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Albstadt Bürger hilft Flüchtlingen bei Integration

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Horst Kleber lebt die neue erzieherische Herausforderung der Integration. Foto: Müller

Albstadt-Tailfingen - Nur so kann Integration gelingen: wenn jeder seinen Teil dazu beträgt. Das ist die Ansicht von Horst Kleber, und er geht als Mann der Tat mit gutem Beispiel voran: Dank seiner zwei Berufe, nämlich Arzt und Lehrer, weiß der Unruheständler, wie man zu fremden Kulturen am einfachsten Zugang bekommt. Sein großer Erfahrungsschatz aus seinem Arbeitsleben tut sein übriges dazu – und seine große Herzlichkeit.

Dabei hätte Kleber allen Grund wütend zu sein. Was war geschehen? Am 18. November 2014 bekam Kleber – so wie die anderen Bewohner des Hauses, in dem er lebte – einen Brief von der Wohnbaugenossenschaft (WBG), dass das Haus an die Stadt verkauft worden sei und sie "gebeten" würden, auszuziehen. "Ein Unding", fanden die Bewohner. Wut und Empörung machten sich breit, auch angesichts des schnellen Handlungsbedarfs. Sie berieten sich und stimmten wohl oder übel dem Umzug – sechs Häuser weiter – zu.

Zwischenzeitlich ist der Unmut verflogen, "denn die Kinder aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Tschetschenien und Pakistan können nichts dafür", sagt Kleber über die neuen Hausbewohner. Als sie mit ihren Fahrrädern herumfuhren, lockte sie das Akkordeonspiel des 72-Jährigen. Sogleich machten sie deutlich, dass sie auch einmal darauf spielen wollten, bekamen Klebers Orff-Instrumente und sie spielten nach einer Weile gemeinsam deutsche Melodien und syrische Lieder.
Mit Zaubertricks die Kinder begeistert

Wie ein Magnet wirkte aber auch Klebers Hase, zumal eines der Mädchen, wie er überrascht feststellte, "noch nie einen Hasen gesehen" hatte. Außerdem beherrscht Horst Kleber kleine Zaubertricks, mit denen er die Kinder fasziniert, und hat mit ihnen zusammen ein kaputtes Fahrrad repariert.

Die Kinder, die zwischenzeitlich sehr gut Deutsch sprechend, kommen immer wieder zu ihm. "Sie wollen beschäftigt werden, Aufgaben bekommen", sagt Kleber. Mit seinem mechanischen Rasenmäher haben sie im Sommer mit Freude den kleinen Rasen gemäht und dafür zur Belohnung Schokolade bekommen. Dabei herrsche ein großes Gerechtigkeitsempfinden, ist dem rührigen Mann in seiner neuen "Opa-Rolle" aufgefallen.

Ein traumatisierter Junge, der anfangs immer mit einem Spielzeuggewehr unterwegs war und "Passport" sagte, hat dieses Verhalten mittlerweile abgelegt. Wie wichtig die Heranführung an die hiesigen Verhältnisse und somit die Erziehung der Kinder ist, wurde dem Tailfinger klar, als die Kinder einfach in seine Wohnung kamen, wie in ein öffentliches Gebäude. Einmal entlarvte eine Nachbarin per Foto einen Jungen, der sich unerlaubt auf Klebers Roller gesetzt hatte – der Junge gab es sofort zu, und seit Kleber klare Regeln aufgestellt hat, herrscht Einvernehmen.

Mit seinem Tun ist Horst Kleber seinen deutschen Nachbarn Vorbild und findet Anerkennung, obwohl manche das Verhalten der Kinder anfangs als störend empfanden. Mittlerweile bewundern sie ihn für seinen Einsatz. Auch die Mütter der Kinder freuen sich über diesen Kontakt und haben dem Brückenbauer schon mal zum Dank Schokolade geschenkt. Was Horst Kleber auffällt: Die neuen Nachbarn sind aufgeschlossener als am Anfang – somit hat sich für ihn sein Einsatz schon gelohnt –, und der spannende Weg geht für alle Beteiligten weiter.

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