Enttäuscht: Oberbürgermeister Klaus Konzelmann Foto: Schwarzwälder Bote

UCI-Mountainbike-WM: Absage trifft Albstadt hart – aber nicht unerwartet / Neuer Anlauf 2026 möglich

Es ist ein schwerer Schlag für alle, die sich auf die UCI-Mountainbike-Weltmeisterschaft im Cross Country in Albstadt gefreut haben: Die WM fällt 2020 ersatzlos aus. 2021 wird sie in Italien ausgetragen.

Albstadt. Leicht haben sich der Weltverband Union Cycliste Internationale (UCI), der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Stadt Albstadt die Entscheidung nicht gemacht. Angesichts der noch immer andauernden Coronavirus-Pandemie und der Wahrscheinlichkeit einer zweiten Ansteckungswelle im Herbst haben sie am Donnerstag die UCI-Mountainbike-Weltmeisterschaft im Cross Country in Albstadt abgesagt. Dass der Termin vom 25. bis 28. Juni nicht zu halten sein würde, stand bereits im März fest. Nun ist auch ein möglicher Alternativtermin im Oktober geplatzt. Ob die WM der Downhill-Fahrer im österreichischen Saalfelden-Leogang vom 4. bis 6. September stattfinden wird, steht noch nicht fest. Auf der Internetseite der Gemeinde ist der Termin noch ausgewiesen. Der Albstädter Oberbürgermeister Klaus Konzelmann geht allerdings davon aus, dass auch diese WM der Pandemie zum Opfer fallen wird.

"Wir sind alle unheimlich traurig", sagt Konzelmann im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, "denn wir haben drei Jahre auf das Ereignis hingearbeitet und mit keinem Gedanken an eine Pandemie gedacht, die Auswirkungen darauf haben würde." Die Absage sei eine schwierige Entscheidung gewesen, doch angesichts der Investitionen, die erst jetzt noch auf die Stadt zugekommen wären, "mussten wir sagen: Hopp oder Top", so Konzelmann. Alle noch anstehenden Vergaben habe die Stadt nun rückgängig gemacht.

In Gesprächen mit Rudolf Scharping, Präsident des BDR, und Theresa Schopper, Staatssekretärin in der Stuttgarter Staatskanzlei, habe er aber viel Verständnis geerntet, berichtet der Oberbürgermeister. "Wie hätten wir schließlich die Sicherheit all der Sportler und Zuschauer sicherstellen können?"

"Erst nach der Corona-Krise werden wir wissen, ob wir zu ängstlich oder nicht mutig genug waren", ergänzt Jo Triller, Leiter des Amtes für Familie, Bildung, Sport und Soziales, dessen Team mit Marinus Merz und Michael Hettrich in Zusammenarbeit mit der Firma "Skyder" von Stephan Salscheider und dem Balinger "Atelier Türke", zuständig für die Werbekampagne, die Hauptarbeit der Organisation geleistet hat.

"Wir waren sehr gut vorbereitet und es wäre ein schönes Fest des Sports gewesen", betont Triller, "aber die Absage trifft uns nicht unerwartet", sagt er mit Blick auf die Diskussionen seit dem Ausbruch der Pandemie.

Bitter: 75 bis 80 Prozent der Gesamtarbeit seien bereits geleistet – nun müssen sich die Organisatoren an die Rückabwicklung machen. Die Frage, ob die Stadt die Zuschüsse von Land und Bund zurückzahlen muss, sei zu klären, und auch mit den Sponsoren müsse über die Konsequenzen gesprochen werden. Wie viel der Ausfall respektive das bisher Geleistete die Stadt koste, stehe daher noch nicht fest.

Weh tut die Entscheidung Konzelmann und Triller vor allem mit Blick auf die Fans, die sich auf die Wettkämpfe gefreut haben, auf die Vereine, Gastronomen und Einzelhändler der Region, die davon profitiert hätten – und auf das Organisationsteam, das mit hoher Motivation gearbeitet habe. Das Stadtoberhaupt lobt deren Arbeit "über alles", wie Konzelmann betont, und Triller fügt hinzu: "Alle haben mit tollen Ideen und viel Herzblut einen super Job gemacht."

BDR-Präsident Scharping kommentiert: "Es gab nach Bewertung der aktuellen Lage keine Alternative zur Absage der MTB-Weltmeisterschaft in Albstadt. Aus der Politik gab es klare Signale, dass auch im Oktober international noch mit gravierenden Reisebeschränkungen zu rechnen ist. Wir haben deshalb hier in Abstimmung mit der Stadt und der UCI die Notbremse gezogen, aber damit gleichzeitig auch die Weichen für die Zukunft des Radsports in dieser MTB-Hochburg gestellt."

"25 Jahre nach der Mountainbike-Weltmeisterschaft in Kirchzarten" – es war die bisher einzige auf deutschem Boden – "eine solche Entscheidung treffen zu müssen, ist traurig, vor allem auch für unsere aktiven Mountainbiker, die sich seit zwei Jahren auf dieses Highlight gefreut haben", ergänzt BDR-Generalsekretär Martin Wolf. "Wir waren uns aber einig, dass wir damit dem MTB-Sport seine Heimat im ›Bullentäle‹ retten können. Weltcups sind für 2021 und 2022 bereits wieder in der Planung, und warum sollte es in ein paar Jahren nicht einen erneuten WM-Anlauf geben. Ronja Eibl als Lokalmatadorin jedenfalls ist jung genug, um auch dann noch als ›Champion in Albstadt‹ für Furore zu sorgen."

Konzelmann unterstreicht das: "Albstadt ist und bleibt eine Mountainbike-Hochburg. Wir wollen diesen einzigartigen Sport auch zukünftig in Deutschland präsentieren und voranbringen." Für die Weltcups 2021 und 2022 habe Albstadt sich beworben. Für 2026 bestehe die nächste Möglichkeit, sich um eine WM zu bewerben.

Verständnis dafür, dass das italienische Val di Sole, wo 2021 die WM im Cross Country und im Downhill stattfinden soll, das Ereignis komplett austragen will, äußern sowohl Konzelmann als auch Triller. Derzeit liege der Tourismus komplett am Boden, und die Einnahmen durch die WM 2021 würden dort dringend gebraucht.

Trotz der Absage der UCI-Mountainbike-WM im Cross Country in Albstadt setzt der Schwarzwälder Bote als Medienpartner die Serie von Autor Erhard Goller über "20 Köpfe für 2020" fort. Grund ist die große Resonanz bei unseren Lesern. Der fachkundige Sportjournalist Erhard Goller porträtiert für die Serie Sportler, Funktionäre und Ehrenamtliche, ohne die eine solche WM in Albstadt nicht möglich gewesen wäre, und lässt unsere Leser damit hinter die Kulissen des Mountainbike-Sports blicken. Der 14. Beitrag ist Dieter Pfänder gewidmet, der von den ersten Gonso Albstadt Mountainbike Classics 2005 an jedes Jahr in Albstadt dabei war.