gesunken sein; in einigen Kategorien verzeichnet die Polizei jedoch Zuwachs. Bei "Rohheit/Vergehen gegen die persönliche Freiheit" etwa, bei "Freiheitsberaubung/Nötigung/Bedrohung", bei Körperverletzung, bei Beleidigung. Verringert hat sich die Zahl der Sachbeschädigungen, der Diebstähle, der Betrügereien – die im Internet haben freilich nach wie vor Konjunktur – und der Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte: 14 Fällen im Jahr 2019 stehen vier 2020 entgegen.

Den Trend zu weniger Wohnungseinbrüchen – es geht ja niemand mehr aus – hat Albstadt nicht mitgemacht; allerdings bedeuten zehn Delikte nur deshalb einen Anstieg, weil die Bilanz mit neun Delikten schon 2019 unterdurchschnittlich ausfiel.

Hundertprozentige Anstiege gab es in zwei Sparten, aber das lag in der Natur der Sache: 127 Verstöße gegen die Coronaverordnung sind ebenso 100 Prozent mehr als 2019 wie die vier Albstädter Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz.

An der Zusammensetzung der Täterschaft hat sich nichts geändert. Knapp 70 Prozent der Verdächtigen waren männlich, etwas mehr als zwei Drittel deutsche Staatsangehörige und etwas weniger als 80 Prozent Erwachsene – die Jugendlichen und Heranwachsenden sind besser als ihr Ruf; laut Lehmann ist die Jugend- und Kinderkriminalität 2020 zurückgegangen.

Der zweite etatmäßige Themenkomplex des Jahresberichts der Polizei ist der Straßenverkehr. Augenscheinlich hat sich die Pandemie mit allem, was sie im Gefolge führte – Lockdown, Homeoffice, Homeschooling – auch auf ihn ausgewirkt. Genau wie im Land und im Kreis sind Unfallzahlen auch in Albstadt gesunken, nämlich von 1261 im Jahr 2019 auf 1078 im Jahr 2020. Die Zahl der Personenschäden fiel von 121 auf 79; die der Schwerverletzten allerdings stieg von 21 auf 25. Zwei Menschen starben bei Unfällen, so viele wie 2019.

Auf ein spezielles Onstmettinger Problem verwies in der auf Lehmanns Power-Point-Vortrag folgenden Aussprache Siegfried Schott (Freie Wähler), der Ortsvorsteher. Seit es wärmer ist, tauchten speziell an den Wochenenden rudelweise Motorradfahrer, vereinzelt auch Gruppen von Personenwagen auf dem Stich auf, um sich "Bergrennen" zu liefern. Als Tribüne hätten sie sich die Zufahrt zu den Fischteichen in der unteren Haarnadelkurve ausgesucht, parkten ihre Fahrzeuge im Biotop und ließen Zufahrt und Wiese vermüllt zurück. Dort seien die Möglichkeiten der Ordnungsmacht begrenzt, erwiderte Lehmann, wenn man die Zaungäste aus der Kurve vertreibe, versammelten sie sich weiter unten an der Steige. Deutliche Verkehrshinweise? Schott zog ihre Wirksamkeit in Zweifel. Er sei ja kein Freund von Schranken, aber Schilder dürften kaum reichen.

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